Polizei-Felddivision Feldbluse für einen Polizei Hauptwachtmeister 

Um 1943, Kammerstück, Feldbluse im Wehrmachtsschnitt, in feldgrauem Polizeituch. Bevo gewebter Ärmeladler, Einheitskragenspiegel maschinell vernäht, Schulterstücke zum einnähen. Innen mit Seidenfutter, Größenangabe, Abnahmestempel ".... 1943". Maße: Schulterbreite ca. 45 cm, Armlänge-Außen ca. 61 cm, Gesamtlänge ca. 66 cm. Zustand 1-2.
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Polizei-Felddivision Feldbluse für einen Polizei Hauptwachtmeister 

Die Polizei-Felddivision war eine der bemerkenswertesten militärischen Formationen des Zweiten Weltkriegs, die die Verschmelzung von polizeilichen und militärischen Strukturen im nationalsozialistischen Deutschland verkörperte. Die vorliegende Feldbluse für einen Polizei-Hauptwachtmeister aus dem Jahr 1943 dokumentiert diese einzigartige Organisationsform und ihre charakteristische Uniformierung.

Die Polizei-Felddivision wurde im Oktober 1939 unter dem Kommando von Generalmajor der Polizei Willy Schmelcher aufgestellt. Ursprünglich als Polizei-Division bezeichnet, wurde sie später in SS-Polizei-Division umbenannt. Diese Formation bestand hauptsächlich aus Angehörigen der Ordnungspolizei und kämpfte an verschiedenen Fronten, unter anderem in Polen, Frankreich und an der Ostfront. Die Einheit war organisatorisch dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler unterstellt, operativ jedoch der Wehrmacht.

Die vorliegende Feldbluse entspricht dem Wehrmachtsschnitt, was die enge militärische Integration dieser Polizeieinheiten widerspiegelt. Das feldgraue Polizeituch unterschied sich jedoch farblich von der regulären Wehrmacht-Uniform und signalisierte die besondere Stellung dieser Formation. Der Bevo-gewebte Ärmeladler, benannt nach der Barmer Verbandstoff-Fabrik, war eine hochwertige maschinelle Herstellungsmethode, die ab den 1930er Jahren für militärische Abzeichen verwendet wurde.

Der Rang eines Hauptwachtmeisters entsprach etwa einem Hauptfeldwebel in der Wehrmacht und war ein höherer Unteroffiziersrang. Die Einheitskragenspiegel, maschinell vernäht, sowie die zum Einnähen bestimmten Schulterstücke kennzeichneten Rang und Einheitszugehörigkeit. Das Jahr 1943, wie durch den Abnahmestempel dokumentiert, markiert eine Phase intensiver Kämpfe an der Ostfront, wo die Polizei-Divisionen besonders stark eingesetzt wurden.

Die aufwendige Verarbeitung mit Seidenfutter deutet auf eine Herstellung für einen Angehörigen des Führungskorps hin. Während einfache Mannschaftsuniformen oft mit einfacherem Kunstseidenfutter versehen waren, erhielten Unteroffiziere und Offiziere häufig höherwertige Ausstattungen. Diese Feldblusen wurden als Kammerstücke bezeichnet, wenn sie aus Beständen oder als persönliche Ausrüstung gefertigt wurden.

Die genaue Größenangabe und der Abnahmestempel belegen die sorgfältige Qualitätskontrolle, die trotz der zunehmenden Kriegsbelastung im Jahr 1943 noch durchgeführt wurde. Die Maße – eine Schulterbreite von etwa 45 cm, eine Armlänge von 61 cm und eine Gesamtlänge von 66 cm – entsprechen den damaligen Standardgrößen für mittelgroße Männer.

Die Polizei-Felddivisionen spielten eine kontroverse Rolle während des Krieges. Während sie formal als militärische Einheiten kämpften, waren ihre Angehörigen Teil des Polizeiapparats des NS-Regimes. Die Einheiten waren an schweren Kampfhandlungen beteiligt, insbesondere während der Schlacht um Leningrad und später bei den Rückzugsgefechten in Griechenland und dem Balkan.

Die Uniformierung der Polizei-Felddivisionen durchlief mehrere Entwicklungsphasen. Anfangs trugen die Angehörigen modifizierte Polizeiuniformen, später wurden diese zunehmend durch wehrmachtsähnliche Feldblusen ersetzt, die jedoch die charakteristischen Polizei-Kragenspiegel und Abzeichen behielten. Diese Entwicklung spiegelt die zunehmende Militarisierung der Polizeiverbände wider.

Der hervorragende Erhaltungszustand dieser Feldbluse ermöglicht wichtige Einblicke in die Textilverarbeitung und Uniformherstellung des Jahres 1943. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Materialknappheit und Produktionsvereinfachungen spürbar, dennoch zeigt dieses Exemplar noch die hohe Qualität der deutschen Uniformschneiderkunst.

Heute stellen solche Uniformstücke wichtige historische Quellen dar, die über die materielle Kultur, die Organisationsstrukturen und die militärische Ausrüstung des Zweiten Weltkriegs Aufschluss geben. Sie dokumentieren die komplexe Verflechtung von Polizei-, SS- und Wehrmachtsstrukturen im nationalsozialistischen Herrschaftssystem.