Kaiserliche Marine 1. Weltkrieg kurze Paradejacke für einen Meistermaat

Eigentumsstück um 1915/16. Die Jacke aus feinem dunkelblauem Tuch mit vernickelten Anker-Knöpfen mit der Kaiserkrone, an den Ärmeln die silberne Unteroffizierslitze, auf dem linken Ärmel der "klare Anker" ohne Tau bereits aus Kriegsmetall. Innen mit schwarzem Futter, der linke Ärmel mit dem Trägernamen «Hunold». Ohne Knebelkette. Zustand 2.
522538
550,00

Kaiserliche Marine 1. Weltkrieg kurze Paradejacke für einen Meistermaat

Diese kurze Paradejacke der Kaiserlichen Marine aus der Zeit des Ersten Weltkriegs repräsentiert ein typisches Beispiel der Unteroffiziersuniform jener Epoche, in der die deutsche Kriegsmarine sowohl an den Traditionen des 19. Jahrhunderts festhielt als auch sich den Realitäten des industrialisierten Krieges anpassen musste.

Die Kaiserliche Marine, die von 1871 bis 1919 bestand, orientierte sich in ihrer Uniformgestaltung stark an den Vorbildern der britischen Royal Navy. Die zwischen 1889 und 1918 weitgehend unverändert gebliebenen Uniformvorschriften prägten das Erscheinungsbild der deutschen Marinesoldaten während des gesamten Ersten Weltkriegs. Die kurze Paradejacke selbst hatte ihre Ursprünge in der preußischen Marinetradition der Mitte des 19. Jahrhunderts, diente jedoch im frühen 20. Jahrhundert nicht mehr als Alltagskleidung, sondern war besonderen Anlässen vorbehalten.

Das vorliegende Stück aus feinem dunkelblauen Tuch mit schwarzem Futter verkörpert die klassische Form des taillierten Zweireiher-Schnitts. Die vernickelten Ankerknöpfe mit der Kaiserkrone zeugen von der engen Verbindung zwischen Marine und Monarchie. Die silberne Unteroffizierslitze an den Ärmeln kennzeichnet den Träger als Angehörigen der Unteroffiziersränge ohne Portepee, einer Kategorie, die Maate und Obermaate umfasste. Diese Unteroffiziere bildeten das Rückgrat der Schiffsbesatzungen und übernahmen wichtige Führungs- und Aufsichtsfunktionen an Bord.

Besonders aufschlussreich ist das Detail des auf dem linken Ärmel angebrachten “klaren Ankers” ohne Tau, der hier aus Kriegsmetall gefertigt ist. Dieses Material verweist auf eine der großen Herausforderungen des Ersten Weltkriegs: die zunehmende Knappheit kriegswichtiger Rohstoffe. Während in Friedenszeiten Abzeichen und Insignien aus Messing oder Silber gefertigt wurden, zwang die britische Seeblockade und die damit verbundene Materialknappheit die deutschen Behörden zur Verwendung von Ersatzmaterialien. Das Kriegsmetall wurde zum Symbol der materiellen Entbehrungen, die das Deutsche Reich ab 1915/16 zunehmend erdulden musste.

Die Datierung der Jacke auf die Zeit um 1915/16 wird durch die Verwendung des Kriegsmetalls gestützt. In dieser Phase des Krieges hatte sich die anfängliche Euphorie längst verflüchtigt, und der zermürbende Stellungskrieg zu Lande wie die Blockade zur See prägten den deutschen Alltag. Die Kaiserliche Marine selbst befand sich in einer paradoxen Situation: Trotz des enormen Aufwands, der in den Aufbau einer modernen Hochseeflotte investiert worden war, kam es nur zu wenigen größeren Seeschlachten, während die U-Boot-Waffe zunehmend an Bedeutung gewann.

Als Eigentumsstück konnte diese Jacke entweder privat erworben oder als Kammerstück vom Marine-Bekleidungsamt ausgegeben worden sein. Produktionsstätten wie Warnemünde und andere Marinedepots versorgten die Flotte mit Uniformen und Ausrüstung. Der im linken Ärmel eingenähte Namenszug “Hunold” identifiziert den Träger, über dessen individuellen Werdegang jedoch keine weiteren Belege vorliegen.

Die Paradejacke wurde nicht im alltäglichen Bordleben getragen, sondern war Teil der Ausgehanzug-Uniform für Landgänge und besondere Anlässe. Sie wurde typischerweise mit einem weißen Hemd mit Stehkragen, schwarzer Krawatte, Schirmmütze, langer blauer Hose und Halbschuhen kombiniert. Diese zeremonielle Funktion unterstreicht die Bedeutung, die auch im Krieg der äußeren Repräsentation und militärischen Tradition beigemessen wurde.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Auflösung der Kaiserlichen Marine im Jahr 1919 wurden solche Uniformstücke zu persönlichem Eigentum oder Sammlerobjekten. Die nachfolgende Reichsmarine der Weimarer Republik und später die Kriegsmarine des Dritten Reiches führten die Uniformtraditionen mit Modifikationen fort. Nach 1945 wurden Uniformen der Kaiserlichen Marine zu historischen Artefakten und begehrten Militaria-Sammlerstücken, die heute Zeugnis einer untergegangenen Epoche deutscher Marinegeschichte ablegen.