Preußen Pickelhaube für einen Offizier Feldartillerie oder Train zur Parade

Eigentumsstück um 1910. Eleganter, leichter Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der Linienadler vergoldet mit aufpolierten Kanten, gewölbte Schuppenketten an Rosetten, mit beiden Kokarden. Die Spitze mit Paradetrichter und schwarzem Büffelhaar, die Nackenschiene ohne Lüftungsschieber. Innen mit hellbraunem Lederschweißband und lachsfarbenem Seidenripsfutter, der Nackenschirm rot und der Vorderschirm grün gefüttert. In der Glocke handschriftlich die Größe «56» sowie ein Trägername. Zustand 2.








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Preußen Pickelhaube für einen Offizier Feldartillerie oder Train zur Parade

Die preußische Pickelhaube zählt zu den ikonischsten militärischen Kopfbedeckungen der europäischen Geschichte. Dieses Exemplar eines Offiziers der Feldartillerie oder des Trains zur Parade repräsentiert die Blütezeit der preußisch-deutschen Militärtradition um 1910, in den letzten Jahren vor dem Ersten Weltkrieg.

Die Pickelhaube wurde ursprünglich 1842 unter König Friedrich Wilhelm IV. in der preußischen Armee eingeführt und ersetzte die zuvor getragenen Tschakos. Der Name leitet sich von der charakteristischen Spitze (“Pickel”) ab, die ursprünglich als Schutz gegen Säbelhiebe dienen sollte. Das Design wurde vom russischen Militär inspiriert und entwickelte sich schnell zum Symbol der preußischen und später deutschen Militärmacht.

Der hier vorliegende Helm ist ein Paradehelm, was sich an mehreren charakteristischen Merkmalen erkennen lässt. Der vergoldete Linienadler mit aufpolierten Kanten an der Vorderseite war das Hoheitszeichen für preußische Truppen. Offiziere trugen vergoldete Beschläge, während Mannschaften in der Regel Tombak-Beschläge erhielten. Die gewölbten Schuppenketten an beiden Seiten des Helms waren nicht nur dekorativ, sondern dienten auch zum Schutz des Gesichts. Bei Paradehelmen waren diese Ketten beweglich an Rosetten befestigt.

Die beiden Kokarden am Helm zeigen die doppelte Loyalität des Trägers: Die Kokarde auf der rechten Seite in Schwarz-Weiß repräsentiert Preußen, während die linke Kokarde in Schwarz-Weiß-Rot das Deutsche Kaiserreich symbolisiert. Diese Anordnung wurde nach der Reichsgründung 1871 standardisiert.

Besonders charakteristisch für Paradehelme ist der Paradetrichter mit schwarzem Büffelhaar. Dieses imposante Element wurde nur bei zeremoniellen Anlässen getragen und verlieh dem Träger zusätzliche Größe und Würde. Das Büffelhaar stammte häufig aus Indien und wurde speziell für militärische Zwecke importiert. Die Feldartillerie und der Train trugen traditionell schwarze Roßhaarbusche.

Das Innenfutter des Helms zeigt die hohe Qualität eines Offiziershelms. Das lachsfarbene Seidenripsfutter war typisch für diese Zeit und Verwendung. Offiziere mussten ihre Ausrüstung selbst beschaffen, was zu höherer Qualität und individuellen Variationen führte. Das hellbraune Lederschweißband diente dem Tragekomfort, während die unterschiedliche Fütterung der Schirme (rot am Nacken, grün vorne) den Herstellungsvorschriften entsprach.

Das Fehlen eines Lüftungsschiebers an der Nackenschiene ist ein weiteres Indiz für einen Paradehelm. Feldhelme waren oft mit Ventilationsvorrichtungen ausgestattet, während Paradehelme, die nur bei besonderen Anlässen getragen wurden, darauf verzichteten.

Die Feldartillerie war ein zentraler Bestandteil der preußisch-deutschen Armee. Nach den Erfahrungen der napoleonischen Kriege wurde die Artillerie kontinuierlich modernisiert. Um 1910 verfügte das Deutsche Kaiserreich über eine der modernsten Artilleriewaffen Europas. Der Train war für die Versorgung und den Transport zuständig und spielte eine entscheidende Rolle in der Logistik der Armee.

Die handschriftliche Größenangabe “56” und der Trägername in der Glocke waren üblich, da die Helme individuell angepasst wurden. Die Größe 56 entspricht einem Kopfumfang von etwa 56 Zentimetern und war eine durchschnittliche Größe für erwachsene Männer jener Zeit.

Die Jahre um 1910 markieren eine besondere Phase in der deutschen Militärgeschichte. Das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. befand sich auf dem Höhepunkt seiner Macht, doch die Spannungen in Europa nahmen bereits zu. Die prächtige Paradeuniform und ihre Helme repräsentierten das Selbstbewusstsein und die militärische Tradition des Kaiserreichs.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 verlor die Pickelhaube schnell ihre praktische Bedeutung. Die Realität des modernen Krieges mit Maschinengewehren, Artilleriefeuer und Grabenkrieg machte die auffällige Lederhaube obsolet. Bereits 1916 wurden Stahlhelme eingeführt, die besseren Schutz boten. Dennoch blieb die Pickelhaube als Symbol erhalten und wurde auch in der Nachkriegszeit bei zeremoniellen Anlässen verwendet.

Heute sind gut erhaltene Offiziers-Pickelhauben gesuchte Sammlerobjekte, die nicht nur militärhistorischen Wert besitzen, sondern auch Einblick in Handwerkskunst, Materialverwendung und soziale Hierarchien des Kaiserreichs geben. Sie erinnern an eine Epoche, die mit dem Ersten Weltkrieg endgültig zu Ende ging.