Preußen 1. Weltkrieg Waffenrock zur feldgrauen Friedensuniform M1915 für einen Oberleutnant im 1. Garde-Dragoner-Regiment Königin Viktoria von Großbritannien und Irland

Heimatstandort Berlin. Eigentumsstück um 1915/16. Der Waffenrock aus feldgrauem Stoff mit roten Vorstößen, Ärmelaufschlägen und Stehkragen, am Kragen und den Ärmelaufschlägen die Gardelitzen aus vergoldeter Metallfadenstickerei (die Vergoldung mit der Zeit wie so oft vergangen), vernickelte Knöpfe. Auf den Schultern eingenäht die Schulterstücke M1915 mit roter Nebenfarbe auf blauem Grund und der aufgelegten Chiffre «VR», für den Oberleutnant mit je einem Rangstern. Auf der linken Brust mit sieben Schlaufen für Orden/Ehrenzeichen. Innen mit olivgrünem Seidenfutter. In sehr schönem Erhaltungszustand. Zustand 2+.
Extrem selten !
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8.500,00

Preußen 1. Weltkrieg Waffenrock zur feldgrauen Friedensuniform M1915 für einen Oberleutnant im 1. Garde-Dragoner-Regiment Königin Viktoria von Großbritannien und Irland

Der Waffenrock zur feldgrauen Friedensuniform M1915 des 1. Garde-Dragoner-Regiments Königin Viktoria von Großbritannien und Irland repräsentiert eine bedeutende Übergangsphase in der preußischen Militäruniformen während des Ersten Weltkriegs. Dieses Regiment, mit Heimatstandort in Berlin, gehörte zu den prestigeträchtigsten Kavallerie-Einheiten der preußischen Armee und trug seine Bezeichnung zu Ehren der britischen Königin Viktoria, die gleichzeitig Kaiserin Friedrich, die Witwe Kaiser Friedrichs III., war.

Die Einführung der feldgrauen Uniform im Jahr 1915 markierte einen radikalen Wandel in der militärischen Bekleidung. Während zu Kriegsbeginn 1914 noch die traditionellen bunten Friedensuniformen getragen wurden, erzwang die Realität des modernen Krieges mit seiner zunehmenden Bedeutung von Tarnung und praktischer Funktionalität eine Neuorientierung. Die feldgraue Farbe bot besseren Schutz vor feindlicher Beobachtung, während gleichzeitig traditionelle Distinktionsmerkmale der einzelnen Regimenter beibehalten wurden.

Die roten Vorstöße, Ärmelaufschläge und der Stehkragen des beschriebenen Waffenrocks verweisen auf die Waffengattung der Dragoner und die besondere Stellung als Garderegiment. Die Gardelitzen aus vergoldeter Metallfadenstickerei am Kragen und den Ärmelaufschlägen waren charakteristisch für alle preußischen Garde-Einheiten und dienten als sofort erkennbares Distinktionsmerkmal. Diese aufwendigen Stickereien wurden in präzisen Mustern ausgeführt und zeugten von der handwerklichen Qualität der Uniformfertigung jener Zeit.

Die Schulterstücke M1915 mit roter Nebenfarbe auf blauem Grund repräsentieren eine wichtige Neuerung der Uniformreform. Der blaue Grund war traditionell den Dragonern zugeordnet, während die rote Nebenfarbe auf die spezifische Regimentszugehörigkeit hinwies. Die aufgelegte Chiffre “VR” (Victoria Regina) ehrte die Namenspatronin des Regiments. Der einzelne Rangstern auf jedem Schulterstück kennzeichnete den Rang eines Oberleutnants, der in der preußischen Armee der zweite Offiziersrang nach dem Leutnant war.

Besonders bemerkenswert sind die sieben Schlaufen für Orden und Ehrenzeichen auf der linken Brust. Diese ermöglichten das Tragen von Auszeichnungen in Form von Ordensspangen bei der Friedensuniform, eine Praxis, die sich während des Krieges zunehmend verbreitete. Die Anzahl der Schlaufen deutet darauf hin, dass der Träger für den Empfang mehrerer Auszeichnungen vorbereitet war, was bei einem Offizier der Garde durchaus üblich war.

Das olivgrüne Seidenfutter im Inneren des Waffenrocks zeugt von der hohen Qualität dieser Uniform. Seide war ein teures Material und wurde vornehmlich bei Offiziersuniformen verwendet, die in der Regel als Eigentumsstücke von den Offizieren selbst angeschafft werden mussten. Dies unterschied sie von den Mannschaftsuniformen, die aus Heeresbeständen ausgegeben wurden.

Das 1. Garde-Dragoner-Regiment wurde 1815 gegründet und entwickelte sich zu einer der elitärsten Kavallerie-Einheiten Preußens. Die Verbindung zu Großbritannien durch die Namensgebung spiegelte die dynastischen Beziehungen zwischen dem preußisch-deutschen und dem britischen Königshaus wider – eine Beziehung, die durch den Ersten Weltkrieg tragisch zerrissen wurde. Trotz des Kriegszustandes zwischen Deutschland und Großbritannien behielt das Regiment seine traditionelle Bezeichnung bei.

Die Fertigung solcher Uniformen um 1915/16 erfolgte noch in hoher handwerklicher Qualität, obwohl die kriegsbedingte Materialknappheit bereits spürbar wurde. Die vernickelten Knöpfe ersetzten zunehmend die früheren vergoldeten oder versilberten Varianten, da Buntmetalle für die Kriegsproduktion benötigt wurden. Die Tatsache, dass die Vergoldung der Gardelitzen im Laufe der Zeit vergangen ist, ist ein typisches Phänomen bei historischen Uniformstücken und beeinträchtigt nicht ihren historischen Wert.

Der Waffenrock repräsentiert die Spannung zwischen Tradition und Moderne, die die preußische Armee während des Ersten Weltkriegs kennzeichnete. Während man sich den Erfordernissen des modernen Krieges anpassen musste, hielt man gleichzeitig an den traditionellen Distinktionsmerkmalen und der zeremoniellen Würde der Uniform fest. Diese Friedensuniform wurde bei Garnisonsdiensten, Paraden und repräsentativen Anlässen getragen, während im Feld die praktischere Felduniform zum Einsatz kam.

Als Sachzeugnis einer untergegangenen militärischen Welt besitzt dieser Waffenrock außerordentlichen historischen Wert. Er dokumentiert nicht nur die Uniformierungsgeschichte der preußischen Armee, sondern auch die soziale Stellung der Offiziersklasse und die Bedeutung von Tradition und Hierarchie im wilhelminischen Deutschland. Die extreme Seltenheit solcher gut erhaltenen Stücke macht sie zu wichtigen Objekten für die militärhistorische Forschung und museale Sammlungen.