Bayern Tellermütze für Mannschaften im 3. Chevaulegers-Regiment Herzog Karl Theodor

Standort Dieuze. Eigentumsstück um 1910. Die Tellermütze aus dunkelgrünem Stoff mit roséfarbenem Bund und Vorstoß, komplett mit beiden Kokarden. Innen mit braunem Schweißband und rotem und lachsfarbenem Seidenfutter mit Hersteller «...Emil Halb... Dieuze», auf dem Schweißband handschriftlich die Größe «56». Sehr schön erhalten. Zustand 2.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg kam Dieuze durch den Frieden von Frankfurt 1871 zum neu geschaffenen Reichsland Elsaß-Lothringen des Deutschen Reiches. In den folgenden Jahren war Dieuze Standort einer deutschen Garnison mit einem Infanterie- und einem Kavallerieregiment: Von 1887 bis 1906 war hier das Infanterie-Regiment Nr. 136 stationiert, ab 1906 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs dann das Infanterie-Regiment Nr. 138. Ab 1890 war im Ort zudem das bayerische Chevaulegers-Regiment Nr. 3 stationiert. Zeitweise hatte der Ort mehr Soldaten als Einwohner.
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Bayern Tellermütze für Mannschaften im 3. Chevaulegers-Regiment Herzog Karl Theodor

Die Tellermütze war ein charakteristisches Kopfbedeckungsstück der deutschen Kavallerie im späten Kaiserreich und repräsentiert eine bedeutende Epoche der Militärgeschichte. Dieses besondere Exemplar aus dem 3. Chevaulegers-Regiment “Herzog Karl Theodor” der bayerischen Armee dokumentiert nicht nur die Uniformtradition der Kavallerie, sondern auch die komplexe militärische Präsenz im Reichsland Elsaß-Lothringen nach 1871.

Das 3. Chevaulegers-Regiment wurde 1682 als Dragonerregiment gegründet und erhielt 1815 den Ehrennamen “Herzog Karl Theodor” nach dem bayerischen Herzog Karl II. Theodor. Das Regiment gehörte zur bayerischen Kavallerie und war Teil des IV. bayerischen Armeekorps. Die Chevaulegers (vom französischen cheval léger, “leichtes Pferd”) waren ursprünglich leichte Kavallerie, entwickelten sich aber im 19. Jahrhundert zu einer mittelschweren Kavalleriegattung.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und dem Frieden von Frankfurt wurde Elsaß-Lothringen als Reichsland dem Deutschen Reich eingegliedert. Die Stadt Dieuze (deutsch: Duss) in Lothringen wurde zu einem wichtigen Garnisonsstandort ausgebaut. Ab 1890 war dort das 3. Chevaulegers-Regiment stationiert, was die strategische Bedeutung dieser Region nahe der französischen Grenze unterstreicht.

Die vorliegende Tellermütze zeigt die charakteristischen Regimentsfarben: dunkelgrünes Tuch mit roséfarbenem Bund und Vorstoß. Diese Farbkombination war spezifisch für das 3. Chevaulegers-Regiment und ermöglichte die schnelle Identifikation der Regimentszugehörigkeit. Die rosa Färbung (auch als “karmesinrot” oder “hellrot” bezeichnet) war traditionell mit bayerischen Kavallerieregimentern verbunden und unterschied sie von anderen Einheiten.

Die beiden Kokarden auf der Mütze hatten unterschiedliche Bedeutungen: Die größere Reichskokarde in Schwarz-Weiß-Rot repräsentierte das Deutsche Reich, während die kleinere bayerische Kokarde in Weiß-Blau die Zugehörigkeit zum Königreich Bayern anzeigte. Diese duale Symbolik war charakteristisch für die Uniformen der süddeutschen Kontingente im kaiserlichen Heer, die ihre eigenstaatliche Identität auch nach 1871 bewahrten.

Das innere Schweißband mit der handschriftlichen Größenangabe “56” (entspricht einem Kopfumfang von 56 Zentimetern) und das Seidenfutter in Rot und Lachsfarben zeugen von der Qualitätsverarbeitung militärischer Kopfbedeckungen dieser Zeit. Der Hersteller Emil Halb in Dieuze war einer der lokalen Zulieferer für die dortige Garnison. Die Präsenz deutscher Uniformschneider in Dieuze entwickelte sich parallel zur militärischen Stationierung und schuf eine eigene Handwerkerschaft für militärische Ausrüstung.

Die Zeit um 1910, aus der diese Mütze stammt, war eine Phase relativer Stabilität im Deutschen Reich. Die Uniformvorschriften waren durch die Adjustierungsvorschriften genau geregelt, die jedes Detail der militärischen Bekleidung festlegten. Für Mannschaften (also Soldaten ohne Unteroffiziersrang) waren die Mützen aus einfacherem Material gefertigt als die der Offiziere, aber dennoch von hoher handwerklicher Qualität.

Dieuze hatte zeitweise mehr Soldaten als zivile Einwohner, was die enorme militärische Bedeutung dieser lothringischen Kleinstadt verdeutlicht. Neben dem 3. Chevaulegers-Regiment waren dort auch Infanterieregimenter stationiert: von 1887 bis 1906 das Infanterie-Regiment Nr. 136 und ab 1906 das Infanterie-Regiment Nr. 138. Diese massive militärische Präsenz diente der Grenzsicherung und war Teil der deutschen Verteidigungsstrategie gegen Frankreich.

Die Tellermütze als Kopfbedeckung unterschied sich von der traditionellen Pickelhaube, die bei der Infanterie üblich war. Sie war praktischer für den Kavalleriedienst, leichter zu tragen und weniger hinderlich beim Reiten. Die flache Form (daher “Teller”) war charakteristisch für Chevaulegers und andere Kavallerieregimenter.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 musste das Regiment Dieuze verlassen, da die Stadt in der unmittelbaren Kampfzone lag. Das 3. Chevaulegers-Regiment kämpfte an verschiedenen Fronten und erlitt erhebliche Verluste. Nach Kriegsende 1918 fiel Elsaß-Lothringen wieder an Frankreich, und Dieuze wurde erneut französisch.

Heute sind solche Uniformstücke wichtige historische Zeugnisse der deutschen Militärgeschichte und der komplexen deutsch-französischen Beziehungen im Zeitalter des Imperialismus. Sie dokumentieren nicht nur militärische Traditionen, sondern auch die handwerkliche Kunst der Uniformherstellung und die soziale Bedeutung des Militärs in der wilhelminischen Gesellschaft.