Bayern Kürassier Extra-Degen .

Schlanke Klinge mit Doppelhohlkehle, das Treue-Bandeau nur noch Schemenhaft zu erkennen, stärker verputzt, Herstellerzeichen von Weyersberg, vierspangiges Messinggefäß mit Rochenhautgriff, schadhafte Drahtwicklung, ergänzte Fingerschlaufe, schwarz lackierte Stahlscheide mit einem beweglichen Tragering, anhängend ein Portepee für Offiziere der Kavallerie, deutlich getragenes Stück. Zustand 2-3
469836
900,00

Bayern Kürassier Extra-Degen .

Der bayerische Kürassier-Extra-Degen repräsentiert eine bedeutende Waffengattung der königlich-bayerischen Kavallerie des 19. Jahrhunderts. Diese Fechtwaffe verkörpert nicht nur militärische Funktionalität, sondern auch den Stolz und die Tradition einer der angesehensten Kavallerie-Einheiten im Deutschen Kaiserreich.

Die Kürassiere, deren Name sich von dem Kürass (Brustpanzer) ableitete, bildeten die schwere Kavallerie des bayerischen Heeres. Nach den Reformen der napoleonischen Ära wurden die bayerischen Kürassier-Regimenter als Elite-Einheiten etabliert. Das Königreich Bayern unterhielt zwei Kürassier-Regimenter: das 1. Schwere-Reiter-Regiment “Prinz Karl von Bayern” und das 2. Schwere-Reiter-Regiment “Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este”.

Der Extra-Degen unterschied sich vom regulären Dienstdegen durch seine besondere Ausführung und Verzierung. Die beschriebene schlanke Klinge mit Doppelhohlkehle entspricht der typischen Bauweise dieser Waffen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Hohlkehlen dienten zur Gewichtsreduktion bei gleichzeitiger Beibehaltung der Stabilität. Das erwähnte Treue-Bandeau, ein charakteristisches Merkmal bayerischer Blankwaffen, zeigte üblicherweise Inschriften wie “Treue um Treue” oder andere Devisen der bayerischen Monarchie.

Das Herstellerzeichen von Weyersberg verweist auf einen der renommiertesten deutschen Klingenhersteller. Die Firma Weyersberg, Kirschbaum & Co. aus Solingen war seit dem frühen 19. Jahrhundert einer der Hauptlieferanten für militärische Blankwaffen im deutschen Raum. Das Unternehmen belieferte nicht nur bayerische, sondern auch preußische und andere deutsche Streitkräfte sowie ausländische Abnehmer. Die Qualität der Solinger Klingen war international anerkannt und machte die Stadt zum Zentrum der europäischen Klingenproduktion.

Das vierspangige Messinggefäß mit seinem charakteristischen Bügelkorb bot dem Fechter Schutz für die Hand und entsprach den militärischen Vorschriften für Kavallerie-Degen des späten 19. Jahrhunderts. Der Rochenhautgriff (Peau de Raie) war eine hochwertige Ausführung, die durch ihre raue Oberfläche einen sicheren Halt gewährleistete, selbst bei schweißnassen Händen im Kampf oder bei Paraden. Die Drahtwicklung, meist aus Messingdraht gefertigt, verstärkte den Griff zusätzlich und verhinderte ein Abrutschen der Hand.

Die schwarz lackierte Stahlscheide mit beweglichem Tragering entsprach der Trageweise der Kavallerie. Anders als Infanteriedegen wurden Kavalleriedegen am Bandelier getragen, wobei der bewegliche Ring eine gewisse Flexibilität beim Reiten ermöglichte. Die schwarze Lackierung diente sowohl ästhetischen als auch praktischen Zwecken – sie schützte das Metall vor Korrosion und entsprach den Uniformvorschriften.

Das beigefügte Portepee für Offiziere der Kavallerie ist von besonderer Bedeutung. Das Portepee war weit mehr als eine Trageschlaufe – es war ein Rangabzeichen, das den Status des Trägers unmittelbar kennzeichnete. Offiziers-Portepees unterschieden sich deutlich von denen der Unteroffiziere und Mannschaften durch ihre aufwendige Ausführung mit Metallfäden und spezifischen Farbkombinationen. In der bayerischen Armee waren die Portepees streng reglementiert und erlaubten eine sofortige Identifikation von Rang und Waffengattung.

Der Begriff “Extra-Degen” deutet darauf hin, dass es sich um eine Waffe handelte, die über die Standardausrüstung hinausging. Offiziere hatten oft die Möglichkeit, ihre Blankwaffen von privaten Lieferanten zu beschaffen, solange diese den militärischen Vorschriften entsprachen. Solche Extra-Ausführungen zeichneten sich durch höhere Verarbeitungsqualität, bessere Materialien oder zusätzliche Verzierungen aus.

Die bayerischen Kürassiere spielten in den Kriegen des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle, insbesondere im Deutschen Krieg von 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Nach der Reichsgründung 1871 wurden die bayerischen Truppen Teil der deutschen Reichsarmee, behielten aber ihre charakteristischen bayerischen Traditionen und Uniformen bei. Im Ersten Weltkrieg kämpften die bayerischen Kavallerie-Regimenter zunächst in ihrer traditionellen Rolle, bevor die veränderte Kriegsführung die klassische Kavallerie zunehmend obsolet machte.

Der beschriebene Zustand des Stückes – mit Gebrauchsspuren, ergänzter Fingerschlaufe und schadhafter Wicklung – zeugt von seiner authentischen militärischen Verwendung. Solche “getragenen Stücke” haben einen besonderen historischen Wert, da sie unmittelbar von der Realität des militärischen Dienstes berichten und keine reinen Paradestücke darstellen. Sie verbinden uns direkt mit den Offizieren, die diese Waffen trugen und möglicherweise im Dienst ihres Landes einsetzten.