Die Pickelhaube der Berliner Schutzmannschaft – Ein Symbol preußischer Polizeigeschichte
Die vorliegende Pickelhaube für Mannschaften der Berliner Schutzmannschaft ist ein eindrucksvolles Zeugnis der preußischen Polizeigeschichte und zugleich ein begehrtes Sammlerstück, das die Geschichte einer der bedeutendsten Polizeiinstitutionen des Deutschen Kaiserreichs greifbar macht. Mit ihrem charakteristischen Jubiläumsbandeau «1848 In Treue Fest 1898» verweist sie auf das fünfzigjährige Bestehen der Königlichen Schutzmannschaft zu Berlin und wurde in dieser Ausführung von 1898 bis 1919 getragen.
Die Gründung der Königlichen Schutzmannschaft zu Berlin
Im März 1848 war Berlin einer der Schauplätze der Revolution von 1848. Zu jener Zeit verfügte die Stadt über lediglich rund 200 Polizeibeamte für etwa 400.000 Einwohner – eine völlig unzureichende Sicherheitslage. Nach dem vollständigen Versagen des brutal vorgehenden Militärs in den Revolutionstagen um den 18. März 1848 sowie der Erstürmung und Plünderung des Zeughauses sah sich der preußische König zum Handeln gezwungen. Am 23. Juni 1848 wurde auf Befehl von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen die Königliche Schutzmannschaft zu Berlin gegründet. Der König war nach den politischen Unruhen um seine Sicherheit besorgt und wollte eine schlagkräftige Polizeitruppe schaffen.
Die neue Schutzmannschaft bestand zunächst aus 1 Oberst, 5 Hauptleuten, 200 Wachtmeistern und 1.800 Schutzleuten, von denen 40 beritten waren. Ihre Aufgabe war die Straßenaufsicht sowie das Eingreifen «in geschlossener Masse» – eine paramilitärische Organisationsform, die den Ursprung der Institution in den revolutionären Wirren widerspiegelte.
Das Jubiläum von 1898 und die Helmplatte
Die ursprüngliche Frontplatte der Schutzmannschaft stammte aus dem Jahr 1854 und wurde bis 1898 verwendet. Sie zeigte einen Adler mit Krone, Zepter und Reichsapfel sowie das verschlungene Monogramm «FWR» (Friedrich Wilhelm Rex) mit Krone – ein Verweis auf Friedrich Wilhelm IV., den Gründer der Schutzmannschaft. Zum 50. Jubiläum im Jahr 1898 wurde die Helmplatte um zwei Bänder mit den Jahreszahlen 1848 und 1898 sowie dem Wahlspruch «In Treue Fest» ergänzt. Diese Jubiläumsplatten blieben bis 1919 in Gebrauch.
Der Wahlspruch «In Treue Fest» (steadfast in loyalty) ist für Sammler eine häufige Quelle der Verwechslung. Unerfahrene Sammler halten diese Helme oft fälschlicherweise für bayerische Stücke, da «In Treue fest» das Motto des Königreichs Bayern (1805–1918) und seiner Wittelsbacher Herrscher war. Tatsächlich wurde das Motto jedoch durch Carl Teike nach Berlin gebracht. Teike war 1883 Musiker in Ulm beim Württembergischen 123. Grenadier-Regiment, wo er sich das bayerische Motto einprägte. Im Jahr 1889 verließ er Württemberg und trat der Schutzmannschaft in Potsdam bei. Nach 1898 war Karl Teike, der als Komponist deutscher Militärmärsche bekannt wurde, Musiker in der Berliner Polizeikapelle und trug somit selbst die zweite Frontplatte mit dem Jubiläumsbandeau. Er war es, der das bayerische Motto für diese Plakette importierte.
Die physische Beschaffenheit des Helms
Der Helm besteht aus einem schwarz lackierten Lederkörper mit vorderem und hinterem Schirm, der charakteristischen Spitze (Pickelhaube) sowie Metallbeschlägen. Polizeihelme – ob kaiserlich, königlich, herzoglich oder kommunal – trugen stets silberne (neusilberne) Beschläge. Die Beschläge bestanden aus Neusilber, einer Legierung, die den Polizeihelm deutlich von den messingbeschlagenen Militärhelmen unterschied.
Die Nackenschiene ist im oberen Bereich mit einem Belüftungsschieber versehen, der eine Regulierung der Luftzufuhr ermöglichte. Der Kinnriemen besteht aus gebogenen silbernen Schuppen (M71-Modell), befestigt am Knopf 91-System. Auf der rechten Seite befindet sich die preußische Kokarde. Das Innere des Helms ist mit einem gelaschten Lederfutter ausgestattet – ein Merkmal, das auf die Qualität der Verarbeitung hinweist. Der vorliegende Helm hat die Größe 55.
Klassifizierung und Varianten
Innerhalb der Berliner Schutzmannschaft existierten grundsätzlich drei verschiedene Helmplatten: Die Schutzmänner (untere Ränge) trugen eine bestimmte Platte, die Wachtmeister eine abweichende, und die Offiziere erhielten dieselbe Helmplatte wie die Wachtmeister, jedoch ohne das «IV» im Zentrum. Der vorliegende Helm ist eindeutig als Mannschaftshelm der unteren Dienstgrade identifizierbar.
Das Ende einer Ära
Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs 1918 endete auch die Ära der Pickelhaube als Teil der militärischen und polizeilichen Uniform. Die Berliner Polizeihelme mit dem Jubiläumsbandeau wurden bis 1919 verwendet. Danach übernahm die Polizei Tschakos im Jäger-Stil, die den Übergang in die neue republikanische Ordnung der Weimarer Republik markierten.
Für den Sammler stellt dieser Helm ein bedeutsames Stück dar: Er vereint die Geschichte der preußischen Polizei, die Erinnerung an die Revolution von 1848 und das Selbstverständnis einer Institution, die sich trotz aller politischen Umbrüche dem Wahlspruch «In Treue Fest» verpflichtet sah – ein Motto, das in seiner Herkunft eine eigene, faszinierende Geschichte erzählt.