Frankreich 2. Empire Koppelschloss Modell 1857 für Soldaten der grenadiers de la Garde

Bis in die Zeit des Deutsch-Französischen Krieges um 1870 getragen. Messing mit durchgeprägter "flammenden Granate". Maße ca. 5.3 x 5.8 cm. Zustand 2.
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120,00

Frankreich 2. Empire Koppelschloss Modell 1857 für Soldaten der grenadiers de la Garde

Das Koppelschloss Modell 1857 für Soldaten der grenadiers de la Garde impériale stellt ein bedeutendes Ausrüstungsstück der französischen Militärgeschichte des Zweiten Kaiserreichs (1852-1870) dar. Diese Gürtelschließe aus Messing mit ihrer charakteristischen durchgeprägten flammenden Granate verkörpert die militärische Tradition und Symbolik einer der elitärsten Einheiten der französischen Armee unter Napoleon III.

Die Kaiserliche Garde des Zweiten Kaiserreichs wurde nach dem Vorbild der legendären Garde Napoleons I. geschaffen und reorganisiert. Die Grenadiere der Garde bildeten innerhalb dieser Elite-Formation eine besonders prestigeträchtige Einheit. Diese Soldaten wurden nach strengen Kriterien ausgewählt, wobei neben militärischer Erfahrung auch physische Eigenschaften wie Körpergröße und martialisches Erscheinungsbild eine Rolle spielten. Die Grenadiere trugen traditionell die flammende Granate als ihr Erkennungszeichen, ein Symbol, das bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, als Grenadiere speziell für den Einsatz von Handgranaten ausgebildet wurden.

Das Modell 1857 wurde im Rahmen einer umfassenden Uniformreform eingeführt, die unter der Regierung Napoleons III. durchgeführt wurde. Diese Reform zielte darauf ab, die Ausrüstung der französischen Armee zu standardisieren und zu modernisieren. Das Koppelschloss diente zur Befestigung des Leibriemens (ceinturon), an dem die Soldaten ihre Ausrüstung wie Patronentasche, Bajonettscheide und andere notwendige Gegenstände trugen. Die Konstruktion aus Messing bot einen guten Kompromiss zwischen Haltbarkeit, Korrosionsbeständigkeit und verhältnismäßig geringen Kosten.

Die durchgeprägte flammende Granate auf dem Koppelschloss war nicht nur dekorativ, sondern erfüllte wichtige Funktionen der militärischen Identifikation. In der Schlacht und bei Paraden ermöglichte dieses Symbol die sofortige Erkennung der Zugehörigkeit zur Garde-Grenadier-Einheit. Die Flammen, die aus der Granate hervorbrechen, symbolisierten Mut, Kampfgeist und die explosive Kraft dieser Elite-Truppen. Die Herstellung erfolgte durch Prägen, ein Verfahren, bei dem das Messingblech unter hohem Druck in eine Form gepresst wurde, um das Relief zu erzeugen.

Die zeitliche Einordnung bis etwa 1870 ist historisch bedeutsam, da dieses Jahr das Ende des Zweiten Kaiserreichs markierte. Der Deutsch-Französische Krieg (1870-1871) führte zur Niederlage Frankreichs, zur Gefangennahme Napoleons III. bei Sedan und schließlich zur Ausrufung der Dritten Republik. Die Kaiserliche Garde kämpfte in diesem Krieg in mehreren wichtigen Schlachten und erlitt erhebliche Verluste. Nach dem Fall des Kaiserreichs wurde die Garde aufgelöst, womit auch die Verwendung ihrer spezifischen Uniformteile und Ausrüstungsgegenstände endete.

Während ihrer aktiven Dienstzeit trugen die Grenadiere der Garde das Koppelschloss zu ihrer charakteristischen Uniform, die aus einem dunkelblauen Rock mit roten Aufschlägen, weißen Hosen oder Gamaschen und der typischen Bärenfellmütze (bonnet à poil) bestand. Diese prachtvolle Uniform sollte nicht nur praktischen Zwecken dienen, sondern auch Respekt einflößen und die besondere Stellung der Garde unterstreichen.

Das Modell 1857 löste frühere Koppelschloss-Varianten ab und wurde in großen Stückzahlen für die verschiedenen Einheiten der Kaiserlichen Garde produziert. Die Fertigung erfolgte in staatlichen Manufakturen sowie bei beauftragten privaten Herstellern. Qualitätskontrollen stellten sicher, dass die Schlösser den militärischen Anforderungen entsprachen und eine einheitliche Erscheinung gewährleistet war.

Heute sind diese Koppelschlösser begehrte Sammlerobjekte, die wichtige Zeugnisse der französischen Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts darstellen. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität der damaligen Metallverarbeitung, sondern auch die Bedeutung von Symbolik und Tradition im militärischen Kontext. Exemplare in gutem Erhaltungszustand ermöglichen es Historikern und Sammlern, die materielle Kultur dieser Epoche zu studieren und die Verbindung zwischen der Napoleonischen Tradition und dem Zweiten Kaiserreich nachzuvollziehen.

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