III. Reich - Reichskriegertag Kassel 1937
Das Reichskriegertag-Abzeichen von Kassel 1937 stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Veteranenpolitik und der systematischen Gleichschaltung traditioneller Soldatenverbände im Dritten Reich dar. Dieses Feinzinkabzeichen dokumentiert eine zentrale Veranstaltung des NS-Reichskriegerbundes (Kyffhäuserbund), der als Dachorganisation aller deutschen Kriegervereine nach der Machtergreifung 1933 unter nationalsozialistische Kontrolle gebracht wurde.
Der Reichskriegertag in Kassel, der vom 4. bis 6. Juni 1937 stattfand, war eine der größten Massenveranstaltungen des NS-Regimes in jenem Jahr. Die nordhessische Stadt wurde als Austragungsort gewählt, um die Verbundenheit zwischen der NSDAP und den traditionellen Soldatenverbänden auch in der Provinz zu demonstrieren. Mehrere hunderttausend Teilnehmer, darunter Veteranen des Ersten Weltkriegs, aktive Wehrmachtsangehörige und Parteifunktionäre, versammelten sich zu Aufmärschen, Paraden und propagandistischen Kundgebungen.
Die Herstellung als Feinzinkabzeichen war für derartige Veranstaltungsabzeichen typisch. Zink bot als Material den Vorteil, dass es kostengünstig zu verarbeiten war und dennoch detaillierte Prägungen ermöglichte. Die Abzeichen wurden in großen Stückzahlen produziert und an Teilnehmer, Ehrengäste und Organisatoren ausgegeben. Sie dienten einerseits als Eintrittskontrolle zu bestimmten Veranstaltungsbereichen, andererseits als Erinnerungsstücke und Zeichen der Teilnahme an einem bedeutenden Ereignis der NS-Bewegung.
Der NS-Reichskriegerbund war 1938 mit über 4 Millionen Mitgliedern eine der größten Massenorganisationen des Dritten Reichs. Oberst Wilhelm Reinhard führte die Organisation als Bundesführer seit 1936. Die Integration der traditionellen Kriegervereine in die NS-Strukturen erfolgte schrittweise: Bereits 1933 waren jüdische Mitglieder ausgeschlossen worden, 1934 wurde der Kyffhäuserbund dem Reichsführer SS Heinrich Himmler unterstellt, bevor er 1938 vollständig in die NSDAP eingegliedert wurde.
Die Reichskriegertage dienten mehreren propagandistischen Zwecken. Sie sollten die Veteranen des Ersten Weltkriegs an das NS-Regime binden, die Erinnerung an den verlorenen Krieg im nationalsozialistischen Sinne umdeuten und die Bevölkerung auf einen neuen Waffengang vorbereiten. Die Veranstaltung 1937 in Kassel fand in einer Phase intensiver Aufrüstung statt – die Wehrmacht war bereits massiv verstärkt worden, und die aggressive Außenpolitik Hitlers nahm konkrete Formen an.
Typischerweise zeigten solche Abzeichen Symbole wie das Eiserne Kreuz, den Stahlhelm, Eichenlaub, Schwerter oder das Hakenkreuz, kombiniert mit dem Veranstaltungsort und dem Jahr. Die Nadelbefestigung auf der Rückseite ermöglichte das Tragen an der Zivilkleidung oder Uniform. Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit geringen Gebrauchsspuren hin, was für ein über 85 Jahre altes Objekt bemerkenswert ist.
Die historische Einordnung solcher Abzeichen ist ambivalent. Sie sind einerseits Zeugnisse der Alltagskultur und Massenveranstaltungen des NS-Regimes, andererseits Dokumente der systematischen Propaganda und der Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die Organisationsstrukturen, die Symbolsprache und die Mobilisierungsstrategien des Nationalsozialismus.
Der Reichskriegertag 1937 in Kassel war eingebettet in eine Serie ähnlicher Großveranstaltungen, die das Regime jährlich in verschiedenen deutschen Städten ausrichtete. Nach dem Kriegsbeginn 1939 verloren diese zivilen Massenveranstaltungen an Bedeutung, und die Ressourcen wurden vollständig der Kriegsführung untergeordnet. Die Abzeichen blieben jedoch als materielle Überreste dieser Epoche erhalten und werden heute in historischen Sammlungen, Museen und privaten Kollektionen aufbewahrt, wo sie als Quellen für die Erforschung der NS-Geschichte dienen.