Dieser bemerkenswerte Ordensnachlass vereint einige der seltensten Auszeichnungen des Dritten Reiches und dokumentiert die politische Karriere eines NSDAP-Funktionärs im Gau Danzig-Westpreussen. Im Zentrum stehen das Danziger Kreuz 1. Klasse und das NSDAP Traditions-Gauabzeichen Danzig-Westpreussen, ergänzt durch weitere Auszeichnungen und fotografische Dokumente aus dem Besitz von Willi Freude, der als SA-Hauptsturmführer und Amtskommissar im Kreis Konitz diente.
Das Danziger Kreuz: Stiftung und historischer Hintergrund
Das Danziger Kreuz wurde am 31. August 1939 durch das Staatsoberhaupt der Freien Stadt Danzig, Gauleiter Albert Forster, als zweistufige Auszeichnung gestiftet. Der Zeitpunkt war von höchster politischer Brisanz: Am 23. August 1939 hatte Forster Arthur Greiser als Staatsoberhaupt Danzigs abgelöst. Nur einen Tag nach der Stiftung des Kreuzes, am 1. September 1939, wurde Danzig dem Deutschen Reich angegliedert. Forster wurde am 21. Oktober 1939 zum Gauleiter des neu geschaffenen Reichsgaus Danzig-Westpreussen ernannt.
Das Danziger Kreuz wurde für Verdienste um den Aufbau der NSDAP im Gau Danzig und des nationalsozialistischen Staates Danzig sowie für den Aufbau der Verteidigung Danzigs vor dem 31. August 1939 verliehen. Es richtete sich an Personen sowohl in Danzig als auch im weiteren Reich, die zum Aufbau der nationalsozialistischen Partei in der Freien Stadt vor deren Eingliederung in das Deutsche Reich beigetragen hatten. Die Verleihungen fanden hauptsächlich am Traditionstag der Danziger Nationalsozialisten, dem 24. Oktober 1939, statt. Als staatliche Auszeichnung war das Danziger Kreuz den Auszeichnungen der anderen deutschen Staaten seit dem 1. Mai 1941 gleichgestellt.
Gestaltung und Ausführung
Das Danziger Kreuz wurde von Benno von Arent entworfen. Die 1. Klasse ist als konvexes, leicht größeres Tatzenkreuz gestaltet, mit doppelten goldenen Zierlinien auf den weiß emaillierten Kreuzarmen, gefertigt aus vergoldeter und weiß emaillierter Bronze. Die Dekoration zeigt zwei kleine Kreuze in vertikaler Anordnung, gekrönt von einer Krone, entsprechend dem Wappen der Freien Stadt Danzig. Die Rückseite ist glatt und golden, versehen mit einer massiven Nadel an einem Rollenscharnier zum Tragen auf der linken Brustseite. Als Hersteller ist „B.v.A. Hülse Berlin“ dokumentiert. Das Danziger Kreuz wurde stets in einem roten Etui verliehen, dessen Deckel das Wappen der Stadt Danzig in Gold geprägt trug.
Es sind zwei Varianten bekannt: die erste mit doppelter Zierlinie auf den weiß emaillierten Kreuzarmen, die zweite mit breitem inneren Rand.
Verleihungszahlen
Bis Dezember 1939 waren 88 Kreuze 1. Klasse und Kreuze 2. Klasse verliehen worden, die meisten davon bei der Zeremonie am 24. Oktober 1939. Zu den dokumentierten Empfängern gehörte Hans Frank, der die Auszeichnung am 19. Mai 1940 erhielt, sowie SS-Oberführer und Oberst der Schutzpolizei Hans Griep, der beide Klassen empfing. Es sei darauf hingewiesen, dass die in der Literatur genannten Zahlen sich lediglich auf den Stand vom 11. Dezember 1939 beziehen und die tatsächliche Gesamtzahl der Verleihungen höher gelegen haben dürfte, wie spätere Verleihungen wie jene an Hans Frank belegen.
Das Traditions-Gauabzeichen Danzig-Westpreussen
Das NSDAP Traditions-Gauabzeichen Danzig-Westpreussen wurde von Gauleiter Albert Forster gestiftet und von Adolf Hitler zum Tragen autorisiert. Es ehrte die sogenannten „Alten Kämpfer“ – frühe NSDAP-Mitglieder im Danziger Raum. Die Inschriften „ALTER“ am oberen Rand und „KÄMPFER“ am unteren Rand unterstreichen diesen Charakter. Das Abzeichen zeigt das Danziger Wappen und ein Hakenkreuz.
Das vorliegende Stück ist 47 x 38,8 mm groß, massiv aus Silber geprägt und getönt, rückseitig gestempelt mit „925“ für Silber sowie der Herstellerbezeichnung „M. St. & S“ für M. Stumpf & Sohn, Danzig – eine historische Danziger Goldschmiede- und Juwelierfirma, die 1804 gegründet wurde und bis mindestens in die 1940er Jahre aktiv war. Die Zahl der berechtigten Träger überschritt nicht 100 Personen und wird auf etwa 50 bis 60 geschätzt. Unter den dokumentierten Trägern befanden sich Gauleiter Albert Maria Forster und SS-Obergruppenführer Arthur Greiser.
Der Nachlass und seine Seltenheit
Dieser Ordensnachlass umfasst neben dem Danziger Kreuz 1. Klasse und dem Traditions-Gauabzeichen eine Ordensschnalle mit drei Auszeichnungen, ein frühes NSDAP-Mitgliedsabzeichen in emaillierter Ausführung vor 1933, ein SA-Sportabzeichen in Bronze sowie ein Deutsches Turn- und Sportabzeichen. Ergänzt wird der Nachlass durch zwei Portraitfotos von Willi Freude – eines als SA-Obersturmführer im Braunhemd, das andere als Ortsgruppenleiter mit allen Auszeichnungen – sowie durch dokumentarische Kopien bezüglich seiner Ernennung zum Amtskommissar Kreis Konitz, datiert 1942 und 1944.
Ordensnachlässe von NSDAP-Funktionären aus Danzig sind von äußerster Seltenheit. Bei der Flucht in den Westen im Jahr 1945 wurden nur die wenigsten Stücke mitgenommen; die meisten wurden vernichtet. In den frühen 1960er Jahren wurden in Deutschland Nachprägungen des Danziger Kreuzes 1. Klasse hergestellt. Alle Auszeichnungen der NS-Zeit wurden nach der deutschen Niederlage 1945 verboten, und das Danziger Kreuz gehörte nicht zu den Dekorationen, die von der Bundesrepublik Deutschland 1957 zum erneuten Tragen zugelassen wurden.