Heer - Ex-libris "Werner von Blomberg Generaloberst"
Ex-libris von Werner von Blomberg - Ein Zeugnis militärischer Buchkultur im Dritten Reich
Das vorliegende Ex-libris des Generaloberst Werner von Blomberg stellt ein faszinierendes Dokument der persönlichen Buchkultur eines der wichtigsten Militärführer der frühen NS-Zeit dar. Ex-libris, auch Bucheignerzeichen genannt, waren seit Jahrhunderten eine verbreitete Praxis unter Bildungseliten und Offizieren, um den Besitz wertvoller Bücher zu kennzeichnen.
Werner Eduard Fritz von Blomberg wurde am 2. September 1878 in Stargard in Pommern geboren. Seine militärische Karriere begann in der kaiserlichen Armee, wo er während des Ersten Weltkriegs verschiedene Stabspositionen innehatte. Nach der Niederlage Deutschlands 1918 blieb Blomberg in der Reichswehr und stieg kontinuierlich in den Rängen auf. Seine Beziehung zu Adolf Hitler und der NSDAP entwickelte sich bereits vor 1933, was ihm nach der Machtergreifung eine Schlüsselposition einbrachte.
Am 30. Januar 1933, dem Tag der nationalsozialistischen Machtergreifung, wurde Blomberg zum Reichswehrminister ernannt. Diese Position machte ihn zu einem der mächtigsten Männer im neuen Regime. Am 4. Februar 1933 beförderte ihn Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Generaloberst, dem zweithöchsten militärischen Rang. In dieser Funktion spielte Blomberg eine zentrale Rolle bei der Gleichschaltung der Wehrmacht und ihrer Unterordnung unter die NS-Ideologie.
Die Verwendung eines persönlichen Ex-libris durch Blomberg spiegelt die Tradition der preußisch-deutschen Offizierskultur wider, in der Bildung und militärische Bibliotheken einen hohen Stellenwert hatten. Höhere Offiziere wurden erwartet, umfangreiche persönliche Bibliotheken mit militärgeschichtlichen Werken, strategischen Abhandlungen und klassischer Literatur zu unterhalten. Das Ex-libris diente nicht nur der praktischen Kennzeichnung, sondern auch als Ausdruck von Status und kultureller Raffinesse.
In der Gestaltung von Ex-libris der 1930er Jahre zeigten sich oft heraldische Elemente, militärische Symbole oder persönliche Wappen. Für einen Generaloberst war ein solches Bucheignerzeichen Teil der Repräsentation und des standesgemäßen Auftretens. Die Qualität und künstlerische Ausführung solcher Ex-libris variierten erheblich, von einfachen typographischen Lösungen bis zu aufwendigen graphischen Arbeiten renommierter Künstler.
Blombergs Karriere erreichte ihren Höhepunkt am 20. April 1936, als Hitler das Reichskriegsministerium schuf und Blomberg zum ersten Generalfeldmarschall der Wehrmacht ernannte. Er war damit der ranghöchste Soldat des Dritten Reiches. Doch seine Position war nicht unumstritten. Blomberg unterstützte zwar die Aufrüstung und viele NS-Politiken, zeigte aber gelegentlich Bedenken gegenüber Hitlers aggressiver Außenpolitik.
Das abrupte Ende von Blombergs Karriere kam im Januar 1938 durch die sogenannte Blomberg-Fritsch-Krise. Seine Heirat mit Erna Gruhn, einer Frau mit angeblich “unstandesgemäßer” Vergangenheit, wurde von Göring und Himmler instrumentalisiert, um ihn zu stürzen. Am 27. Januar 1938 musste Blomberg zurücktreten. Hitler nutzte diese Gelegenheit für eine umfassende Umstrukturierung des militärischen Oberkommandos, wobei er selbst die direkte Befehlsgewalt über die Wehrmacht übernahm durch die Schaffung des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW).
Nach seiner Entlassung lebte Blomberg zurückgezogen. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht mehr eingesetzt, obwohl er seine Loyalität zu Hitler behielt. Nach Kriegsende wurde er von den Alliierten in Nürnberg verhört, wo er als Zeuge für die geplanten Kriegsverbrecherprozesse vorgesehen war. Werner von Blomberg starb jedoch am 14. März 1946 in amerikanischer Internierung, bevor er aussagen konnte.
Ex-libris wie das vorliegende sind heute wichtige historische Dokumente, die Einblicke in die persönliche Welt hochrangiger NS-Militärs bieten. Sie erinnern daran, dass diese Männer nicht nur militärische Funktionsträger waren, sondern auch Individuen mit persönlichen Bibliotheken und kulturellen Interessen. Für Sammler und Historiker sind solche Stücke von Bedeutung, weil sie die materielle Kultur des Dritten Reiches dokumentieren und die Provenienz von Büchern aus dieser Zeit nachvollziehbar machen.
Die Erhaltung solcher Ex-libris in gutem Zustand ist selten, da viele nach 1945 bewusst vernichtet oder aus Büchern entfernt wurden. Sie dienen heute als Studienobjekte für die Erforschung von Buchbesitz, Bildungsidealen und der persönlichen Repräsentation im NS-Staat.