Preußen Pickelhaube für Unteroffiziere im Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10, 3. Batterie

Standort Hannover, um 1892/1900. Kammerstück, schwerer Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen. Der Helmadler einteilig geprägt mit Bandeau "Peninsula Waterloo Göhrde". Gewölbte Schuppenketten an eisernen Schrauben, rechts mit preußischer Kokarde (die Reichskokarde wurde erst 1897 eingeführt). Innen gelaschtes Lederfutter, im Nackenschirm mit Kammerstempel "1882, 1900" , "3te B" (= 3. Batterie) und "2". Getragenes Stück in gutem Zustand. Ein schöner Helm.
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1.700,00

Preußen Pickelhaube für Unteroffiziere im Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10, 3. Batterie

Die preußische Pickelhaube für Unteroffiziere des Feldartillerie-Regiments von Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10 repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Militärgeschichte im ausgehenden 19. Jahrhundert. Dieses spezifische Exemplar aus der 3. Batterie, stationiert in Hannover, stammt aus der Zeit zwischen 1892 und 1900 und dokumentiert sowohl die preußische Militärtradition als auch die Integration der hannoverschen Einheiten in die preußische Armee nach 1866.

Das Feldartillerie-Regiment Nr. 10 trug den Ehrennamen des preußischen Generals Gerhard von Scharnhorst (1755-1813), einem der bedeutendsten Heeresreformer Preußens. Als ehemals hannoversche Einheit bewahrte das Regiment seine historische Identität durch spezielle Traditionsabzeichen, die auf dem Helmadler erkennbar sind. Die Inschrift “Peninsula Waterloo Göhrde” auf dem Bandeau des Adlers erinnert an drei bedeutende Schlachten: den Peninsular-Krieg in Spanien (1808-1814), die Schlacht bei Waterloo (1815) und die Schlacht bei Göhrde (1813) während der Befreiungskriege gegen Napoleon.

Die Pickelhaube wurde 1842 in der preußischen Armee eingeführt und entwickelte sich zum charakteristischen Symbol des deutschen Militarismus. Der Name leitet sich von der markanten Spitze (“Pickel”) ab, die ursprünglich praktischen Zwecken dienen sollte, indem sie Hiebwaffen ablenkte. Im Laufe der Zeit wurde sie jedoch primär zu einem dekorativen und repräsentativen Element. Der hier beschriebene Helm ist ein Kammerstück, was bedeutet, dass er aus staatlichen Beständen stammte und dem Träger dienstlich zugeteilt wurde.

Die technischen Merkmale dieses Helms sind charakteristisch für die Zeit vor 1900. Der schwere Lederhelm besteht aus mehreren Lagen gepressten Leders, die mit Schellack behandelt wurden, um Festigkeit und Wasserbeständigkeit zu gewährleisten. Der einteilig geprägte Helmadler war typisch für Unteroffiziere; Offiziere trugen meist silberne oder vergoldete, mehrteilige Adler. Die gewölbten Schuppenketten an eisernen Schrauben dienten ursprünglich als Kinnschutz, wurden aber zunehmend nur noch zu zeremoniellen Zwecken hochgeklappt getragen.

Ein besonders interessantes Detail ist die rechts angebrachte preußische Kokarde. Dies datiert den Helm eindeutig vor die Einführung der Reichskokarde im Jahr 1897, als Kaiser Wilhelm II. anordnete, dass alle deutschen Truppen zusätzlich zur Landeskokarde die schwarz-weiß-rote Reichskokarde tragen sollten. Die Reichskokarde wurde auf der linken Seite angebracht, während die Landeskokarde rechts verblieb. Das Fehlen der Reichskokarde bei diesem Exemplar bestätigt seine Datierung in die Zeit vor oder unmittelbar nach dieser Reform.

Der Kammerstempel im Nackenschirm mit den Jahreszahlen “1882, 1900” dokumentiert die Wartungs- und Überprüfungszyklen des Helms. Solche Stempel wurden bei regelmäßigen Inspektionen angebracht und belegen die lange Nutzungsdauer militärischer Ausrüstung. Die Kennzeichnung “3te B” (3. Batterie) und die Nummer “2” dienten der organisatorischen Zuordnung innerhalb des Regiments und ermöglichten die eindeutige Identifizierung des Ausrüstungsstücks.

Das gelaschte Lederfutter im Inneren des Helms war typisch für Unteroffiziers- und Mannschaftshelme. Es bestand aus mehreren Lederstreifen, die sternförmig angeordnet waren und eine Luftzirkulation ermöglichten. Diese Konstruktion war weniger aufwendig als das gepolsterte Seidenfutter der Offiziershelme, erfüllte aber ihren Zweck der Stoßdämpfung und des Tragekomforts.

Die Artillerie-Einheiten trugen Pickelhauben mit spezifischen Kennzeichen, die sie von der Infanterie unterschieden. Während Infanteristen oft Helme mit Metallbeschlägen in Weiß (vernickeltes Messing) trugen, hatten Artilleristen häufig messingfarbene Beschläge. Die genaue Ausgestaltung variierte nach Regimentstyp und Dienstgrad.

Der Zustand dieses Helms als “getragenes Stück in gutem Zustand” macht ihn zu einem authentischen Zeugnis militärischer Alltagskultur. Anders als Paradestücke, die selten benutzt wurden, zeigen solche Helme die tatsächliche Verwendung im Dienst. Die Erhaltung aller Beschläge ist bemerkenswert, da diese oft im Laufe der Zeit verloren gingen oder ersetzt wurden.

Das Feldartillerie-Regiment Nr. 10 selbst wurde nach 1866 aus hannoverschen Verbänden formiert, nachdem das Königreich Hannover von Preußen annektiert worden war. Die Bewahrung hannoverscher Traditionen innerhalb der preußischen Armee war Teil der Integrationspolitik, die regionale Identitäten respektierte, während sie militärische Einheitlichkeit schuf. Dies spiegelt sich in den Ehrenbezeichnungen und historischen Bezügen auf dem Helm wider.

Heute sind solche Pickelhauben gesuchte Sammlerstücke, die wichtige Einblicke in die Militärgeschichte des Deutschen Kaiserreichs bieten. Sie dokumentieren nicht nur die technische Entwicklung militärischer Ausrüstung, sondern auch die organisatorischen Strukturen, Traditionen und die Entwicklung nationaler Symbolik im wilhelminischen Deutschland.