Württemberg Kavallerie Extradegen (KD) 89 .

Vernickelte Steckrückenklinge mit Schör, Hersteller "WK&C", vernickeltes Gefäß mit starrem Korb, brauner Kautschuk-Griff, vernickelte Scheide mit einem starren Tragering, gebraucht, sonst aber gut erhalten. Zustand 2-

Gesamtlänge etwa 1000mm
471439
€ 480,00

Württemberg Kavallerie Extradegen (KD) 89 .

Der Württembergische Kavallerie-Extradegen Modell 1889 stellt ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Ausrüstung des Königreichs Württemberg in der späten Kaiserzeit dar. Diese Waffe gehört zu jener Generation von Kavallerieschwertern, die in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden, als die europäischen Militärmächte ihre Bewaffnung modernisierten und standardisierten.

Das Königreich Württemberg, als drittgrößter Bundesstaat des Deutschen Kaiserreichs nach Preußen und Bayern, unterhielt eine eigene Armee mit eigenständigen Uniformen und Ausrüstungsgegenständen. Die württembergische Kavallerie bestand aus mehreren prestigeträchtigen Regimentern, darunter Ulanen-, Dragoner- und Husarenverbände. Der Extradegen (abgekürzt KD für Kavallerie-Degen) war eine zusätzliche oder alternative Waffe zur Standardausrüstung, die oft von Offizieren oder zu besonderen Anlässen getragen wurde.

Die Steckrückenklinge mit Schör (einer speziellen Klingenform mit verstärktem Rücken) war charakteristisch für deutsche Kavallerieblanken dieser Epoche. Diese Konstruktion vereinte Stabilität mit einer gewissen Flexibilität, was für den Kavallerieeinsatz von entscheidender Bedeutung war. Die Vernicklung der Klinge diente nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern bot auch einen verbesserten Korrosionsschutz gegenüber älteren, blank polierten Klingen.

Der Hersteller “WK&C” steht höchstwahrscheinlich für Weyersberg, Kirschbaum & Co., einen der bedeutendsten Solinger Klingenhersteller. Diese Firma, entstanden aus der Fusion mehrerer traditionsreicher Solinger Schmieden, belieferte nicht nur die preußische Armee, sondern auch andere deutsche Bundesstaaten sowie zahlreiche ausländische Militärs. Die Qualität Solinger Klingen war weltberühmt, und die Marke WK&C stand für handwerkliche Exzellenz und Zuverlässigkeit.

Das vernickelte Gefäß mit starrem Korb ist typisch für deutsche Kavallerieblanken der 1880er und 1890er Jahre. Der starre Korbgriff bot dem Reiter optimalen Handschutz im Gefecht, während die Vernicklung eine wartungsarme und wetterbeständige Oberfläche garantierte. Diese Konstruktion unterschied sich deutlich von den französischen und britischen Kavallerieschwertern derselben Periode, die oft offenere Bügelgefäße aufwiesen.

Der braune Kautschukgriff repräsentiert eine technologische Innovation des späten 19. Jahrhunderts. Kautschuk (vulkanisierter Gummi) ersetzte zunehmend traditionelle Materialien wie Leder oder Fischbein, da es rutschfester, haltbarer und witterungsbeständiger war. Die braune Färbung war Standard für militärische Anwendungen und bot einen guten Kontrast zum vernickelten Metall.

Die vernickelte Scheide mit einem starren Tragering komplettierte die Ausrüstung. Der starre Tragering ermöglichte die Befestigung am Wehrgehänge des Reiters, wobei die Konstruktion so gestaltet war, dass der Degen beim Reiten nicht störte, aber bei Bedarf schnell gezogen werden konnte. Die Gesamtlänge von etwa 1000mm entsprach den zeitgenössischen Standards für Kavallerieblanken, die einen Kompromiss zwischen Reichweite und Handhabbarkeit zu Pferde darstellen mussten.

In den 1880er und 1890er Jahren befand sich die Kavallerie in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Modernisierung. Während Feuerwaffen zunehmend an Bedeutung gewannen, hielt man an Blankwaffen fest, da man ihnen noch immer eine wichtige Rolle in Schocktaktiken und im Nahkampf zuschrieb. Der Extradegen KD 89 entstand in dieser Übergangsphase und verkörpert die letzten Jahrzehnte, in denen die Kavallerie noch als entscheidende Waffengattung galt.

Die württembergische Kavallerie nahm an allen wichtigen Manövern des Deutschen Kaiserreichs teil und sollte im Ersten Weltkrieg zunächst nach traditionellen Vorstellungen eingesetzt werden. Die Realität des modernen Krieges mit Maschinengewehren, Stacheldraht und Grabenkrieg machte jedoch den traditionellen Kavallerieinsatz weitgehend obsolet. Dennoch blieben Säbel und Degen Teil der Ausstattung und wurden zu Symbolen militärischer Tradition und Ehre.

Heute sind solche württembergischen Kavallerieblanken gesuchte Sammlerstücke, die Einblick in die militärische Kultur des Kaiserreichs bieten. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität deutscher Waffenschmieden, sondern auch die eigenständige militärische Tradition der deutschen Einzelstaaten vor der vollständigen Integration in die Reichswehr nach 1918.