Königreich Bayern/ Sachsen/ Württemberg Königsabzeichen für die Artillerie 1900

Vergoldetes Ärmelabzeichen mit gekreuzten Kanonenrohren, Eichenlaubkranz, Königskrone und Verleihungsjahr «1900» auf dunkelblauer Tuchunterlage, komplett mit der Rückenplatte. Zustand 2.

Die Auszeichnung wurde in diesem Jahr an die:
5. Batterie des Feldartillerie-Regiments König Karl (1. Württemberg.) Nr. 13
4. Batterie des Kgl. Sächs. 3. Feldartillerie-Regiments Nr. 32
1. Batterie des Kgl. Bayer. 2. Feldartillerie-Regiments Horn
verliehen.
470936
375,00

Königreich Bayern/ Sachsen/ Württemberg Königsabzeichen für die Artillerie 1900

Das Königsabzeichen für die Artillerie stellt eine bedeutende Auszeichnung im militärischen Ehrensystem des Deutschen Kaiserreichs dar. Diese speziellen Ärmelabzeichen wurden an besonders leistungsstarke Artilleriebatterien verliehen und symbolisierten höchste Schießkunst und militärische Exzellenz.

Die Tradition der Königspreise für herausragende Artillerieleistungen entwickelte sich im späten 19. Jahrhundert in den deutschen Einzelstaaten. Die Landesherren – Könige von Bayern, Sachsen und Württemberg – stifteten diese Auszeichnungen, um den Wettkampfgeist zu fördern und die Schießfertigkeit ihrer Artillerietruppen zu verbessern. Im Jahr 1900 wurden diese prestigeträchtigen Abzeichen an drei Batterien verschiedener Feldartillerie-Regimenter verliehen.

Das vorliegende Exemplar zeigt die typischen heraldischen Elemente dieser Auszeichnung: gekreuzte Kanonenrohre als Symbol der Artilleriewaffengattung, umrahmt von einem Eichenlaubkranz, der traditionell für Tapferkeit und Ehre steht. Die Königskrone als oberer Abschluss betont den königlichen Charakter der Verleihung. Das eingearbeitete Jahr 1900 dokumentiert den Verleihungszeitpunkt. Die vergoldete Ausführung auf dunkelblauer Tuchunterlage entspricht den damaligen Uniformvorschriften.

Die drei begünstigten Einheiten im Jahr 1900 repräsentierten die militärische Elite ihrer jeweiligen Königreiche:

Die 5. Batterie des Feldartillerie-Regiments König Karl (1. Württemberg.) Nr. 13 gehörte zur württembergischen Armee. Das Regiment war nach König Karl von Württemberg benannt und in Ludwigsburg stationiert. Die württembergische Artillerie genoss einen ausgezeichneten Ruf für Präzision und Disziplin.

Die 4. Batterie des Königlich Sächsischen 3. Feldartillerie-Regiments Nr. 32 vertrat das Königreich Sachsen. Die sächsische Armee unterhielt eine lange Artillerietradition, und ihre Regimenter waren für ihre technische Kompetenz bekannt. Das Regiment Nr. 32 war Teil der sächsischen Kontingente im deutschen Heer.

Die 1. Batterie des Königlich Bayerischen 2. Feldartillerie-Regiments Horn stammte aus dem größten der deutschen Einzelstaaten nach Preußen. Das bayerische Artilleriekorps verfügte über eine eigenständige Organisation und Tradition. Die Bezeichnung “Horn” verweist möglicherweise auf einen Regimentschef oder Stifter.

Die Schießwettbewerbe, bei denen diese Auszeichnungen erworben wurden, fanden üblicherweise auf speziellen Artillerieschießplätzen statt. Die Batterien mussten ihre Fähigkeiten in verschiedenen Disziplinen unter Beweis stellen: Zielgenauigkeit auf unterschiedliche Entfernungen, Geschwindigkeit beim Stellungswechsel, Munitionsverbrauch und Koordination innerhalb der Batterie. Die Bewertung erfolgte nach strengen Kriterien durch speziell ernannte Schießkommissionen.

Das Abzeichen wurde auf dem rechten Oberärmel der Uniform getragen und war somit für alle sichtbar – ein Zeichen besonderer Ehre für die gesamte Einheit. Nicht nur die ausgezeichneten Soldaten, sondern alle Angehörigen der prämierten Batterie durften das Abzeichen tragen, solange sie der Einheit angehörten. Dies stärkte den Korpsgeist und die Identifikation mit der eigenen Einheit erheblich.

Die technische Ausführung solcher Abzeichen erfolgte durch spezialisierte Militäreffektenfabrikanten. Die Vergoldung, die Präzision der heraldischen Elemente und die Qualität der Stoffunterlage mussten höchsten Ansprüchen genügen. Die Rückenplatte diente der stabilen Befestigung an der Uniform und verhinderte ein Durchstechen des Tuches.

Im Kontext der Zeit um 1900 ist diese Auszeichnung auch Ausdruck der intensiven militärischen Modernisierung des Deutschen Kaiserreichs. Die Artillerie entwickelte sich rasant: Neue Geschütztypen mit Rohrrücklauf, verbesserte Zieloptiken und moderne ballistisches Berechnungen revolutionierten die Waffengattung. Die Königspreise motivierten die Truppen, sich mit diesen Neuerungen vertraut zu machen und höchste Leistungsstandards zu erreichen.

Nach dem Ende der Monarchien 1918 verloren diese Auszeichnungen ihre offizielle Bedeutung. Sie blieben jedoch als historische Zeugnisse einer untergegangenen Epoche erhalten und dokumentieren das komplexe System militärischer Ehren im Kaiserreich. Heute sind solche Abzeichen wertvolle Sammlerstücke und wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung, die Einblicke in Organisation, Tradition und Selbstverständnis der kaiserlichen Armeen gewähren.