Ehrenschale aus Meißner Porzellan des "5. Königlich Sächsischen Feldartillerie Regiment No. 64"
Diese Ehrenschale aus Meißner Porzellan repräsentiert eine bedeutende Tradition militärischer Auszeichnungen im Königreich Sachsen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das Objekt gehörte zum 5. Königlich Sächsischen Feldartillerie-Regiment Nr. 64, einer traditionsreichen Einheit der sächsischen Armee.
Das 5. Feldartillerie-Regiment Nr. 64 wurde 1899 als Teil der Reorganisation der sächsischen Artillerie aufgestellt und hatte seinen Garnisonsstandort in Riesa. Als Bestandteil der 12. Division des XII. Armeekorps spielte das Regiment eine wichtige Rolle in der militärischen Struktur des Deutschen Kaiserreichs. Die Einheit führte die Tradition sächsischer Artillerieverbände fort, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichte.
Die Verwendung von Meißner Porzellan für militärische Ehrengeschenke war in Sachsen besonders ausgeprägt. Die Königliche Porzellan-Manufaktur Meißen, 1710 als erste europäische Porzellanmanufaktur gegründet, genoss höchstes Ansehen und ihre Erzeugnisse galten als Inbegriff deutscher Handwerkskunst. Die charakteristischen gekreuzten Schwerter als Manufakturmarke auf der Rückseite bestätigen die Authentizität und Herkunft aus der königlichen Manufaktur.
Solche Ehrenschalen wurden zu verschiedenen Anlässen überreicht: bei Jubiläen, zur Verabschiedung verdienter Offiziere, bei besonderen Leistungen im Dienst oder als Preise bei militärischen Wettbewerben wie Schießübungen oder Reitturnieren. Sie dienten als sichtbare Anerkennung und stärkten den Korpsgeist innerhalb der Einheit.
Das grüne Dekor unter Glasur (Unterglasurmalerei) war eine technisch anspruchsvolle Technik, bei der die Farben vor dem abschließenden Glasurbrand aufgetragen wurden. Dies garantierte die Haltbarkeit und den Schutz der Dekoration. Die Darstellung historischer Waffentrophäen aus dem 18. Jahrhundert im Zentrum der Schale verweist auf die militärischen Traditionen der sächsischen Armee. Solche Trophäendarstellungen zeigten typischerweise Kanonen, Fahnen, Trommeln, Schwerter und andere militärische Ausrüstung, oft in kunstvollen Arrangements, die den martialischen Geist und die Wehrhaftigkeit symbolisierten.
Die originale Aufhängung deutet darauf hin, dass die Schale zur Wandmontage vorgesehen war – eine übliche Praxis bei solchen Erinnerungsstücken. In Offizierskasinos, Regimentsstuben oder privaten Wohnungen verdienter Soldaten wurden diese Ehrengaben prominent präsentiert und bildeten einen wichtigen Teil der militärischen Erinnerungskultur.
Die sächsische Armee war bis 1918 eine der vier eigenständigen Kontingentarmeen des Deutschen Kaiserreichs neben der preußischen, bayerischen und württembergischen Armee. Das Königreich Sachsen pflegte seine militärischen Traditionen mit besonderem Stolz und entwickelte eine eigene Kultur militärischer Ehrenzeichen und Auszeichnungen.
Das Regiment Nr. 64 nahm am Ersten Weltkrieg teil und kämpfte an verschiedenen Fronten. Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Abdankung des sächsischen Königs Friedrich August III. wurde die sächsische Armee aufgelöst und in die Reichswehr der Weimarer Republik integriert.
Heute sind solche Ehrenschalen aus Meißner Porzellan begehrte Sammlerobjekte, die nicht nur kunsthandwerklichen Wert besitzen, sondern auch wichtige Zeugnisse der deutschen Militärgeschichte darstellen. Sie dokumentieren die Verbindung zwischen höfischer Porzellankunst und militärischer Tradition im deutschen Kaiserreich. Der unbeschädigte Zustand dieses Exemplars macht es zu einem besonders wertvollen Zeugnis dieser Epoche.