Österreich 1. Republik Heimwehr große Plakette

Buntmetall versilbert, hohlgeprägt, Breite 90 mm. Zustand 2.
432637
90,00

Österreich 1. Republik Heimwehr große Plakette

Heimwehr-Plakette der Ersten Republik Österreich: Symbol einer turbulenten Zwischenkriegszeit

Die vorliegende große Plakette aus versilbertem Buntmetall repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der österreichischen Geschichte zwischen 1918 und 1938. Die Heimwehr (auch Heimatschutz genannt) war eine paramilitärische, antikommunistische und später zunehmend faschistische Organisation, die in der Ersten Republik Österreich eine zentrale, wenn auch kontroverse politische Rolle spielte.

Die Heimwehr entstand unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie 1918 aus lokalen Bürgerwehren und Selbstschutzverbänden. Ursprünglich sollten diese Formationen die öffentliche Ordnung in den Bundesländern aufrechterhalten, da der junge österreichische Staat nur über begrenzte Machtmittel verfügte. Besonders in Tirol, der Steiermark und Kärnten formierten sich diese Verbände zur Abwehr befürchteter kommunistischer Umsturzversuche und zur Grenzverteidigung gegen jugoslawische Ansprüche.

In den 1920er Jahren entwickelte sich die Heimwehr zu einer schlagkräftigen politischen Bewegung unter Führung von Ernst Rüdiger Starhemberg und Richard Steidle. Die Organisation wurde hauptsächlich von konservativen Kreisen, der Industrie und teilweise auch aus dem Ausland – insbesondere aus dem faschistischen Italien unter Benito Mussolini – finanziert. Die Heimwehr verstand sich als Bollwerk gegen den Austromarxismus und stand in scharfer Opposition zur sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund.

Ein Höhepunkt der Heimwehr-Bewegung war der Korneuburger Eid vom 18. Mai 1930, in dem sich die Organisation offen gegen das parlamentarische System aussprach und autoritäre, ständestaatliche Prinzipien propagierte. Der Eid enthielt Formulierungen wie “Wir verwerfen den westlichen demokratischen Parlamentarismus und den Parteienstaat” und kündigte die Errichtung eines Staates auf berufsständischer Grundlage an.

Während der Regierung Engelbert Dollfuß (1932-1934) gewann die Heimwehr erheblichen Einfluss. Starhemberg wurde Vizekanzler, und die Heimwehr spielte eine aktive Rolle bei der Ausschaltung des Parlaments 1933 und beim blutigen Bürgerkrieg im Februar 1934, bei dem der Republikanische Schutzbund zerschlagen wurde. Nach der Ermordung von Dollfuß durch Nationalsozialisten im Juli 1934 setzte sein Nachfolger Kurt Schuschnigg die austrofaschistische Politik fort, begann aber zugleich, die Macht der Heimwehr einzuschränken.

Plaketten und Abzeichen wie das vorliegende Exemplar dienten mehreren Zwecken: Sie waren Erkennungszeichen für Mitglieder, Symbole der Zugehörigkeit zur Bewegung und wurden bei offiziellen Anlässen, Aufmärschen und Versammlungen getragen. Die hohlgeprägte Verarbeitung und Versilberung deuten auf ein repräsentatives Stück hin, das möglicherweise bei besonderen Gelegenheiten oder als Auszeichnung vergeben wurde. Mit einer Breite von 90 Millimetern handelt es sich um eine auffällige, große Ausführung.

Die Ikonographie solcher Heimwehr-Plaketten folgte typischerweise dem ideologischen Selbstverständnis der Bewegung: Häufig fanden sich Symbole wie das Kruckenkreuz (ein Vorläufer des österreichischen Bundeswappens), alpine Motive, Schwertdarstellungen oder die charakteristischen Heimwehrfarben. Diese Symbolik sollte Wehrhaftigkeit, Heimatverbundenheit und christlich-nationale Werte vermitteln.

1936 wurde die Heimwehr auf Druck Schuschniggs aufgelöst und in die Vaterländische Front eingegliedert. Die paramilitärischen Strukturen wurden in die Frontmiliz überführt. Dies markierte das Ende der Heimwehr als eigenständige politische Kraft, obwohl viele ihrer Mitglieder im austrofaschistischen Ständestaat weiterhin einflussreich blieben.

Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 wurde die gesamte ständestaatliche Bewegung verboten. Viele ehemalige Heimwehrmitglieder arrangierten sich mit dem NS-Regime, andere gerieten in Opposition oder wurden verfolgt.

Heute sind Heimwehr-Plaketten und -Abzeichen wichtige historische Quellen für die Erforschung der österreichischen Zwischenkriegszeit. Sie dokumentieren eine Periode tiefer gesellschaftlicher Spaltung, politischer Gewalt und des Scheiterns der demokratischen Ersten Republik. Sammler und Museen bewahren solche Objekte als Zeugnisse einer Zeit, in der paramilitärische Organisationen das politische Leben dominierten und den Weg zum Austrofaschismus und schließlich zur nationalsozialistischen Machtübernahme ebneten.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Heimwehr bleibt kontrovers. Während einige Historiker die antikommunistische Ausrichtung und die Verteidigung österreichischer Interessen betonen, überwiegt in der heutigen Forschung die Kritik an der antidemokratischen, gewaltbereiten und autoritären Natur der Bewegung, die aktiv zum Untergang der österreichischen Demokratie beitrug.

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