Deutsches Kartell für Jagd- und Sportschießen ( KKS )

Abzeichen 4. Form - Ehrennadel in Silber, grün emailliert, an langer Nadel, Zustand 2.
291740
€ 200,00

Deutsches Kartell für Jagd- und Sportschießen ( KKS )

Das Deutsche Kartell für Jagd- und Sportschießen (KKS) stellt eine bedeutende Organisation in der Geschichte des deutschen Schießsportwesens dar, die in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen eine zentrale Rolle spielte. Die hier beschriebene Ehrennadel in Silber der 4. Form mit grüner Emaillierung repräsentiert die Auszeichnungspraxis dieser Institution und dokumentiert die organisatorische Struktur des Schießsportwesens in Deutschland während der 1920er und frühen 1930er Jahre.

Das KKS wurde nach dem Ersten Weltkrieg gegründet, als die deutsche Schießsportbewegung nach den Einschränkungen des Versailler Vertrags von 1919 neu organisiert werden musste. Der Vertrag hatte drastische Beschränkungen für militärische Aktivitäten auferlegt, doch Schießsport und Jagd blieben unter bestimmten Auflagen erlaubt. Das Kartell fungierte als Dachorganisation, die verschiedene Schützenvereine und Jagdverbände unter einem organisatorischen Rahmen vereinte.

Die Auszeichnungen des KKS wurden in verschiedenen Formen und Stufen verliehen. Die hier beschriebene 4. Form deutet auf eine spätere Entwicklungsstufe des Abzeichens hin, da Organisationen ihre Ehrenzeichen im Laufe der Zeit häufig modifizierten oder neu gestalteten. Die silberne Ausführung weist auf eine höhere Auszeichnungsstufe hin, wobei typischerweise Bronze für niedrigere und Silber für mittlere bis höhere Leistungen vergeben wurde.

Die grüne Emaillierung ist von besonderer Bedeutung, da Farben in der deutschen Auszeichnungstradition stets symbolischen Charakter hatten. Grün wurde traditionell mit Jagd und Forstwesen assoziiert und unterstrich damit die Verbindung zwischen Sport- und Jagdschießen, die im Namen der Organisation zum Ausdruck kommt. Die Emaille-Technik selbst war ein Qualitätsmerkmal und erforderte handwerkliches Geschick bei der Herstellung.

Die lange Nadel ist charakteristisch für Ehrennadeln dieser Epoche, die typischerweise an der Zivilkleidung, oft am Revers getragen wurden. Im Gegensatz zu militärischen Orden mit Bandaufhängung waren diese zivilen Auszeichnungen als Anstecknadeln konzipiert, was ihren nicht-militärischen Charakter betonte – ein wichtiger Aspekt in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Die organisatorische Struktur des KKS spiegelte die föderale Tradition deutscher Sportverbände wider. Regionale Verbände schlossen sich zu einem Kartell zusammen, behielten aber eine gewisse Autonomie. Diese Organisationsform war typisch für die Weimarer Republik und ermöglichte eine effiziente Koordination bei gleichzeitiger Wahrung lokaler Traditionen.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann die schrittweise Gleichschaltung aller deutschen Sportverbände. Das KKS wurde wie viele andere Organisationen in die nationalsozialistischen Strukturen eingegliedert oder aufgelöst. Der Reichsbund Deutsche Jägerschaft und andere NS-kontrollierte Organisationen übernahmen die Funktionen der bisherigen Verbände. Dies markierte das Ende der unabhängigen Verbandsstruktur der Weimarer Zeit.

Aus sammlerischer Perspektive sind solche Ehrennadeln heute wichtige Zeitdokumente. Der angegebene Zustand 2 deutet auf eine sehr gut erhaltene Nadel hin, bei der möglicherweise nur leichte Gebrauchsspuren vorhanden sind. Die Erhaltung der Emaillierung ist dabei besonders wichtig, da diese häufig zu Beschädigungen neigt.

Die historische Bedeutung solcher Objekte liegt weniger im materiellen Wert als vielmehr in ihrem dokumentarischen Charakter. Sie illustrieren die Organisationsgeschichte des deutschen Schießsportwesens, die Auszeichnungspraxis der Weimarer Republik und die Kontinuitäten sowie Brüche in der deutschen Vereinskultur. Für die Erforschung der Alltagsgeschichte und der Geschichte des Sports sind solche Objekte unverzichtbare Quellen, die Einblicke in gesellschaftliche Strukturen und Wertesysteme ihrer Entstehungszeit gewähren.