Bayern Uniform zur Parade für den Einjährig Freiwilligen und Unteroffizier «Meyer» im Königlich Bayerischen 2. Ulanen-Regiment König

Standort Ansbach. Datiert 1899. Das Lot bestehend aus der Tschapka, der Ulanka mit Paraderabatte, der Hose mit den dazugehörigen Stiefeln und dem Extradegen mit dem Koppel.
Die schwarze Ledertschapka ein Eigentumsstück für Mannschaften und Unteroffiziere, komplett mit allen Beschlägen in neusilberner Ausführung. Vorne aufgelegt das bayerische Helmemblem, gewölbte neusilberne Schuppenketten an silbernen Rosetten, rechts die Reichskokarde. Komplett mit der Paraderabatte, der Fangschnur (für Unteroffiziere mit blauen Durchzügen), dem Feldzeichen in der Ausführung für Unteroffiziere und dem Paradebusch aus weißem Pferdehaar. Innen mit braunem Lederschweißband und hellbeigem Ripsfutter. Größe ca. 57. 
Die Ulanka aus dunkelgrünem Tuch mit karmesinrotem Stehkragen, Vorstößen und "polnischen" Aufschlägen, die Brustklappen karmesinrot gefüttert, neusilberne Knöpfe, am Kragen und den Ärmelaufschlägen mit der silbernen Unteroffizierslitze, auf den Schultern die Epauletten für das Regiment mit der Schnur für Einjährig Freiwillige, Knöpfe der 3. Eskadron. Komplett mit der karmesinroten Paraderabatte. Innen mit grauem und grünem Seidenfutter, in der Brusttasche Schneideretikett «M. Zöltsch Königl. Bayer. Hoflieferant München Herr Meyer Einj. 2. Ul. No 7561 den 11. Dez. 1899».
Dazu die dunkelgrüne Hose mit den breiten karmesinroten Streifen, am Bund mit dem Hersteller «M. Zöltsch k. b. Hoflieferant München».
Komplett mit den Stiefeln, bei diesen wurden die Hacken neu besohlt. Länge ca. 28.8 cm. 
Am originalen weißen Koppel der Kavallerie-Extra-Degen KD 89. Der Degen mit einer ca. 2.4 cm breiten und 81 cm langen vernickelten Steckrückenklinge, beidseitig eingeätzt das Treuebandeau «In Treue fest», terzseitig auf der Fehlschärfe Marke des Herstellers Weyersberg. Vernickeltes Gefäß mit braunem Kautschukgriff und dem bayerischen Löwen im terzseitig klappbaren Korb. Vernickelte Stahlscheide mit zwei Ringbändern und starren Trageringen. Die Vernicklung von Gefäß und Scheide etwas ermüdet. Gesamtlänge 97 cm. 
Leichte Trage- und Alterungsspuren. Die Stücke kommen aus einem privaten Nachlass (!). Zustand 2.






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6.500,00

Bayern Uniform zur Parade für den Einjährig Freiwilligen und Unteroffizier «Meyer» im Königlich Bayerischen 2. Ulanen-Regiment König

Diese vollständige Paradeuniform dokumentiert einen bemerkenswerten Aspekt des bayerischen Militärwesens um die Jahrhundertwende: das System der Einjährig-Freiwilligen, das die Bayerische Armee nach preußischem Vorbild seit der Reform von 1868 übernommen hatte. Die Uniform wurde am 11. Dezember 1899 für Herrn Meyer angefertigt, der als Einjährig-Freiwilliger und Unteroffizier im Königlich Bayerischen 2. Ulanen-Regiment “König” diente, das seinen Friedensstandort in Ansbach hatte.

Das Regiment selbst blickte bereits auf eine bedeutende Geschichte zurück. Es war am 21. Dezember 1863 aufgestellt worden und trug von Anfang an die Bezeichnung “König”. Ab dem 6. Juli 1864 wurde König Ludwig II. von Bayern zum Inhaber des Regiments ernannt, eine Position, die er bis zu seiner Ablösung durch König Otto von Bayern am 13. Juni 1886 innehatte. Das Regiment gehörte zur 4. Kavallerie-Brigade des II. (später III.) Königlich Bayerischen Armeekorps und hatte sich bereits im Deutsch-Französischen Krieg von 1870-71 bei Worth und Sedan ausgezeichnet.

Die Bedeutung der Einjährig-Freiwilligen im kaiserlichen Deutschland kann nicht unterschätzt werden. Junge Männer mit Abitur oder Matura konnten sich durch diesen Status für eine verkürzte einjährige Dienstzeit qualifizieren, anstatt die reguläre zwei- oder dreijährige Wehrpflicht ableisten zu müssen. Der Preis für dieses Privileg war hoch: Sie mussten sich auf eigene Kosten ausrüsten und verpflegen. Die besondere Stellung der Einjährig-Freiwilligen wurde durch gedrehte Wollkordeln an den Schulterepauletten in den Nationalfarben sichtbar gemacht – für Bayern blau und weiß.

Die Anfertigung dieser Prachtuniform erfolgte durch M. Zöltsch, einen Königlich Bayerischen Hoflieferanten in München, wie das Schneideretikett in der Brusttasche belegt. Die Auftragsnummer 7561 und das präzise Datum dokumentieren die professionelle Fertigung dieses Einzelstücks. Die Ulanka in Dunkelgrün mit karmesinroten Aufschlägen und dem charakteristischen karmesinroten Stehkragen sowie den “polnischen” Aufschlägen folgte exakt den Uniformvorschriften für die Bayerischen Ulanen in Friedenszeiten. Die Zugehörigkeit zur 3. Eskadron wird durch die entsprechenden Knöpfe angezeigt.

Die schwarze Ledertschapka mit ihren neusilbernen Beschlägen war ein Eigentumsstück für Mannschaften und Unteroffiziere. Das bayerische Helmemblem an der Front, die Reichskokarde rechts und das Feldzeichen in Unteroffiziersausführung kennzeichneten den militärischen Rang deutlich. Für Paraden war die Tschapka mit einer karmesinroten Rabatte und einem weißen Rosshaarbüschel geschmückt. Die Fangschnur mit blauen Durchzügen war speziell für Unteroffiziere vorgesehen.

Der zum Ensemble gehörende Kavallerie-Extradegen KD 89 stammte von Weyersberg, Kirschbaum & Co. aus Solingen, einem der bedeutendsten deutschen Militärsäbelhersteller, der 1883 durch die Fusion zweier Familienbetriebe entstanden war. Um 1900 beschäftigte das Unternehmen bereits 630 Mitarbeiter und gehörte zu den größten Herstellers von Blankwaffen im Deutschen Kaiserreich. Der Degen Modell 1889 war als Standardwaffe für alle Kavallerietruppen in den deutschen Armeen eingeführt worden, wobei jeder Staat sein eigenes Wappen im Korbgefäß führte. Der bayerische Löwe im terzseitig klappbaren Korb kennzeichnete die bayerische Herkunft eindeutig.

Die auf beiden Seiten der Klinge eingeätzte Inschrift “In Treue fest” war das offizielle Motto des Königreichs Bayern und des Hauses Wittelsbach, das seinen Ursprung im Hubertusorden hatte. Diese Devise sollte die unerschütterliche Loyalität zur Krone symbolisieren.

Das Bayerische 2. Ulanen-Regiment trug im Volksmund den Spitznamen “Bier-Ulanen”, während das 1. Ulanen-Regiment in Bamberg als “Sekt-Ulanen” bekannt war. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung des Königreichs Bayern wurde das Regiment im Februar 1919 aufgelöst. In der Zwischenkriegszeit bewahrte die 2. Schwadron des Reiter-Regiments Nr. 17, die Teil der Ansbacher Garnison war, die Traditionen des Regiments.