Preußen 1. Weltkrieg Patriotika Lesezeichen "Zur Erinnerung an die Neustiftung des Eisernen Kreuzes im Weltkrieg - Einnahme von Maubeuge 7. September"

Um 1914. Seide, Länge ca. 30 cm. Zustand 2.

Die Vivat-Bänder wurden im 1. Weltkrieg zu vielen militärischen Siegen hergestellt, der Erlös aus dem Verkauf ging an das Rote Kreuz.


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50,00

Preußen 1. Weltkrieg Patriotika Lesezeichen "Zur Erinnerung an die Neustiftung des Eisernen Kreuzes im Weltkrieg - Einnahme von Maubeuge 7. September"

Das vorliegende Vivat-Band aus Seide stellt ein bemerkenswertes Beispiel der patriotischen Erinnerungskultur des Ersten Weltkriegs dar. Mit einer Länge von circa 30 Zentimetern und gefertigt um 1914, erinnert dieses Lesezeichen an zwei bedeutende Ereignisse: die Neustiftung des Eisernen Kreuzes durch Kaiser Wilhelm II. zu Beginn des Weltkriegs sowie die Einnahme der belgischen Festung Maubeuge am 7. September 1914.

Die Neustiftung des Eisernen Kreuzes erfolgte am 5. August 1914, nur einen Tag nach dem deutschen Kriegseintritt. Kaiser Wilhelm II. reaktivierte damit eine Tradition, die sein Urgroßvater König Friedrich Wilhelm III. von Preußen im Jahr 1813 während der Befreiungskriege gegen Napoleon begründet hatte. Das Eiserne Kreuz wurde 1813, 1870 und schließlich 1914 jeweils neu gestiftet und entwickelte sich zur wichtigsten deutschen Kriegsauszeichnung. Die Neustiftung von 1914 umfasste mehrere Klassen: das Eiserne Kreuz 2. und 1. Klasse, das Großkreuz sowie den neu geschaffenen Stern zum Großkreuz.

Die Schlacht um Maubeuge stellte einen frühen militärischen Erfolg der deutschen Streitkräfte im Rahmen des Schlieffen-Plans dar. Die stark befestigte französische Festung Maubeuge im Département Nord lag strategisch wichtig an der Sambre und stellte einen bedeutenden Verteidigungspunkt der französischen Nordostgrenze dar. Nach dem deutschen Vormarsch durch Belgien und Nordfrankreich wurde Maubeuge ab dem 25. August 1914 von deutschen Truppen unter General Hans von Zwehl eingeschlossen. Die Belagerung dauerte knapp zwei Wochen, wobei schwere deutsche Artillerie, darunter die berühmten Big Bertha-Haubitzen, zum Einsatz kam. Am 7. September 1914 kapitulierte die Festung, wobei etwa 40.000 französische Soldaten in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten.

Vivat-Bänder entwickelten sich während des Ersten Weltkriegs zu einem wichtigen Medium der Heimatfront. Der Begriff “Vivat” stammt aus dem Lateinischen und bedeutet “Es lebe” – ein Hochruf auf militärische Erfolge und patriotische Ereignisse. Diese meist aus Seide gefertigten Bänder wurden in großer Stückzahl produziert und dienten verschiedenen Zwecken: als Lesezeichen, Dekoration oder Erinnerungsstücke. Sie zeigten typischerweise Inschriften zu militärischen Siegen, Portraits von Herrschern und Feldherren, Wappen, nationale Symbole oder Darstellungen von Waffen und Ausrüstung.

Ein besonders bemerkenswerter Aspekt dieser Vivat-Bänder war ihre karitative Dimension. Der Erlös aus dem Verkauf floss größtenteils an das Deutsche Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen, die sich um verwundete Soldaten, Kriegswitwen und Waisen kümmerten. Dies verband patriotische Gesinnung mit praktischer Unterstützung der Kriegsanstrengungen und humanitärer Hilfe. Die Käufer konnten so ihre Solidarität mit der Front demonstrieren und gleichzeitig einen Beitrag zur Versorgung der Opfer des Krieges leisten.

Die Produktion solcher Erinnerungsstücke war besonders in den ersten Kriegsjahren ausgeprägt, als die öffentliche Begeisterung noch groß war und militärische Erfolge gefeiert wurden. Die frühen deutschen Siege im Rahmen des Schlieffen-Plans – wie die Einnahme von Lüttich, Brüssel, Namur und eben Maubeuge – wurden als Bestätigung der deutschen militärischen Überlegenheit interpretiert und entsprechend auf zahlreichen Erinnerungsstücken verewigt.

Aus heutiger historischer Perspektive bieten diese Patriotika einen faszinierenden Einblick in die Mentalität und Propagandastrukturen des Ersten Weltkriegs. Sie dokumentieren, wie militärische Ereignisse für die Heimatfront aufbereitet und zur Aufrechterhaltung der Kriegsbegeisterung instrumentalisiert wurden. Gleichzeitig zeugen sie von den Hoffnungen und Erwartungen, die 1914 mit dem Krieg verbunden waren – Hoffnungen, die im Verlauf des vierjährigen Abnutzungskrieges bitter enttäuscht werden sollten.

Das Material Seide unterstreicht den relativen Wert dieser Objekte. Trotz ihrer massenhaften Produktion handelte es sich nicht um billige Wegwerfartikel, sondern um Gegenstände, die bewahrt und geschätzt werden sollten. Der Erhaltungszustand 2 des vorliegenden Exemplars spricht dafür, dass es tatsächlich sorgfältig aufbewahrt wurde und die letzten 110 Jahre weitgehend unbeschadet überstanden hat.

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