Preussen Landwehr-Dienstauszeichnung II. Klasse

Schnalle, Zustand 2-.
501737
15,00

Preussen Landwehr-Dienstauszeichnung II. Klasse

Die Preußische Landwehr-Dienstauszeichnung II. Klasse repräsentiert einen wichtigen Aspekt des preußischen Militärwesens im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Diese Auszeichnung wurde an Angehörige der Landwehr verliehen, jener Reserve-Formation, die neben der aktiven Armee und der Landwehr ersten Aufgebots eine wesentliche Säule der preußischen und später deutschen Verteidigungskraft bildete.

Die Landwehr selbst entstand nach den verheerenden Niederlagen gegen Napoleon Bonaparte während der Befreiungskriege 1813-1815. Die preußischen Militärreformen unter Gerhard von Scharnhorst und August Neidhardt von Gneisenau schufen ein System, das die gesamte wehrfähige männliche Bevölkerung einbezog. Nach der aktiven Dienstzeit in der Linienarmee wurden Soldaten in die Landwehr überführt, wo sie weitere Jahre dienstpflichtig blieben.

Die Landwehr-Dienstauszeichnung wurde durch Allerhöchste Kabinetts-Order vom 20. April 1868 durch König Wilhelm I. gestiftet. Diese Auszeichnung sollte die langjährige treue Dienstleistung in der Landwehr würdigen und wurde in zwei Klassen verliehen. Die II. Klasse war für Unteroffiziere und Mannschaften bestimmt und wurde nach einer bestimmten Anzahl von Dienstjahren verliehen, typischerweise nach fünfzehn Jahren tadellosem Dienst in der Landwehr.

Die Auszeichnung bestand aus einer Schnalle, die an der Uniform getragen wurde. Diese Schnalle war aus Bronze gefertigt und zeigte typischerweise das preußische Hoheitszeichen sowie Inschriften, die auf den Zweck der Auszeichnung hinwiesen. Die Gestaltung folgte den strengen Vorgaben der preußischen Ordensstatuten und entsprach der nüchternen, funktionalen Ästhetik des preußischen Militärwesens.

Im Gegensatz zur I. Klasse, die für Offiziere bestimmt war, wurde die II. Klasse weitaus häufiger verliehen, da sie die große Masse der Landwehr-Angehörigen betraf. Die Verleihung erfolgte auf Vorschlag der Kompanie- oder Bataillonskommandeure und musste durch höhere Dienststellen genehmigt werden. Dabei wurden nicht nur die Dienstjahre berücksichtigt, sondern auch die Führung und Zuverlässigkeit des Beliehenen.

Die Landwehr spielte in den deutschen Einigungskriegen eine bedeutende Rolle. Im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, im Deutschen Krieg 1866 gegen Österreich und besonders im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurden Landwehr-Einheiten mobilisiert und kämpften Seite an Seite mit der aktiven Armee. Nach der Reichsgründung 1871 wurde das preußische System auf das gesamte Deutsche Reich übertragen, wobei die einzelnen Bundesstaaten eigene, aber ähnliche Auszeichnungen beibehielten.

Im Ersten Weltkrieg gewann die Landwehr nochmals immense Bedeutung. Angesichts des Massenheeres, das für einen modernen Krieg benötigt wurde, bildeten Landwehr-Formationen einen erheblichen Teil der deutschen Streitkräfte. Viele ältere Jahrgänge, die bereits ihre aktive Dienstzeit und reguläre Landwehrzeit absolviert hatten, wurden erneut einberufen. Die Landwehr-Dienstauszeichnung wurde während dieser Zeit weiterhin verliehen, allerdings verlor sie angesichts der neu geschaffenen Kriegsauszeichnungen etwas an Bedeutung.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 und der Gründung der Weimarer Republik verloren die kaiserlichen Auszeichnungen ihren offiziellen Status. Das Versailler Diktat beschränkte die deutsche Armee auf 100.000 Mann ohne Reserveformationen, wodurch das System von Landwehr und Landsturm obsolet wurde. Dennoch durften Veteranen ihre rechtmäßig erworbenen Auszeichnungen weiterhin tragen, was viele auch taten, um ihre Dienstzeit und Treue zum alten System zu demonstrieren.

Heute sind solche Schnallen begehrte Sammlerobjekte, die Einblick in das preußisch-deutsche Militärwesen geben. Der Zustand der Stücke variiert erheblich, abhängig von Lagerung und Gebrauch über mehr als ein Jahrhundert. Sammler und Historiker schätzen diese Objekte als materielle Zeugnisse einer vergangenen Epoche, in der Militärdienst und soldatische Tugenden einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert besaßen.

Die Landwehr-Dienstauszeichnung II. Klasse steht exemplarisch für das preußische Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht und der Citizen-Soldier-Tradition, bei der jeder männliche Bürger seine Jahre dem Dienst an König und Vaterland widmete. Sie symbolisiert die Verbindung zwischen militärischer Pflichterfüllung und staatsbürgerlicher Identität, die das Preußen des 19. Jahrhunderts prägte und maßgeblich zur Reichsgründung und zur Stellung Deutschlands als europäische Großmacht beitrug.

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