Preußen feldgraue Schirmmütze aus dem persönlichen Besitz Kaiser Wilhelm II. Generalfeldmarschall der Bayerischen Armee

um 1916/17. Elegante hohe steife Tellerform. Feldgraues Tuch in besonders feiner Offiziersqualität, roter Mützenbund und Paspelierung, komplett mit beiden Kokarden in feiner Offiziersausführung, feldgrauer steifer Mützenschirm aus Vulkanfiber. Innen mit hellem Schweißleder mit weißem Seidenbanddurchzug. Weißes Seidenfutter mit gold gedrucktem Trägermonogramm Kaiserkrone über "W", Größe 57. Nur minimal getragen in wunderschönem Zustand.
Ein einmaliges Stück ! Preis auf Anfrage.
491738

Preußen feldgraue Schirmmütze aus dem persönlichen Besitz Kaiser Wilhelm II. Generalfeldmarschall der Bayerischen Armee

Diese feldgraue Schirmmütze aus der Zeit des Ersten Weltkriegs repräsentiert ein außergewöhnliches Zeugnis der militärischen Uniformgeschichte des Deutschen Kaiserreichs. Die Mütze verkörpert die einzigartige Stellung Kaiser Wilhelms II. als Generalfeldmarschall der Bayerischen Armee, einen Rang, den er neben seinen preußischen Kommandos innehatte und der die komplexe föderale Struktur des Kaiserreichs widerspiegelte.

Die Einführung der feldgrauen Uniform markierte einen bedeutenden Wendepunkt in der deutschen Militärgeschichte. Während das 19. Jahrhundert von bunten, dekorativen Uniformen geprägt war, erzwang die Realität des modernen Krieges mit seinen Maschinengewehren, der Artillerie und der Luftaufklärung einen radikalen Wandel. Die preußische Armee begann bereits 1907-1910 mit der schrittweisen Einführung feldgrauer Uniformen, die im Gegensatz zu den traditionellen dunkelblauen Röcken und bunten Aufschlägen standen. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 wurde diese Umstellung beschleunigt, und bis 1915/16 war feldgrau die Standard-Felduniform aller deutschen Truppen.

Die vorliegende Mütze stammt aus der Periode um 1916/17, einer Zeit, als die Materialknappheit noch nicht die drastischen Auswirkungen späterer Kriegsjahre zeigte. Die Offiziersqualität ist an mehreren Merkmalen erkennbar: dem feineren Tuchtextil, der präzisen Verarbeitung und insbesondere den hochwertigen Kokarden. Die beiden Kokarden – die schwarz-weiß-rote Reichskokarde und die weiß-blaue bayerische Kokarde – waren nach der Allerhöchsten Kabinettsorder (AKO) von 1897 vorgeschrieben und zeigten die duale Loyalität der süddeutschen Kontingente im Kaiserreich.

Die rote Paspelierung und der rote Mützenbund sind von besonderer Bedeutung. In der preußischen und deutschen Armee kennzeichnete Rot den Generalstab und die höchsten Dienstgrade. Während der Friedenszeit trugen Generäle oft aufwendig dekorierte Mützen, aber im Feld wurde auch von ihnen die praktischere feldgraue Ausführung erwartet, wenn auch in überlegener Qualität. Der steife Mützenschirm aus Vulkanfiber war charakteristisch für diese Periode und bot eine haltbare Alternative zu Leder.

Die Konstruktion als “hohe steife Tellerform” entspricht der klassischen Schirmmützenform der Kaiserzeit, die sich von den späteren, flacheren Modellen der Weimarer Republik und des Dritten Reichs unterschied. Diese Form vermittelte Autorität und militärische Präsenz und wurde besonders von höheren Offizieren bevorzugt.

Das innere Seidenfutter mit dem goldgeprägten Trägermonogramm – eine Kaiserkrone über dem Initial “W” – war ein charakteristisches Merkmal persönlicher Ausstattungsstücke des Kaisers. Wilhelm II. (1859-1941, regierte 1888-1918) war bekannt für seine Liebe zu militärischen Uniformen und besaß eine umfangreiche Garderobe für seine zahlreichen militärischen Positionen. Als Deutscher Kaiser und König von Preußen war er automatisch Oberbefehlshaber der preußischen Streitkräfte, hielt aber auch Ehrenränge in den Armeen der anderen deutschen Bundesstaaten.

Seine Ernennung zum bayerischen Generalfeldmarschall war Teil der diplomatischen und militärischen Tradition des föderalen Kaiserreichs. Bayern hatte als zweitgrößter Bundesstaat eine eigene Armee mit eigenen Traditionen, Uniformen und Kommandostrukturen beibehalten, die erst im Kriegsfall unter preußisches Oberkommando gestellt wurde. Die gegenseitige Verleihung von Ehrenrängen zwischen den Herrscherhäusern diente der Aufrechterhaltung der föderalen Harmonie.

Die Größe 57 entspricht einem Kopfumfang von etwa 57 Zentimetern, was für die damalige Zeit durchschnittlich war. Die Verwendung von hellem Schweißleder und weißem Seidenbanddurchzug zeigt die hohe Qualität und den Komfort, der für kaiserliche Ausstattungsstücke erwartet wurde.

Der angegebene minimale Tragezustand ist bemerkenswert und könnte darauf hinweisen, dass Wilhelm II. diese spezielle Mütze nur für bestimmte zeremonielle Anlässe oder Inspektionen verwendete. Während des Ersten Weltkriegs verbrachte der Kaiser viel Zeit im Großen Hauptquartier, wo er verschiedene Uniformen für unterschiedliche Gelegenheiten benötigte – von der praktischen Felduniform für Frontbesuche bis zu repräsentativeren Stücken für Besprechungen und offizielle Anlässe.

Die Erhaltung solcher persönlicher Gegenstände des letzten deutschen Kaisers ist von immenser historischer Bedeutung. Nach seiner Abdankung im November 1918 und dem Exil in den Niederlanden wurden viele seiner persönlichen Besitztümer zerstreut. Authentische, dokumentierte Stücke aus seinem Besitz sind daher von außerordentlichem historischem und sammlerischem Wert und bieten einzigartige Einblicke in die materielle Kultur der untergehenden Monarchie.