III. Reich - Der Deutsche Automobil Club ( D.D.A.C. ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " DDAC Gau 19 Nordsee 6. Skagerrak-Gedenkfahrt auf S.M.S. Westfalen 31. Mai 1939 Wilhelmshaven "
Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette dokumentiert ein bemerkenswertes Ereignis in der Geschichte des Deutschen Automobil-Clubs (DDAC) während der späten 1930er Jahre: die 6. Skagerrak-Gedenkfahrt, die am 31. Mai 1939 auf dem ehemaligen Schlachtschiff S.M.S. Westfalen in Wilhelmshaven stattfand.
Der DDAC wurde 1933 durch die Gleichschaltung des traditionellen ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club) gegründet und der Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) unterstellt. Als Organisation des Dritten Reiches diente der DDAC nicht nur der Förderung des Automobilwesens, sondern auch der ideologischen Durchdringung der Motorisierung Deutschlands. Der Club war in verschiedene Gaue unterteilt, die den territorialen Verwaltungseinheiten der NSDAP entsprachen. Der Gau 19 Nordsee umfasste die norddeutschen Küstengebiete und hatte eine besondere Verbindung zur maritimen Geschichte der Region.
Die Skagerrak-Gedenkfahrten wurden ab Mitte der 1930er Jahre durchgeführt, um an die Skagerrakschlacht vom 31. Mai bis 1. Juni 1916 zu erinnern. Diese Seeschlacht zwischen der deutschen Hochseeflotte und der britischen Grand Fleet war die größte Seeschlacht des Ersten Weltkrieges. Obwohl die Schlacht taktisch unentschieden endete, blieb die britische Seeblockade bestehen, was strategisch einen britischen Erfolg bedeutete. Im nationalsozialistischen Deutschland wurde das Ereignis jedoch als heldenhafter Kampf der Kaiserlichen Marine glorifiziert und für propagandistische Zwecke instrumentalisiert.
Die Wahl des Veranstaltungsortes war symbolträchtig: Die S.M.S. Westfalen war ein Linienschiff der Nassau-Klasse, das 1909 in Dienst gestellt wurde und an der Skagerrakschlacht teilgenommen hatte. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Schiff aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages außer Dienst gestellt. In den 1930er Jahren diente es als stationäres Schulschiff in Wilhelmshaven, bevor es 1939 abgewrackt wurde. Die Gedenkfahrt im Mai 1939 fand somit zu einem Zeitpunkt statt, als das Schiff kurz vor seinem endgültigen Ende stand.
Die vorliegende Plakette wurde vom renommierten Hersteller Lehmann & Wundenberg aus Hannover gefertigt, einer Firma, die sich auf die Produktion von Abzeichen, Orden und Plaketten spezialisiert hatte. Die Plakette besteht aus versilbertem Buntmetall und misst 68 x 102 mm. Mit ihren zwei Bohrungen war sie als nichttragbare Erinnerungsplakette konzipiert, vermutlich zur Befestigung an Wänden oder in Vitrinen bestimmt.
Ein bemerkenswertes Detail ist das Fehlen von Hakenkreuzen auf dieser Plakette, was für ein offizielles DDAC-Objekt aus dem Jahr 1939 ungewöhnlich ist. Dies könnte verschiedene Gründe haben: Möglicherweise sollte der Fokus stärker auf dem historischen Gedenken an die Seeschlacht liegen, oder es handelte sich um eine bewusste Gestaltungsentscheidung des Herstellers. In einigen Fällen wurden maritime Gedenkveranstaltungen weniger stark mit NS-Symbolik versehen als andere Organisationsveranstaltungen.
Der Zeitpunkt der Veranstaltung am 31. Mai 1939 ist von historischer Bedeutung. Nur drei Monate später, am 1. September 1939, begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. Die Gedenkfahrt fand somit in einer Phase intensiver militärischer Aufrüstung und zunehmender internationaler Spannungen statt. Die Glorifizierung der kaiserlichen Marine und die Erinnerung an maritime Traditionen dienten der psychologischen Vorbereitung der Bevölkerung auf einen neuen Krieg.
Wilhelmshaven als Austragungsort hatte seit dem Kaiserreich eine zentrale Bedeutung als Marinestützpunkt. Der Hafen wurde in den 1930er Jahren massiv ausgebaut und diente als wichtigste Basis der wiedererrichteten Kriegsmarine. Die Kombination aus historischem Gedenken und aktueller militärischer Präsenz machte die Stadt zu einem idealen Ort für solche propagandistischen Veranstaltungen.
Solche Teilnehmerplaketten dokumentieren heute die Erinnerungskultur und Propagandapraxis des Dritten Reiches. Sie zeigen, wie historische Ereignisse instrumentalisiert wurden, um Militarismus und nationale Identität zu fördern. Für Sammler und Historiker sind diese Objekte wichtige Quellen zum Verständnis der Mobilisierung der Gesellschaft und der Rolle von Vereinen und Verbänden im nationalsozialistischen System.