III. Reich - Kyffhäuserbund - tragbares Teilnehmerabzeichen " Saarkameraden nach Pommern-Grenzmark "
Das vorliegende tragbare Teilnehmerabzeichen "Saarkameraden nach Pommern-Grenzmark" des Kyffhäuserbundes stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der Erinnerungskultur und politischen Propaganda im Dritten Reich dar. Dieses aus rot lackiertem Eisenblech gefertigte Abzeichen mit der eingeschlagenen Teilnehmernummer 879 dokumentiert eine spezifische Veranstaltung innerhalb der komplexen Organisation des Kyffhäuserbundes während der nationalsozialistischen Herrschaft.
Der Kyffhäuserbund, offiziell als NS-Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) bekannt, wurde 1938 durch die Zusammenlegung des traditionellen Kyffhäuserbundes der Deutschen Landeskriegerverbände mit dem Nationalsozialistischen Reichskriegerbund geschaffen. Diese Organisation vereinte ehemalige Soldaten des Ersten Weltkrieges und diente als Instrument zur Mobilisierung und ideologischen Ausrichtung der Veteranengemeinschaft im nationalsozialistischen Staat. Mit mehreren Millionen Mitgliedern war der Kyffhäuserbund eine der größten Massenorganisationen des Dritten Reiches.
Die Bezeichnung "Saarkameraden nach Pommern-Grenzmark" verweist auf einen organisierten Besuch oder eine Veranstaltung, bei der Veteranen oder Mitglieder aus dem Saarland in die Region Pommern-Grenzmark reisten. Solche Kameradschaftsfahrten waren ein wesentliches Element der NS-Veteranenpolitik und dienten mehreren propagandistischen Zwecken. Das Saargebiet hatte nach der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 eine besondere symbolische Bedeutung für das NS-Regime, da die überwältigende Mehrheit für die Rückkehr zum Deutschen Reich gestimmt hatte.
Die Grenzmark Posen-Westpreußen, später als Pommern-Grenzmark bezeichnet, war eine preußische Provinz, die 1922 aus Gebieten geschaffen wurde, die nach dem Ersten Weltkrieg und dem Versailler Vertrag bei Deutschland verblieben waren. Diese Region hatte große symbolische Bedeutung im nationalsozialistischen Narrativ vom "verlorenen Osten" und dem Kampf um deutschen Lebensraum. Besuche aus westlichen Regionen wie dem Saarland in diese östlichen Grenzgebiete sollten die nationale Solidarität stärken und das Bewusstsein für die vermeintlichen territorialen Ansprüche schärfen.
Solche Teilnehmerabzeichen wurden typischerweise bei größeren Veranstaltungen, Treffen oder Kameradschaftsfahrten ausgegeben. Die Nummerierung – in diesem Fall die Nummer 879 – deutet auf eine beträchtliche Teilnehmerzahl hin und ermöglichte eine organisatorische Kontrolle. Die Verwendung von Eisenblech als Material war in der Zeit ab Ende der 1930er Jahre und besonders während des Krieges üblich, da wertvolle Metalle für die Rüstungsproduktion benötigt wurden. Die rote Lackierung könnte symbolische Bedeutung gehabt haben oder diente der visuellen Unterscheidung von anderen Abzeichen.
Die Nadelkonstruktion auf der Rückseite ermöglichte das Tragen an der Zivilkleidung oder Uniform und machte die Teilnahme an der Veranstaltung öffentlich sichtbar. Dies entsprach der nationalsozialistischen Praxis, politische Zugehörigkeit und Teilnahme an Veranstaltungen durch äußere Zeichen zu demonstrieren. Das Tragen solcher Abzeichen war Teil der allgegenwärtigen visuellen Propaganda des Regimes.
Der Kyffhäuserbund organisierte in den 1930er Jahren zahlreiche solcher überregionalen Treffen und Fahrten. Sie dienten nicht nur der Kameradschaftspflege, sondern waren auch Instrumente zur Verbreitung der NS-Ideologie unter den Veteranen und zur Vorbereitung der Bevölkerung auf den kommenden Krieg. Die Verbindung zwischen verschiedenen Regionen sollte ein Gefühl nationaler Einheit schaffen und regionale Unterschiede überwinden.
Besonders die Saarländer galten nach der erfolgreichen Abstimmung von 1935 als beispielhafte "Heimkehrer ins Reich" und wurden propagandistisch instrumentalisiert. Ihre Reisen in andere Reichsteile sollten diese Erfolgsgeschichte verbreiten und gleichzeitig Solidarität mit den "bedrohten" Ostgebieten demonstrieren.
Aus sammlungshistorischer Perspektive sind solche Teilnehmerabzeichen heute wichtige Quellen zur Erforschung der Alltagskultur und Organisationsstruktur des Dritten Reiches. Sie dokumentieren die Durchdringung der Gesellschaft mit nationalsozialistischen Organisationen und die Mobilisierung breiter Bevölkerungsschichten. Der Erhaltungszustand dieses Exemplars mit vollständiger Nadel und lesbarer Nummer macht es zu einem aussagekräftigen historischen Dokument.