III. Reich - Grosse Deutsche Kunstaustellung 1943, 

Verlag Heinrich Hoffmann München. Ein Mappenwerk aus der Grossen Deutschen Kunstausstellung 1943 im Haus der Deutschen Kunst in München. Die vorliegende Großfoliomappe im Original-Halbleinenband ( 52x42 cm). Komplett mit 20 großformatigen Einzelkunstblättern im Mehrfarbendruck-Reproduktion (16 Gemälde und 4 Plastiken). 
Die Mappe leicht gelöst, leicht fleckig. Bilder in schönem Zustand. Gesamt Zustand 2
510637
175,00

III. Reich - Grosse Deutsche Kunstaustellung 1943, 

Die Große Deutsche Kunstausstellung von 1943 repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der nationalsozialistischen Kulturpolitik während des Zweiten Weltkriegs. Diese jährlich stattfindende Veranstaltung im Haus der Deutschen Kunst in München war die zentrale Präsentationsplattform für die von der NS-Führung favorisierte Kunst und stand in direktem Gegensatz zu der als “entartet” diffamierten modernen Kunst.

Das Haus der Deutschen Kunst wurde 1937 auf persönliche Initiative Adolf Hitlers hin eröffnet und von dem Architekten Paul Ludwig Troost entworfen. Es sollte als monumentales Symbol der nationalsozialistischen Kunstideologie dienen. Die erste Große Deutsche Kunstausstellung fand im Juli 1937 statt und wurde zu einer jährlichen Tradition, die bis 1944 fortgesetzt wurde. Diese Ausstellungen präsentierten ausschließlich Werke, die den ästhetischen und ideologischen Vorstellungen des NS-Regimes entsprachen: heroische Darstellungen, idealisierte Landschaften, Genreszenen des deutschen Landlebens und monumentale Plastiken.

Der Verlag Heinrich Hoffmann in München spielte eine zentrale Rolle bei der Dokumentation und Verbreitung dieser Ausstellungen. Heinrich Hoffmann war nicht nur Hitlers persönlicher Fotograf, sondern auch ein einflussreicher Verleger, der offiziell genehmigte NS-Kunst reproduzierte und vertrieb. Seine Mappen und Publikationen dienten der Popularisierung der vom Regime geförderten Kunst in breiteren Bevölkerungsschichten.

Die Ausstellung von 1943 fand zu einem kritischen Zeitpunkt des Krieges statt. Nach der Niederlage von Stalingrad im Februar 1943 und der Verkündung des “totalen Krieges” durch Propagandaminister Joseph Goebbels versuchte das Regime verstärkt, durch kulturelle Manifestationen ein Bild von Normalität und kultureller Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Die Kunstausstellungen wurden als Beweis für die kulturelle Vitalität des “Dritten Reiches” inszeniert, selbst während die militärische Lage sich zunehmend verschlechterte.

Die vorliegenden Mappenwerkausgaben waren großformatige, hochwertig produzierte Sammlungen von Kunstdrucken, die eine Auswahl der ausgestellten Werke reproduzierten. Mit ihren Maßen von etwa 52x42 cm waren sie als repräsentative Objekte für Bildungsinstitutionen, Parteibüros und wohlhabende Sammler konzipiert. Die Mehrfarbendruck-Technik ermöglichte qualitativ hochwertige Reproduktionen der Original-Gemälde und Fotografien der Plastiken.

Die thematische Ausrichtung der Großen Deutschen Kunstausstellungen folgte klaren ideologischen Vorgaben: Bevorzugt wurden Darstellungen der deutschen Landschaft, idealisierten “arischen” Körper, militärische Heldendarstellungen, Arbeitswelt und Bauernleben. Künstler wie Adolf Ziegler, Arno Breker (Bildhauer), Werner Peiner und Josef Thorak gehörten zu den regelmäßig ausgestellten und vom Regime geförderten Künstlern. Die Auswahl der Werke erfolgte durch eine Jury unter direktem Einfluss Hitlers, der sich selbst als Kunstkenner verstand und persönlich in die Auswahlprozesse eingriff.

Im Gegensatz zu den Großen Deutschen Kunstausstellungen stand die bereits 1937 organisierte Ausstellung “Entartete Kunst”, die moderne und avantgardistische Kunst als kulturell minderwertig und “undeutsch” denunzierte. Diese Dichotomie war zentral für die NS-Kulturpolitik und sollte eine klare Trennung zwischen “gesunder deutscher Kunst” und angeblich degenerierter Moderne schaffen.

Nach dem Kriegsende 1945 wurden die Großen Deutschen Kunstausstellungen und ihre Produkte naturgemäß kritisch bewertet. Viele der ausgestellten Werke wurden entweder zerstört, in Depots verbracht oder gingen verloren. Die Mappenwerkausgaben, die einst als kulturelle Prestigeobjekte galten, wurden zu historischen Dokumenten einer dunklen Periode deutscher Geschichte.

Heute besitzen solche Mappenwerke einen dokumentarischen Wert für die Erforschung der NS-Kulturpolitik, der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts und der Mechanismen totalitärer Kulturkontrolle. Sie dienen Historikern, Kunstwissenschaftlern und Museen als Quellenmaterial zur Untersuchung der ästhetischen Ideologie des Nationalsozialismus und der Instrumentalisierung von Kunst für politische Zwecke. Die kritische Auseinandersetzung mit diesen Objekten ist wesentlich für das Verständnis der Gesamtgeschichte des “Dritten Reiches” und seiner kulturellen Manifestationen.