Südwestafrika Denkmünze für Nichtkämpfer

verliehene Ausführung aus Stahl, mit Stempelschneider Schulz, am alten Band, Zustand 2-.
501638
200,00

Südwestafrika Denkmünze für Nichtkämpfer

Die Südwestafrika-Denkmünze für Nichtkämpfer repräsentiert ein bedeutendes, wenn auch zutiefst problematisches Kapitel deutscher Kolonialgeschichte. Diese Auszeichnung wurde am 19. März 1907 von Kaiser Wilhelm II. gestiftet, um den Dienst während der Niederschlagung der Herero- und Nama-Aufstände in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, anzuerkennen. Der Anspruchszeitraum erstreckte sich vom Januar 1904 bis zum 31. März 1907, und im Jahr 1908 wurde der Kreis der Anspruchsberechtigten auf Teilnehmer der Kalahari-Expedition erweitert.

Die koloniale Auseinandersetzung wurde unter dem Kommando von Generalleutnant Lothar von Trotha mit extremer Brutalität geführt und wird heute als Völkermord an den Herero und Nama anerkannt, eine Tatsache, die die deutsche Bundesregierung im Jahr 2021 offiziell anerkannt hat. Diese historische Einordnung verleiht solchen Objekten eine besondere Bedeutung als materielle Zeugen dieser Geschichte. Für Sammler und Militärhistoriker ist eine kritische Betrachtung dieser Auszeichnung unerlässlich, da sie nicht nur deutsche Kolonialgeschichte dokumentiert, sondern auch symbolisch ein System kolonialer Unterdrückung und Gewalt repräsentiert.

Die Medaille existierte in zwei unterschiedlichen Ausführungen. Die Version für Kämpfer wurde aus Bronze gefertigt und trägt auf der Rückseite die Inschrift DEN SIEGREICHEN STREITERN sowie zwei gekreuzte Schwerter. Für diese Version waren 16 verschiedene Gefechtsschnallen autorisiert. Die hier beschriebene Version für Nichtkämpfer hingegen wurde aus Stahl hergestellt und zeigt auf der Rückseite statt der Schwerter einen Lorbeerzweig mit der Inschrift VERDIENST UM DIE EXPEDITION. Für die Nichtkämpfer-Version waren keine Gefechtsschnallen autorisiert.

Das Medaillendesign wurde von Kaiser Wilhelm II. selbst konzipiert. Die Vorderseite zeigt den nach links gewandten Kopf der Germania mit geflügeltem Helm. Links ist die gebogene Inschrift SUEDWEST AFRIKA zu lesen, rechts etwas tiefer 1904-06. Die Rückseite präsentiert im Zentrum die Kaiserkrone mit Bändern auf beiden Seiten, darunter ein gotisches W mit römischen Ziffern I auf beiden Seiten des Mittelstrichs, was Wilhelm II. repräsentiert. Original verliehene Stücke tragen die sehr kleine Signatur SCHULTZ im Halsabschnitt, während Nachprägungen und Ersatzstücke diese Signatur nicht aufweisen. Die Stempel wurden von Otto Schultz geschnitten, der 1902 Erster Medailleur an der Königlich Preußischen Münze in Berlin wurde.

Die runde Medaille verfügt über einen verbreiterten oberen Rand mit einer Öse für einen kleinen Ring, der am Bandring befestigt ist. Original verliehene Stücke weisen eine charakteristische V-förmige Querstange im Buchstaben A auf. Das vorliegende Objekt wird als verliehene Ausführung aus Stahl mit der Stempelschneidersignatur Schulz am alten Band beschrieben.

Anspruchsberechtigt für die Nichtkämpfer-Version waren Angehörige der Schutztruppe, die an Vorbereitung, Organisation und Einsatz der Südwestafrika-Streitkräfte teilnahmen, Besatzungsmitglieder von Schiffen, die ausschließlich mit dem Transport von Truppen und Kriegsmaterial befasst waren, sowie Zivilisten wie Postbeamte, Missionare, Ärzte, medizinisches Personal, Kaufleute, Siedler und Mitglieder von Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz, die militärische Operationen unterstützten.

Ein bemerkenswerter historischer Fall ist die Verleihung der Bronzeversion an 105 Mitglieder der Cape Police aus der Kapkolonie im Januar 1909 mit der Schnalle Kalahari 1907, nachdem sie an der abschließenden Verfolgung des Nama-Führers Jakob Marengo im September 1907 beteiligt waren. Dies war der einzige Fall, in dem eine deutsche Kaisermedaille en bloc an eine britische Truppe verliehen wurde.

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 entfernten südafrikanische Träger die Medaille von ihren Uniformen. Heute sind authentische Exemplare auf dem Sammlermarkt relativ selten. Die Bewertung hängt von Zustand, Vollständigkeit, insbesondere dem Vorhandensein des Originalbandes, und der Provenienz ab. Die kritische historische Bewertung dieser Auszeichnung bleibt für zeitgenössische Betrachter von zentraler Bedeutung.