Reichsluftschutzbund ( RLB ) Stahlhelm

Sogenannter "Gladiator Helm", blaugraue Lackierung, Luftschutzschwinge fehlt. Innen mit Lederfutter und Kinnriemen, im Nacken gestempelt mit " RL.2-39/10". Kopfgrößenangabe "58". Zustand 2.
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Reichsluftschutzbund ( RLB ) Stahlhelm

Der Reichsluftschutzbund (RLB) Stahlhelm, umgangssprachlich auch als “Gladiator-Helm” bezeichnet, stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Zivilschutzgeschichte während des Zweiten Weltkrieges dar. Dieser spezielle Helmtyp wurde für die Mitglieder des Reichsluftschutzbundes entwickelt, der größten Zivilschutzorganisation im nationalsozialistischen Deutschland.

Der Reichsluftschutzbund wurde am 29. April 1933 gegründet und unterstand dem Reichsluftfahrtministerium unter Hermann Göring. Die Organisation hatte die Aufgabe, die Zivilbevölkerung auf Luftangriffe vorzubereiten und während Bombardements Schutz- und Rettungsmaßnahmen durchzuführen. Bis 1939 wuchs die Mitgliederzahl auf über 13 Millionen Menschen an, was den RLB zur größten zivilen Organisation des Dritten Reiches machte.

Der vorliegende Helm trägt die charakteristische blaugraue Lackierung, die typisch für RLB-Helme war und sie von den feldgrauen Wehrmachtshelmen unterschied. Die Bezeichnung “Gladiator-Helm” bezieht sich auf die markante Form mit dem hohen Kamm, der an antike römische Helme erinnert. Diese Bauweise diente nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern bot auch praktischen Schutz gegen herabfallende Trümmer und Splitter.

Die Stempelung “RL.2-39/10” im Nackenbereich gibt wichtige Informationen über Herkunft und Produktionsdatum. Die Bezeichnung “RL” steht für Reichsluftschutz, die Zahl “2” bezeichnet das Los oder die Produktionsserie, während “39” auf das Produktionsjahr 1939 hinweist – das Jahr des Kriegsbeginns. Die “10” könnte auf den Produktionsmonat oder eine Chargennummer hinweisen. Die angegebene Kopfgröße 58 entspricht einem Kopfumfang von 58 Zentimetern.

Die Innenausstattung mit Lederfutter und Kinnriemen war Standard bei diesen Helmen und sollte Tragekomfort und sicheren Sitz gewährleisten. Das Lederfutter absorbierte Schweiß und bot eine Polsterung zwischen Stahlschale und Kopf. Der Kinnriemen verhinderte, dass der Helm bei plötzlichen Bewegungen oder Erschütterungen vom Kopf fiel.

Ein charakteristisches Merkmal der RLB-Helme war die Luftschutzschwinge, ein Abzeichen, das typischerweise an der linken Helmseite angebracht war. Dieses Emblem zeigte einen stilisierten Adler oder eine Schwinge und identifizierte den Träger als Mitglied des Reichsluftschutzbundes. Bei diesem Exemplar fehlt die Schwinge, was bei erhaltenen Stücken nicht ungewöhnlich ist, da diese Abzeichen oft aus Aluminium gefertigt waren und im Laufe der Zeit verloren gingen oder entfernt wurden.

Die Produktion der RLB-Helme erfolgte durch verschiedene deutsche Hersteller. Die Helme basierten konstruktiv auf dem M1934-Feuerwehrhelm und wurden aus Stahlblech in einem Tiefziehverfahren hergestellt. Im Vergleich zu militärischen Stahlhelmen waren sie oft etwas leichter konstruiert, da sie primär gegen herabfallende Trümmer und nicht gegen Geschosse schützen sollten.

Der zeitgeschichtliche Kontext dieser Helme ist untrennbar mit der Entwicklung des Luftkrieges verbunden. Nach den ersten britischen Bombenangriffen auf deutsche Städte ab 1940 und der Intensivierung der alliierten Luftoffensive ab 1942 wurde die Arbeit des RLB zunehmend wichtiger. Die Helme wurden nicht nur von hauptamtlichen Luftschutzwarten getragen, sondern auch von Blockwarten, Luftschutz-Hauswarten und Mitgliedern der Selbstschutzgemeinschaften.

Die verschiedenen Varianten der RLB-Helme unterschieden sich in Details wie der Kamm-Höhe, den Lüftungsöffnungen und der Befestigungsart der Abzeichen. Frühe Modelle hatten oft einen höheren Kamm, während spätere Kriegsproduktionen zunehmend vereinfacht wurden, um Material und Produktionszeit zu sparen.

Nach Kriegsende 1945 wurden viele RLB-Helme vernichtet, umgearbeitet oder von Besatzungstruppen als Souvenirs mitgenommen. Erhaltene Exemplare wie dieses sind heute wichtige Sachzeugen der Zivilschutzgeschichte und dokumentieren die umfassende Mobilisierung der deutschen Gesellschaft während des Zweiten Weltkrieges. Sie erinnern an die verheerenden Auswirkungen des Luftkrieges auf die Zivilbevölkerung und die verzweifelten Versuche, sich gegen die zunehmenden Bombardements zu schützen.

Für Sammler und Historiker bieten solche Helme wertvolle Einblicke in die Materialkultur, Produktionstechniken und organisatorische Struktur des zivilen Luftschutzes im nationalsozialistischen Deutschland. Die erhaltenen Stempelungen und Markierungen ermöglichen oft eine genaue Datierung und Zuordnung zu bestimmten Produktionschargen und Herstellern.

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