Preussen Rot-Kreuz-Medaille 3. Klasse - Miniatur

16 mm, vergoldet, ohne Band, noch mit dem originalen Preisetikett für 1.20, Zustand 2+.
Preis pro Stück :
Es handelt sich hierbei um einen kleinen Restbestand eines Münchner Ordensgeschäfts. Die abgebildete Tüte ist im Angebot nicht enthalten.
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25,00

Preussen Rot-Kreuz-Medaille 3. Klasse - Miniatur

Die Preußische Rot-Kreuz-Medaille 3. Klasse in ihrer Miniaturausführung repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der humanitären Auszeichnungen im Deutschen Kaiserreich. Diese kleine, aber symbolträchtige Dekoration zeugt von der engen Verbindung zwischen militärischem Dienst und karitativer Tätigkeit im preußisch-deutschen Staatswesen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Die Preußische Rot-Kreuz-Medaille wurde durch Allerhöchste Kabinetts-Order vom 24. März 1898 durch Kaiser Wilhelm II. gestiftet. Die Stiftung erfolgte in drei Klassen, wobei die 3. Klasse die am häufigsten verliehene Stufe darstellte. Diese Auszeichnung würdigte Verdienste um die freiwillige Krankenpflege, insbesondere im Rahmen des Preußischen Roten Kreuzes und seiner zahlreichen Landesvereine. Anders als viele militärische Orden konnte diese Medaille sowohl an Männer als auch an Frauen verliehen werden, was ihre besondere Stellung im preußischen Ordenssystem unterstreicht.

Die Miniaturausführung, wie das hier beschriebene Exemplar mit 16 mm Durchmesser, diente einem spezifischen Zweck im komplexen preußischen Dekorationssystem. Während die reguläre Medaille bei offiziellen Anlässen und in Uniform getragen wurde, waren Miniaturen für das Tragen bei gesellschaftlichen Veranstaltungen in Zivilkleidung oder an der Frackkette vorgesehen. Diese Praxis entsprach den strengen Tragevorschriften des preußischen Hofzeremoniells und ermöglichte es Ordensträgerinnen und Ordensträgern, ihre Auszeichnungen auch außerhalb des offiziellen Dienstes zu präsentieren.

Die vergoldete Ausführung der 3. Klasse unterschied sich deutlich von der 2. Klasse (versilbert) und der 1. Klasse (emailliert). Das Design folgte den typischen Gestaltungsprinzipien der Zeit: Ein rotes Kreuz auf weißem Grund, umgeben von einem goldenen Reif. Die Vorderseite zeigte das preußische Rot-Kreuz-Symbol, während die Rückseite häufig die Inschrift “Für Verdienste um das Rote Kreuz” oder ähnliche Formulierungen trug. Die kleine Größe der Miniatur erforderte höchste handwerkliche Präzision bei der Herstellung.

Besonders interessant ist der kommerzielle Aspekt dieses Objekts. Das originale Preisetikett für 1,20 (vermutlich Reichsmark) dokumentiert die Handelspraxis von Ordensgeschäften der damaligen Zeit. Solche spezialisierten Geschäfte, wie das erwähnte Münchner Ordensgeschäft, spielten eine wichtige Rolle im militärischen und zivilen Leben des Kaiserreichs. Sie belieferten nicht nur Ordensträger mit offiziellen und privat zu beschaffenden Ausführungen ihrer Auszeichnungen, sondern führten auch Miniaturen, Ordensspangen und Zubehör. Der Preis von 1,20 Mark war für die Zeit moderat und machte die Miniatur für die meisten Ordensträger erschwinglich.

Die Verleihungspraxis der Preußischen Rot-Kreuz-Medaille intensivierte sich besonders während des Ersten Weltkriegs (1914-1918), als Tausende von freiwilligen Helferinnen und Helfern in Lazaretten, Sanitätszügen und Hilfsstationen tätig waren. Die 3. Klasse wurde typischerweise nach mindestens dreijähriger aktiver Tätigkeit in der Krankenpflege verliehen, wobei Kriegszeiten besondere Berücksichtigung fanden. Viele Krankenschwestern, Sanitäter und freiwillige Helfer erhielten diese Auszeichnung als Anerkennung ihres selbstlosen Einsatzes.

Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs 1918 und der Gründung der Weimarer Republik blieb die Preußische Rot-Kreuz-Medaille zunächst als Auszeichnung bestehen, verlor jedoch zunehmend an Bedeutung. Die offiziellen Tragevorschriften wurden gelockert, und die Ordensgeschäfte verkauften ihre Restbestände über Jahrzehnte hinweg. Das hier beschriebene Stück stammt offensichtlich aus einem solchen Restbestand, der vermutlich bis in die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs oder sogar bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gelagert wurde.

Die handwerkliche Qualität preußischer Miniaturen war durchweg hoch. Renommierte Firmen wie Godet & Sohn in Berlin oder süddeutsche Manufakturen fertigten diese kleinen Kunstwerke mit großer Sorgfalt. Die Vergoldung erfolgte häufig durch Feuervergoldung oder galvanische Verfahren, was auch nach Jahrzehnten noch für guten Erhaltungszustand sorgte. Der angegebene Zustand 2+ deutet auf eine sehr gut erhaltene Miniatur mit minimalen Gebrauchsspuren hin.

Für Sammler militärischer Antiquitäten und Phaleristik-Enthusiasten stellen solche Miniaturen wichtige Studienobjekte dar. Sie dokumentieren nicht nur die Ordensgeschichte, sondern auch die Sozialgeschichte des Deutschen Kaiserreichs, die Rolle der Frau in der Kriegswohlfahrtspflege und die Entwicklung humanitärer Organisationen. Das Vorhandensein des originalen Preisetiketts erhöht den dokumentarischen Wert erheblich, da es Einblicke in die Wirtschaftsgeschichte und den Ordenshandel bietet.

Heute sind solche authentischen Miniaturen aus kaiserlicher Produktion gesuchte Sammlerstücke, die einen wichtigen Teil der deutschen Militär- und Sozialgeschichte repräsentieren. Sie erinnern an eine Zeit, in der humanitäres Engagement durch staatliche Anerkennung gewürdigt wurde und die enge Verflechtung von Militär, Gesellschaft und Wohlfahrtswesen charakteristisch für die preußisch-deutsche Monarchie war.

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