Preußen Kindersäbel in Form eines Ulanen-Extrasäbels .

Vernickeltes Eisengefäß mit Rochenhautgriff, ohne Drahtwicklung, leicht gekrümmte Klinge mit Hohlkehle, am Ort gerundet,  schwarz lackierte Stahlscheide mit einem Tragering, leichte Altersspuren, sonst aber gut erhalten. Zustand 2

Gesamtlänge etwa 700mm
497938
300,00

Preußen Kindersäbel in Form eines Ulanen-Extrasäbels .

Dieser preußische Kindersäbel in Form eines Ulanen-Extrasäbels repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Militärgeschichte und der Tradition militärischer Erziehung. Das vorliegende Exemplar mit vernickeltmem Eisengefäß, Rochenhautgriff und schwarz lackierter Stahlscheide verkörpert die charakteristische Handwerkskunst des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Die Ulanen, ursprünglich polnische leichte Kavallerie, wurden im 18. Jahrhundert in die preußische Armee integriert und entwickelten sich zu einer prestigeträchtigen Waffengattung. Der Extrasäbel war dabei eine besondere Variante der Ulanensäbel, die sich durch ihre charakteristische Form und Ausstattung auszeichnete. Die leicht gekrümmte Klinge mit Hohlkehle und der am Ort gerundete Abschluss entsprechen den typischen Merkmalen dieser Säbelform.

Kindersäbel dieser Art entstanden im Kontext der militärischen Erziehung des preußischen Bürgertums und Adels. Sie dienten nicht als Spielzeug, sondern als Erziehungsinstrumente zur Vermittlung militärischer Werte und preußischer Tugenden. Oft wurden sie zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen, Konfirmationen oder beim Eintritt in Kadettenanstalten überreicht.

Die Verarbeitung mit Rochenhaut (Galuchat) am Griff war ein Qualitätsmerkmal, das auch bei den originalen Offizierssäbeln Verwendung fand. Diese Technik, bei der die körnige Haut des Rochens als Griffbelag diente, bot nicht nur praktische Vorteile durch bessere Griffigkeit, sondern verlieh dem Säbel auch eine edle Optik. Das vernicklte Eisengefäß mit seinem charakteristischen Korb schützte die Hand und folgte den Vorschriften der preußischen Militärreglements.

Die Gesamtlänge von etwa 700mm macht deutlich, dass es sich um eine maßstabsgetreue Verkleinerung des originalen Ulanen-Extrasäbels handelt, der normalerweise eine Länge von etwa 950-1000mm aufwies. Diese Proportionen ließen es zu, dass Kinder den Umgang mit der Waffe erlernen konnten, ohne überfordert zu werden.

Solche Kindersäbel wurden hauptsächlich zwischen 1870 und 1918 hergestellt, der Blütezeit des deutschen Kaiserreichs. Sie spiegeln die gesellschaftlichen Werte dieser Epoche wider, in der militärische Tugenden als bürgerliche Ideale galten und die Vorbereitung auf den Militärdienst bereits in der Kindheit begann.