NSDAP - Hesselberg Treffen Gau Mittelfranken 1934
Das NSDAP Hesselberg Treffen Gau Mittelfranken 1934 Abzeichen dokumentiert eine bedeutende Etappe in der nationalsozialistischen Instrumentalisierung regionaler Traditionen für politische Zwecke. Dieses Blechabzeichen wurde für die 1934 stattfindende Frankentag-Veranstaltung auf dem Hesselberg produziert, die nach den Nürnberger Reichsparteitagen zur größten politischen Kundgebung des Nationalsozialismus in Franken avancierte.
Die achtseitige Vorderseite des Abzeichens zeigt eine zentral platzierte aufgehende Sonne über Bergen und dem Sesselberg, umgeben von der Inschrift “Gau Mittelfranken-Sesselberg NSDAP Treffen 1934”, alles unter einem nationalen Adler. Das Abzeichen misst 48 mm x 37 mm und besteht aus einem gestanzten Tombak-Grundmaterial, das bronze gewaschen wurde. Die Rückseite ist hohl gearbeitet mit aufgelöteter Nadel und ohne Herstellermarkierung. Die horizontale Nadelanbringung vervollständigt die charakteristische Konstruktion dieser Veranstaltungsabzeichen.
Seit den späten 1920er Jahren versuchte die NSDAP, den Hesselberg für ihre Zwecke zu nutzen. Ab 1933 wurden die Frankentage zu jährlichen Großveranstaltungen, die einem wiederkehrenden Muster folgten: Samstags abends eine Sonnenwendfeier, sonntags morgens Tanz- und Sportprogramm, sonntags nachmittags eine Massenkundgebung mit politischer Rede auf der Osterwiese. Die Veranstaltung von 1935 zog 200.000 Menschen an, was die immense Mobilisierungskraft dieser regionalen Parteitage verdeutlicht.
Der Gau Mittelfranken wurde 1936 in Gau Franken umbenannt; von 1928/29 bis 1936 trug er die Bezeichnung Gau Mittelfranken, die auch auf diesem Abzeichen von 1934 verewigt ist. Julius Streicher, Gauleiter von Franken und Gründer sowie Herausgeber der antisemitischen Zeitung Der Stürmer, organisierte diese jährlichen Frankentage mit dem Ziel, die Hesselberg-Region zu einem bedeutenden NS-Standort zu entwickeln. Streicher blieb bis zum letzten Frankentag 1939 der Hauptredner; zu den prominenten Gästen zählten auch Hermann Göring und Robert Ley.
Adolf Hitler erschien 1930 zum ersten und einzigen Mal auf dem Hesselberg, was der Veranstaltungsreihe zusätzliche symbolische Bedeutung verlieh. Die jährlichen Frankentage fanden von 1933 bis 1939 statt, wobei für jedes Jahr unterschiedliche Abzeichenvarianten mit verschiedenen Designs und Inschriften produziert wurden. Das 1934er Abzeichen stellt somit eine spezifische Jahresvariante innerhalb dieser Serie dar; ähnliche Abzeichen existieren für die Jahre 1933, 1935, 1938 und 1939.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten entwickelten sich sogenannte Tinnies zu massenproduzierten Propaganda- und Spendenwerkzeugen, die bei Veranstaltungen verteilt wurden. Diese Metallabzeichen wurden in Deutschland normalerweise an Personen ausgegeben, die für einen bestimmten Zweck spendeten, etwa für eine politische Kundgebung oder Feier. Das vorliegende Abzeichen wurde wahrscheinlich an Teilnehmer der Frankentag-Kundgebung 1934 auf dem Berg Hesselberg ausgegeben. Der spezifische Hersteller dieser Abzeichenvariante bleibt unbekannt; viele solcher Abzeichen trugen keine Herstellermarkierung.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wählte die bayerische Kirchenleitung symbolisch den Hesselberg als Standort der ersten protestantischen regionalen Volkshochschule. Das Abzeichen wurde zu einem Sammlerstück der Memorabilia des Dritten Reiches und dokumentiert heute die Vereinnahmung regionaler Feste für nationalsozialistische Propagandazwecke in der Zeit zwischen 1933 und 1939.