Weimarer Republik Extraseitengewehr der Polizei

Es handelt sich hierbei um ein ehemaliges aufpflanzbares Dienstbajonett Modell 717/84. Hergestellt und in Dienst genommen 1887, nach 1918 dann an die Polizei abgegeben und umgearbeitet wurde. Kurze vernickelte Klinge mit breiter Hohlkehle, Länge 26 cm., Hersteller "Alex Coppel", auf dem Klingenrücken der alte preußische Abnahmestempel Krone "W 87". Das Griffgefäß Eisen vernickelt, die Ziergravur wurde nach 1918 per Hand aufgebracht. Stichblatt mit Weimarer Adler, auf den Hirschhorngriffschalen der Weimarer Polizeistern. Schwarze Lederscheide, die Beschläge Eisen vernickelt, auf dem unteren Beschlag noch der alte Abnahmestempel der preußischen Armee. Komplett mit schwarzem Koppelschuh und Portepee. Getragen, Zustand 2-.
Ein hochinteressantes Belegstück für die berühmte "preußische Sparsamkeit".
281935
1.500,00

Weimarer Republik Extraseitengewehr der Polizei

Das vorliegende Extraseitengewehr der Weimarer Polizei repräsentiert ein faszinierendes Kapitel deutscher Militär- und Polizeigeschichte und verkörpert das Prinzip der preußischen Sparsamkeit in der Zwischenkriegszeit. Dieses Seitengewehr begann sein Dasein als aufpflanzbares Dienstbajonett Modell 717/84, das 1887 für die preußische Armee hergestellt und in Dienst genommen wurde.

Die Ursprünge dieses Bajonetttyps reichen in die 1880er Jahre zurück, als das Deutsche Kaiserreich seine Bewaffnung modernisierte. Das Modell 1871/84 wurde als Standardbajonett für das Gewehr 71/84 eingeführt und von verschiedenen Herstellern produziert. Der auf diesem Exemplar vermerkte Hersteller Alex Coppel aus Solingen gehörte zu den renommierten Klingenmanufakturen des Deutschen Reiches. Der auf dem Klingenrücken eingeprägte Abnahmestempel mit der Krone und “W 87” verweist auf die königlich-preußische Abnahme unter Kaiser Wilhelm I. im Jahr 1887 und garantierte die Qualität und militärische Spezifikation der Waffe.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der Monarchie im November 1918 sah sich die neu gegründete Weimarer Republik mit enormen wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Die Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919 beschränkten die deutsche Reichswehr auf 100.000 Mann und verboten oder beschränkten die Produktion vieler Waffengattungen. Gleichzeitig musste die junge Republik innenpolitische Unruhen, Putschversuche und Aufstände bewältigen, was eine schlagkräftige Polizei erforderte.

In dieser Situation griff man auf die enormen Waffenbestände der aufgelösten kaiserlichen Armee zurück. Zehntausende von Bajonetten, Seitengewehren und anderen Ausrüstungsgegenständen wurden an die Landespolizeien und die neu aufgestellten Sicherheitspolizeien abgegeben. Diese Waffen mussten jedoch umgearbeitet werden, um sie von militärischen zu polizeilichen Ausrüstungsgegenständen zu transformieren und den neuen staatlichen Symbolen anzupassen.

Die Umarbeitung erfolgte in der Regel in spezialisierten Werkstätten. Das vorliegende Exemplar wurde durch mehrere charakteristische Veränderungen an seinen neuen Verwendungszweck angepasst. Die ursprünglich längere Klinge wurde auf 26 cm gekürzt, was dem Seitengewehr einen handlicheren Charakter für den polizeilichen Dienst verlieh. Die Vernickelung der Klinge und des Griffgefäßes sollte die Korrosion verhindern und ein gepflegteres, ziviles Erscheinungsbild schaffen.

Besonders bemerkenswert ist die nachträglich angebrachte Ziergravur auf dem Griffgefäß sowie die symbolische Neugestaltung. Das Stichblatt wurde mit dem Weimarer Reichsadler versehen, dem offiziellen Staatssymbol der Republik ohne Krone und Zepter. Auf den Hirschhorngriffschalen wurde der charakteristische Weimarer Polizeistern angebracht, der die Zugehörigkeit zur republikanischen Polizei kennzeichnete. Diese Symbole ersetzten die monarchischen Insignien und demonstrierten die Loyalität der Polizei zur demokratischen Republik.

Die schwarze Lederscheide mit vernickelten Beschlägen behielt teilweise ihre ursprüngliche Form bei. Interessanterweise trägt der untere Beschlag noch den alten Abnahmestempel der preußischen Armee, was die Kontinuität und Wiederverwendung eindrucksvoll belegt. Das komplette Portepee und der schwarze Koppelschuh ermöglichten das Tragen am Leibriemen während des Dienstes.

Die Praxis der Umarbeitung kaiserlicher Waffen für die Polizei war weit verbreitet und wurde bis in die frühen 1930er Jahre fortgesetzt. Sie spiegelte nicht nur wirtschaftliche Notwendigkeiten wider, sondern auch die preußische Tradition der Sparsamkeit und effizienten Ressourcennutzung. Gleichzeitig dokumentiert sie den schwierigen Übergang von der Monarchie zur Republik, bei dem alte Strukturen und Materialien mit neuen politischen Realitäten verbunden werden mussten.

Solche umgearbeiteten Seitengewehre wurden von verschiedenen Polizeieinheiten getragen, darunter die Schutzpolizei, die Sicherheitspolizei und teilweise auch die berittenen Einheiten. Sie dienten sowohl als Dienstwaffe als auch als Symbol staatlicher Autorität in einer turbulenten Zeit, die von politischen Kämpfen, Straßenschlachten und dem Ringen um die Stabilität der Demokratie geprägt war.

Aus sammlerischer und historischer Perspektive sind solche Übergangswaffen von besonderem Interesse, da sie mehrere Epochen deutscher Geschichte in einem Objekt vereinen. Sie erzählen von der wilhelminischen Ära, dem Ersten Weltkrieg, der Novemberrevolution und dem Versuch, eine demokratische Ordnung in Deutschland zu etablieren. Das Nebeneinander von kaiserlichen Abnahmestempeln und republikanischen Symbolen macht diese Stücke zu einzigartigen historischen Dokumenten.