Preußen Satz 6 silberne Mokkalöffel aus dem Besitz von Major Danz im 4. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 136
Dieser Satz von sechs silbernen Mokkalöffeln aus der Zeit um 1900 repräsentiert ein faszinierendes Beispiel für die Offizierskultur und das gesellschaftliche Leben in der kaiserlichen deutschen Armee während der wilhelminischen Ära. Die Löffel stammen aus dem persönlichen Besitz eines Majors Danz (wobei die Gravur möglicherweise “Lanz” lautet) im 4. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 136.
Das Infanterie-Regiment Nr. 136 wurde im Jahr 1897 als Teil der preußischen Heeresreform aufgestellt und gehörte zur 33. Division des XVI. Armeekorps. Die Bezeichnung “4. Lothringisches” verwies auf die territoriale Zugehörigkeit zum Reichsland Elsaß-Lothringen, das nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zum Deutschen Kaiserreich gehörte. Die Garnison des Regiments befand sich in Metz, einer der wichtigsten Festungsstädte des Reiches. Das Regiment bestand aus drei Bataillonen und war Teil der verstärkten militärischen Präsenz in dieser strategisch bedeutsamen Grenzregion.
Die silbernen Mokkalöffel tragen die gekrönte Regimentschiffre “IR 136” und sind mit dem Feingehaltsstempel “800” sowie den Reichsstempeln Halbmond und Krone versehen. Diese Punzierung war charakteristisch für deutsches Silber nach dem Gesetz betreffend den Feingehalt der Gold- und Silberwaren von 1884, das die Kennzeichnungspflicht für Edelmetalle im Deutschen Reich regelte. Der Halbmond kennzeichnete dabei die Reichssilberware, während die Krone für den garantierten Feingehalt stand.
Solche personalisierten Tafelsilber-Sets waren im Offizierskorps der kaiserlichen Armee weit verbreitet und erfüllten mehrere Funktionen. Zum einen dienten sie dem praktischen Zweck bei gesellschaftlichen Anlässen im Offizierskasino, wo das gemeinsame Speisen und die Pflege der Kameradschaft eine zentrale Rolle spielten. Das Kasino war nicht nur ein Ort der Verpflegung, sondern auch ein wichtiger sozialer Raum, in dem Traditionen gepflegt, militärische Angelegenheiten besprochen und Beziehungen zwischen den Offizieren verschiedener Dienstgrade gefestigt wurden.
Die Anfertigung solcher persönlicher Silberwaren mit Regimentsinsignien war Ausdruck des Korpsgeistes und der tiefen Verbundenheit mit der militärischen Einheit. Für einen Major, der als Stabsoffizier eine bedeutende Position im Regiment innehatte, war der Besitz repräsentativer Tafelsilber sowohl standesgemäß als auch erwartet. Die Mokkakultur selbst war im späten 19. Jahrhundert in den höheren gesellschaftlichen Kreisen Deutschlands fest etabliert, nachdem der Kaffeegenuss sich von einem Luxusgut zu einem alltäglichen Getränk auch in militärischen Kreisen entwickelt hatte.
Die Tatsache, dass die Löffel rückseitig mit dem Namen des Besitzers graviert sind, unterstreicht ihren persönlichen Charakter und sollte wohl auch Verwechslungen im Kasino vorbeugen. Die Gravur war zudem Ausdruck individueller Besitzansprüche in einem Umfeld, wo kollektive Identität und persönlicher Status gleichermaßen wichtig waren.
Das 4. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 136 nahm am Ersten Weltkrieg teil und war an verschiedenen Fronten eingesetzt. Nach der deutschen Niederlage 1918 und der Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich wurde das Regiment aufgelöst. Die territoriale Neuordnung bedeutete das Ende der lothringischen Regimenter der preußischen Armee.
Objekte wie diese Mokkalöffel sind heute wichtige militärhistorische Zeugnisse, die Einblick in die Alltagskultur und die soziale Ordnung des Offizierskorps geben. Sie dokumentieren nicht nur die materielle Kultur der wilhelminischen Ära, sondern auch die Werte von Ehre, Tradition und Standesbewusstsein, die das preußisch-deutsche Offizierskorps prägten. Die handwerkliche Qualität und die sorgfältige Ausführung der Regimentsinsignien zeugen von der Bedeutung, die solchen Gegenständen beigemessen wurde. Sie waren mehr als bloße Gebrauchsgegenstände – sie waren Symbole der Zugehörigkeit zu einer Elite und zu einer spezifischen militärischen Tradition, die mit dem Ende des Kaiserreichs 1918 unwiederbringlich verloren ging.