Mein Kampf - Volksausgabe von 1936

München, Zentralverlag der NSDAP Franz Eher Nachfolger, 211/212.. Auflage, blauer Ganzleineneinband, 781 Seiten, Zustand 2/2-. mit Inhaberstempelung
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220,00

Mein Kampf - Volksausgabe von 1936

Die Volksausgabe von "Mein Kampf" aus dem Jahr 1936 repräsentiert eines der bedeutendsten Propagandainstrumente des nationalsozialistischen Regimes. Das vorliegende Exemplar aus der 211./212. Auflage, erschienen im Zentralverlag der NSDAP Franz Eher Nachfolger in München, dokumentiert die massive Verbreitung dieses Werkes während der Hochphase der NS-Herrschaft.

Adolf Hitler verfasste die beiden Bände von "Mein Kampf" zwischen 1924 und 1926. Der erste Band entstand während seiner Haft in der Festung Landsberg nach dem gescheiterten Putschversuch vom 9. November 1923. Der zweite Band folgte 1926. Das Werk kombinierte autobiographische Elemente mit der Darlegung der nationalsozialistischen Ideologie, des Antisemitismus und der expansionistischen Außenpolitik.

Die Volksausgabe unterschied sich wesentlich von früheren Ausgaben. Während die ersten Ausgaben in zwei separaten Bänden erschienen und relativ teuer waren, vereinte die ab 1930 erschienene Volksausgabe beide Bände in einem handlichen Format zu einem erschwinglichen Preis. Diese verlegerische Entscheidung zielte darauf ab, das Werk einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. Der blaue Ganzleineneinband der Volksausgabe wurde zum charakteristischen Erkennungsmerkmal dieser Version.

Der Franz Eher Nachfolger Verlag war der Zentralverlag der NSDAP und entwickelte sich zum wichtigsten nationalsozialistischen Verlagshaus. Gegründet 1887, wurde er 1920 von der NSDAP übernommen und entwickelte sich unter der Leitung von Max Amann, Hitlers früherem Vorgesetzten aus dem Ersten Weltkrieg, zu einem Verlagsimperium. Der Verlag kontrollierte nicht nur die Veröffentlichung von "Mein Kampf", sondern auch zahlreiche Parteizeitungen und Propagandaschriften.

Die Auflagenzahlen von "Mein Kampf" stiegen nach der Machtergreifung 1933 exponentiell an. Bis 1933 waren etwa 240.000 Exemplare verkauft worden. Bis 1945 erreichte die Gesamtauflage schätzungsweise 12,5 Millionen Exemplare. Die 211./212. Auflage aus dem Jahr 1936 fällt in eine Phase intensiver Verbreitung. Das Buch wurde zum obligatorischen Geschenk bei Eheschließungen, wurde in Schulen verwendet und von Parteimitgliedern erwartet.

Die Inhaberstempelung im vorliegenden Exemplar ist ein typisches Merkmal der zeitgenössischen Nutzung. Viele Besitzer kennzeichneten ihre Bücher mit Namen oder Stempeln, teilweise um Diebstahl vorzubeugen, teilweise aus Stolz über den Besitz. Nach 1945 versuchten viele ehemalige Besitzer, ihre Namen aus den Büchern zu entfernen, um ihre Nähe zum Regime zu verschleiern.

Das Jahr 1936 markierte einen Wendepunkt in der NS-Herrschaft. Die Olympischen Spiele in Berlin sollten das Regime international legitimieren, während gleichzeitig die Aufrüstung vorangetrieben und die Besetzung des Rheinlandes durchgeführt wurde. Die massive Verbreitung von "Mein Kampf" diente der ideologischen Gleichschaltung der Bevölkerung.

Der Zustand "2/2-" nach numismatischer Bewertungsskala deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit leichten Gebrauchsspuren hin. Die 781 Seiten umfassende Ausgabe enthielt die vollständige, ungekürzte Version beider ursprünglicher Bände.

Nach 1945 wurde "Mein Kampf" in Deutschland verboten, die Urheberrechte fielen an den Freistaat Bayern als Rechtsnachfolger des Verlags. Die Verbreitung und der Nachdruck wurden unterbunden, wobei historische Exemplare aus wissenschaftlichen und dokumentarischen Gründen in Bibliotheken und Archiven aufbewahrt wurden. Seit dem Ablauf der Urheberrechte 2016 erschien eine kritisch kommentierte Ausgabe des Instituts für Zeitgeschichte München.

Historisch betrachtet dient das Werk heute als Primärquelle für die Erforschung der nationalsozialistischen Ideologie und als Warnung vor den Gefahren totalitärer Propaganda. Exemplare wie das vorliegende dokumentieren die Verbreitungsmechanismen der NS-Propaganda und gehören zum schwierigen Erbe der deutschen Geschichte.