Kriegsmarine Ärmeltresse für Offiziere 

Cellon, Breite: ca.140 mm, Länge ca.137 cm,Zustand 1
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70,00

Kriegsmarine Ärmeltresse für Offiziere 

Die Kriegsmarine-Ärmeltresse für Offiziere stellt ein bedeutendes Beispiel der maritimen Rangabzeichen der deutschen Kriegsmarine während der Zeit des Dritten Reiches (1935-1945) dar. Diese spezielle Ausführung aus Cellon, einem frühen Kunststoffmaterial, repräsentiert die technologischen und materiellen Entwicklungen im Bereich der Uniformausstattung während des Zweiten Weltkriegs.

Die Kriegsmarine wurde am 1. Juni 1935 offiziell als Nachfolgerin der Reichsmarine gegründet und stellte die Seestreitkräfte Nazi-Deutschlands dar. Mit ihrer Gründung führte die Kriegsmarine ein umfassendes System von Rangabzeichen und Uniformvorschriften ein, das sich an den traditionellen kaiserlichen Marinetraditionen orientierte, jedoch durch neue Symbole und Materialien ergänzt wurde.

Die Ärmeltresse (auch Ärmelborte genannt) diente als primäres Rangkennzeichen für Offiziere der Kriegsmarine und wurde am unteren Ende der Uniformärmel getragen. Die Anzahl, Breite und Anordnung der goldenen Streifen auf dunklem Grund ermöglichte die sofortige Identifikation des Dienstgrades eines Offiziers. Das hier beschriebene Exemplar mit einer Breite von etwa 140 mm und einer Länge von circa 137 cm entspricht den standardisierten Maßen für Offiziersärmeltresse.

Die Verwendung von Cellon als Material ist besonders bemerkenswert. Cellon, ein Handelsname für Celluloseacetat, war ein transparenter, flexibler Kunststoff, der in den 1930er und 1940er Jahren zunehmend für militärische Zwecke eingesetzt wurde. Bei Ärmeltresse wurde Cellon häufig als Schutzschicht über den gestickten oder gewebten Rangabzeichen verwendet, um diese vor Feuchtigkeit, Salzwasser und mechanischer Abnutzung zu schützen - ein besonders wichtiger Aspekt im maritimen Einsatz.

Die Herstellung solcher Ärmeltresse erfolgte nach präzisen Vorschriften der Heeres-Verordnungs-Blätter und entsprechenden Marinevorschriften. Die goldenen Streifen wurden traditionell aus Goldlahn (goldfarbenem Metallfaden) auf dunkelblauen oder schwarzen Untergrund gestickt oder gewebt. Die Cellon-Beschichtung wurde anschließend aufgebracht, um Langlebigkeit zu gewährleisten.

Das Rangsystem der Kriegsmarine war hierarchisch aufgebaut: Leutnant zur See trug einen schmalen Streifen, Oberleutnant zur See zwei schmale Streifen, Kapitänleutnant zwei schmale Streifen mit einem breiten Streifen darüber. Höhere Ränge wie Korvettenkapitän, Fregattenkapitän und Kapitän zur See führten zunehmend breitere und komplexere Streifenkombinationen. Admiralsränge zeichneten sich durch zusätzliche breite Streifen und oftmals aufgestickte Sterne aus.

Die Länge von 137 cm ermöglichte es Schneidermeistern, die Tresse an verschiedene Uniformtypen anzupassen, einschließlich der Waffenrock (Paradeuniformen), des Dienstanzugs und der Bordjappe (Bordjacke). Überschüssiges Material konnte abgeschnitten werden, während genügend Reserve für Änderungen vorhanden war.

Der angegebene Zustand 1 deutet auf eine hervorragende Erhaltung hin, was bei über 75 Jahre alten Cellon-Objekten bemerkenswert ist. Cellon neigt zur Versprödung und Verfärbung, sodass gut erhaltene Exemplare selten sind. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Tresse entweder ungebraucht blieb oder unter optimalen Bedingungen gelagert wurde.

Solche Ärmeltresse waren nicht nur funktionale Rangabzeichen, sondern auch Symbole der maritimen Tradition und des Korpsgeistes der Kriegsmarine. Die sorgfältige Pflege und das korrekte Tragen der Uniform, einschließlich der Ärmeltresse, waren Teil der militärischen Disziplin und des Ehrenkodex.

Nach dem 8. Mai 1945 und der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands wurde die Kriegsmarine aufgelöst. Uniformteile und Abzeichen wurden teilweise von Sammlern bewahrt und stellen heute wichtige historische Dokumente dar, die Einblicke in die Materialkultur, Hierarchiestrukturen und textile Technologien der damaligen Zeit bieten.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte von militärhistorischem und sammlerischem Interesse. Sie dokumentieren nicht nur militärische Rangstrukturen, sondern auch die Entwicklung von Textiltechnologien und synthetischen Materialien. Die Verwendung von Kunststoffen wie Cellon markiert einen Wendepunkt in der Uniformherstellung und den Übergang von rein natürlichen zu teilweise synthetischen Materialien.