SS-Erinnerungsteller "Julfest 1943" für die Angehörigen der Gefallenen der Division "Das Reich"

Holz, Durchmesser ca. 19 cm. Aus dem Besitz der Familie des SS-Rottenführers Hans Müller im SS-Art.Rgt "Das Reich", Feldpost-Nr. 12626. Dabei Kennkarte mit Passfoto von 1939, Personenausweis der Deutschen Reichsbahn von 1939, Karteikarte des Reichssportwettkampf der Hitler-Jugend 1939, 3 Sieger-Urkunden des Sportfestes der Hitlerjugend des Stammes V/75, Schreiben der Dienststelle SS-Obersturmführer und Battr.-Führer vom 13.Dezember 1941, handschriftliche Nachricht eines SS-Untersturmführers u. Adjutant II./SS-Art-Rgt. vom 6.2.42 bezüglich des Todes des Kradmelde-Staffelführers Müller.
465338
550,00

SS-Erinnerungsteller "Julfest 1943" für die Angehörigen der Gefallenen der Division "Das Reich"

Der SS-Erinnerungsteller “Julfest 1943” stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Gedenkkultur innerhalb der Waffen-SS dar, insbesondere der SS-Division “Das Reich”. Diese Gedächtnisteller wurden an die Angehörigen gefallener SS-Soldaten ausgegeben und spiegeln die ideologische Durchdringung des Totengedenkens im NS-Regime wider.

Die SS-Division “Das Reich” wurde ursprünglich als SS-Verfügungstruppe aufgestellt und gehörte zu den ersten motorisierten Verbänden der Waffen-SS. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs entwickelte sie sich zu einer der größten und bekanntesten SS-Divisionen. Der hier genannte SS-Rottenführer Hans Müller diente im SS-Artillerie-Regiment “Das Reich” mit der Feldpostnummer 12626, was eine präzise Zuordnung seiner Einheit ermöglicht.

Die begleitenden Dokumente zeichnen einen detaillierten Lebensweg nach: Die Kennkarte von 1939 dokumentiert die bürokratische Erfassung im nationalsozialistischen Staat. Der Personenausweis der Deutschen Reichsbahn deutet auf eine frühere Beschäftigung im Verkehrswesen hin. Besonders aufschlussreich sind die Dokumente der Hitler-Jugend aus dem Jahr 1939, darunter die Karteikarte des Reichssportwettkampfes und drei Siegerurkunden des Sportfestes vom Stamm V/75. Diese belegen die systematische vormilitärische Erziehung und körperliche Ertüchtigung der Jugend im NS-Staat.

Von besonderer historischer Bedeutung sind die militärischen Schriftstücke: Das Schreiben eines SS-Obersturmführers und Batterie-Führers vom 13. Dezember 1941 datiert in die Zeit der Schlacht um Moskau, als die Division “Das Reich” an der Ostfront schwere Verluste erlitt. Die handschriftliche Nachricht eines SS-Untersturmführers und Adjutanten vom 6. Februar 1942 teilt den Tod des Kradmelde-Staffelführers Müller mit. Kraftradmeldefahrer spielten eine entscheidende Rolle in der militärischen Kommunikation, besonders unter den extremen Bedingungen des Winterfeldzugs 1941/42.

Das Julfest war ein zentraler Bestandteil der NS-Ersatzreligiosität. Die Nationalsozialisten versuchten, christliche Traditionen durch germanisch-heidnische Feiern zu ersetzen. Das Julfest sollte das Weihnachtsfest verdrängen und wurde besonders in SS-Kreisen zelebriert. Die Ausgabe von Gedenktellern zum Julfest 1943 erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die militärische Lage zunehmend kritisch wurde und die Verluste an allen Fronten dramatisch anstiegen.

Diese Erinnerungsteller aus Holz mit einem Durchmesser von etwa 19 Zentimetern wurden in verschiedenen Ausführungen hergestellt. Sie dienten der Hinterbliebenenbetreuung und sollten gleichzeitig die ideologische Bindung der Familien an die SS aufrechterhalten. Das Jahr 1943 markierte einen Wendepunkt: Nach der Niederlage von Stalingrad und den schweren Kämpfen in der Sowjetunion nahm die Zahl der Gefallenen massiv zu. Die Division “Das Reich” war 1943 unter anderem an der Schlacht um Charkow und später im Unternehmen Zitadelle bei Kursk beteiligt.

Die Provenienz dieses Ensembles – aus dem Besitz der Familie eines 1942 gefallenen SS-Angehörigen – macht es zu einem authentischen Zeugnis der Zeit. Die Kombination aus dem Gedenkteller von 1943 und den persönlichen Dokumenten des 1942 Gefallenen illustriert die NS-Praxis der posthumen Ehrung. Der zeitliche Abstand von etwa einem Jahr zwischen Tod und Ausgabe des Tellers entspricht den üblichen Verwaltungsabläufen der Hinterbliebenenbetreuung.

Aus militärhistorischer Perspektive dokumentiert dieses Ensemble den Weg eines jungen Mannes von der Hitler-Jugend über die Reichsbahn zur Waffen-SS. Es zeigt die Mobilisierung der Gesellschaft, die vormilitärische Ausbildung und schließlich den Einsatz und Tod an der Ostfront. Solche persönlichen Nachlässe sind für die Forschung von unschätzbarem Wert, da sie individuelle Schicksale jenseits der großen militärischen Operationen dokumentieren.

Die historische Bewertung solcher Objekte muss die verbrecherische Natur des NS-Regimes und insbesondere der SS berücksichtigen. Die Division “Das Reich” war an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt, darunter das Massaker von Oradour-sur-Glane 1944. Dennoch besitzen solche Objekte als Quellen zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs erhebliche wissenschaftliche Bedeutung für das Verständnis der NS-Herrschaft, ihrer Institutionen und ihrer Auswirkungen auf individuelle Lebensläufe.