Deutsches Reich 1. Weltkrieg Stahlhelm M 1916, Ausführung 1917 für den Gefreiten «Hasselmann»

Um 1917. Die originale olivgrüne Lackierung zu 80-90% erhalten, innen mit dem dreiteiligen Futter am Blechring, die Füllung der Kissen erhalten, seitlich der Hersteller noch schwach zu erkennen «(Glocke) L 6[...]» ( Richard Lindenberg A.G., Remscheid-Hasten), Rest des Kinnriemens am Knopf 91, auf dem Kissen und hinten im Nacken der Trägername «Gefr. Hasselmann». Zustand 2.
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1.650,00

Deutsches Reich 1. Weltkrieg Stahlhelm M 1916, Ausführung 1917 für den Gefreiten «Hasselmann»

Der Stahlhelm M 1916 stellt eine der bedeutendsten Innovationen der deutschen Militärausrüstung während des Ersten Weltkriegs dar. Seine Einführung markierte einen Wendepunkt im Soldatenschutz und wurde zum Symbol der deutschen Streitkräfte dieser Epoche.

Die Entwicklung des Stahlhelms war eine direkte Reaktion auf die verheerenden Kopfverletzungen, die deutsche Soldaten im Stellungskrieg erlitten. Bis 1915 trugen deutsche Truppen lediglich Pickelhauben aus gehärtetem Leder, die gegen Granatsplitter und Schrapnells praktisch keinen Schutz boten. Die medizinischen Daten waren alarmierend: Kopfverletzungen machten einen unverhältnismäßig hohen Anteil der tödlichen Verwundungen aus.

Unter der Leitung von Professor August Bier und dem Ingenieur Friedrich Schwerd begann 1915 die systematische Entwicklung eines Stahlhelms. Nach umfangreichen Tests wurde der M 1916 im Januar 1916 offiziell eingeführt. Die charakteristische Form mit der breiten Krempe, dem ausgeprägten Nackenschutz und den markanten Hörnern an den Seiten (Lüftungsöffnungen) war das Ergebnis wissenschaftlicher Studien über Splitterflugbahnen und Aufprallwinkel.

Die Ausführung 1917, zu der das beschriebene Exemplar gehört, stellte eine Weiterentwicklung des ursprünglichen Modells dar. Die wichtigste Änderung betraf die Belüftung: Während das erste Modell von 1916 zwei aufgesetzte Metalltüten für die Belüftung aufwies, wurden diese bei der Ausführung 1917 durch einfachere, versenkte Lüftungslöcher ersetzt. Diese Modifikation war aus produktionstechnischen Gründen notwendig und beschleunigte die Fertigung erheblich.

Die Herstellung erfolgte durch verschiedene Zulieferer im gesamten Deutschen Reich. Der Hersteller Richard Lindenberg A.G. in Remscheid-Hasten, dessen Markenzeichen (eine Glocke) auf diesem Helm noch schwach erkennbar ist, war einer der bedeutenden Produzenten. Das Unternehmen Lindenberg hatte sich vor dem Krieg auf die Herstellung von Stahlwaren spezialisiert und stellte seine Produktion während des Krieges auf Rüstungsgüter um.

Die olivgrüne Lackierung, die bei diesem Exemplar zu 80-90% erhalten ist, entsprach den militärischen Vorschriften für Tarnzwecke. Diese Farbe löste die ursprünglich feldgraue Bemalung ab und bot bessere Tarneigenschaften im Gelände. Die Lacke dieser Zeit waren allerdings nicht besonders widerstandsfähig, weshalb der gute Erhaltungszustand dieses Helms bemerkenswert ist.

Das dreiteilige Innenfutter am Blechring war Standard bei deutschen Stahlhelmen dieser Periode. Es bestand aus mit Rosshaar oder ähnlichem Material gefüllten Lederkissen, die an einem Stahlring befestigt waren. Dieser Ring war wiederum mit Splintnieten am Helm fixiert. Die Konstruktion erlaubte eine gewisse Anpassung an verschiedene Kopfgrößen und bot einen Puffer zwischen Stahlschale und Kopf des Trägers.

Der Kinnriemen wurde an seitlichen Knöpfen befestigt, die durch die Helmschale genietet waren. Die Nummer 91 auf dem Knopf verweist auf die Charge oder den spezifischen Hersteller dieses Bauteils. Die Beschädigung oder der Verlust des Kinnriemens ist bei erhaltenen Exemplaren häufig, da das Leder über die Jahrzehnte der Verrottung ausgesetzt war.

Von besonderem historischem Interesse ist die Beschriftung “Gefr. Hasselmann” (Gefreiter Hasselmann) auf dem Innenfutter. Solche Namenskennzeichnungen waren unter Soldaten üblich, auch wenn sie nicht offiziell vorgeschrieben waren. Sie dienten der Identifikation und verhinderten Verwechslungen in den Unterkünften. Der Rang Gefreiter war der niedrigste Unteroffiziersrang in der kaiserlichen Armee und wurde nach etwa einem Jahr Dienstzeit verliehen.

Der Stahlhelm M 1916/17 reduzierte die Kopfverletzungen nachweislich um etwa 70%. Dies führte dazu, dass auch die alliierten Streitkräfte ihre Kopfbedeckungen überarbeiteten. Der französische Adrian-Helm und der britische Brodie-Helm wurden ebenfalls eingeführt, wobei das deutsche Design aufgrund seiner umfassenden Schutzwirkung als das überlegene galt.

Die Produktion der M 1916/17-Helme belief sich auf mehrere Millionen Exemplare. Nach Kriegsende blieb der Grundentwurf in modifizierter Form in Verwendung und beeinflusste die Helmkonstruktion weltweit. Heute sind gut erhaltene Exemplare mit Provenienz bedeutende militärhistorische Dokumente, die Einblick in die materielle Kultur und die technologische Entwicklung des Ersten Weltkriegs gewähren.