Preußen Einzel Schulterstück feldgrau für einen Leutnant im Feldartillerie-Regiment Nr. 100
Das Regiment wurde 1915 aufgestellt.
Das vorliegende Schulterstück repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Militärgeschichte des Ersten Weltkriegs. Es handelt sich um ein einzelnes Schulterstück in feldgrauer Ausführung für einen Leutnant des Feldartillerie-Regiments Nr. 100, gefertigt um 1917.
Das Feldartillerie-Regiment Nr. 100 wurde im Jahr 1915 aufgestellt, als sich der Erste Weltkrieg bereits im zweiten Jahr befand und die Notwendigkeit zusätzlicher Artillerieverbände deutlich wurde. Die massive Expansion der deutschen Streitkräfte während des Krieges führte zur Aufstellung zahlreicher neuer Regimenter, die mit dreistelligen Nummern bezeichnet wurden. Diese Neuaufstellungen waren eine direkte Antwort auf die verlustreichen Materialschlachten an der West- und Ostfront.
Die Schulterstücke (auch Schulterklappen oder Achselstücke genannt) waren wesentliche Bestandteile der preußischen und deutschen Militäruniform. Sie dienten der Kennzeichnung von Rang, Waffengattung und Truppenzugehörigkeit. Die hier vorliegende feldgraue Ausführung entspricht der Uniform-Reform, die mit Beginn des Ersten Weltkriegs umgesetzt wurde. Die traditionellen, farbenprächtigen Friedensuniformen wurden durch die praktischere feldgraue Uniform ersetzt, die besseren Tarnung auf dem modernen Schlachtfeld bot.
Die Konstruktion des Schulterstücks zeigt die typische Bauweise dieser Zeit: Eine rote Tuchunterlage als Waffenfarbe der Artillerie wurde mit feldgrauen Auflagen versehen. Die rote Waffenfarbe war traditionell der Artillerie zugeordnet und blieb auch in der feldgrauen Uniform als Erkennungsmerkmal erhalten, wenn auch deutlich dezenter als in Friedenszeiten. Die Rangabzeichen eines Leutnants zeigten sich durch spezifische Ausführung und Details, die den Offiziersrang kennzeichneten.
Die Datierung um 1917 ist von besonderer Bedeutung. In diesem Jahr erreichte der Erste Weltkrieg einen kritischen Wendepunkt. Die deutschen Streitkräfte führten den uneingeschränkten U-Boot-Krieg, was zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten führte. An der Westfront tobten verlustreiche Schlachten, während an der Ostfront nach der russischen Revolution neue Entwicklungen eintraten. Die Materialschlachten erforderten einen enormen Einsatz von Artillerie, was die Bedeutung von Regimentern wie dem Feldartillerie-Regiment Nr. 100 unterstreicht.
Die Feldartillerie bildete das Rückgrat der deutschen Artilleriewaffe. Im Gegensatz zur schweren Artillerie oder Fußartillerie war die Feldartillerie mobiler und arbeitete eng mit der Infanterie zusammen. Die Standardbewaffnung bestand typischerweise aus 7,7-cm-Feldkanonen und 10,5-cm-Feldhaubitzen. Diese Geschütze mussten beweglich genug sein, um den vormarschierenden oder sich zurückziehenden Truppen zu folgen, aber auch die Feuerkraft liefern, um feindliche Stellungen zu zerstören.
Ein Leutnant als jüngster Offiziersrang trug erhebliche Verantwortung in einem Artillerieregiment. Er konnte als Geschützführer, Batterieoffizier oder in verschiedenen Stabsfunktionen eingesetzt werden. Die Ausbildung zum Artillerieoffizier war anspruchsvoll und erforderte mathematische Kenntnisse für die Berechnung von Schusswerten, technisches Verständnis für die Geschütze und Führungsqualitäten für die Mannschaften.
Die Erhaltung dieses Schulterstücks im Zustand 2 zeugt von seiner relativen guten Erhaltung trotz des fortgeschrittenen Alters. Solche Uniformteile wurden oft unter schwierigen Feldbedingungen getragen und sind daher häufig stark abgenutzt oder beschädigt. Das Überdauern solcher Objekte ermöglicht uns heute einen direkten materiellen Zugang zur Geschichte des Ersten Weltkriegs.
Die Umstellung auf feldgraue Uniformen war Teil einer umfassenden Modernisierung der deutschen Armee. Die Erfahrungen der ersten Kriegsmonate 1914 hatten gezeigt, dass die bunten Friedensuniformen auf dem modernen Schlachtfeld mit Maschinengewehren und weitreichender Artillerie tödliche Nachteile boten. Die feldgraue Uniform wurde zur charakteristischen Erscheinung des deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg.
Das Feldartillerie-Regiment Nr. 100 als Verband der preußischen Armee teilte das Schicksal vieler deutscher Truppenteile im Ersten Weltkrieg. Nach der Niederlage 1918 und dem Versailler Vertrag wurde die deutsche Armee drastisch verkleinert, und die meisten dieser Regimenter wurden aufgelöst. Die Uniformteile und Ausrüstungsgegenstände wurden oft als Erinnerungsstücke aufbewahrt oder gingen in Sammlungen über.
Heute stellen solche Objekte wichtige historische Quellen dar. Sie ermöglichen die Rekonstruktion von Uniformvorschriften, geben Einblick in Produktionstechniken und Materialverwendung der Zeit und dienen als materielle Zeugnisse einer epochalen historischen Periode. Für die militärhistorische Forschung sind sie unverzichtbare Dokumente der materiellen Kultur des Ersten Weltkriegs.