Wehrmacht - Divisions-Erinnerungsabzeichen der 122. Infanterie-Division " Greif "

Fertigung aus Buntmetall versilbert, rückseitig fehlt die Nadel. Deutlich getragen, Zustand 2-.
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250,00

Wehrmacht - Divisions-Erinnerungsabzeichen der 122. Infanterie-Division " Greif "

Das Divisions-Erinnerungsabzeichen der 122. Infanterie-Division, bekannt unter dem Namen “Greif”, stellt ein faszinierendes Zeugnis der militärischen Traditionsbildung innerhalb der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges dar. Diese inoffiziellen Auszeichnungen wurden von Divisionsangehörigen getragen, um ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Einheit und ihre gemeinsamen Kampferfahrungen zu symbolisieren.

Die 122. Infanterie-Division wurde im Oktober 1940 als Teil der elften Aufstellungswelle der Wehrmacht im Wehrkreis II (Stettin) aufgestellt. Die Division setzte sich hauptsächlich aus Truppenteilen aus Mecklenburg und Pommern zusammen. Ihr charakteristisches Divisionsabzeichen zeigte einen stilisierten Greifen, das mythologische Wappentier Pommerns, das die regionale Herkunft vieler ihrer Soldaten widerspiegelte. Der Greif, eine Kreatur aus Adler und Löwe, symbolisierte traditionell Stärke, Wachsamkeit und Mut.

Die Division wurde zunächst für den geplanten Angriff auf England vorbereitet und war in Nordfrankreich stationiert. Nach der Absage des Unternehmens Seelöwe wurde die 122. Infanterie-Division im Juni 1941 für das Unternehmen Barbarossa, den Angriff auf die Sowjetunion, eingesetzt. Sie kämpfte als Teil der Heeresgruppe Nord und war an schweren Gefechten in den baltischen Staaten und im Raum Leningrad beteiligt.

Die Division erlebte ihre schwersten Kämpfe während der Belagerung von Leningrad und in den folgenden Verteidigungsschlachten. Von 1941 bis 1944 war sie kontinuierlich an der Nordfront im Einsatz und erlitt dabei erhebliche Verluste. Die Einheit kämpfte unter extremen klimatischen Bedingungen und gegen einen zunehmend übermächtigen Gegner. Im Sommer 1944 wurde die 122. Infanterie-Division während der sowjetischen Großoffensive im Baltikum nahezu vollständig aufgerieben.

Divisions-Erinnerungsabzeichen wie dieses waren keine offiziellen Auszeichnungen im Sinne des deutschen Ordenssystems. Sie wurden nicht durch das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition oder andere staatliche Stellen autorisiert, sondern entstanden aus der Initiative einzelner Truppenteile. Oft wurden sie von lokalen Handwerkern oder spezialisierten Firmen in begrenzter Stückzahl hergestellt. Diese Abzeichen dienten dem Korpsgeist und der Identifikation mit der eigenen Einheit - ein wichtiger Faktor für die Moral in langen Kampfeinsätzen.

Das vorliegende Exemplar ist aus versilbertem Buntmetall gefertigt, was der üblichen Herstellungsweise dieser Erinnerungsabzeichen entspricht. Die Verwendung von Buntmetall statt Edelmetallen war kriegsbedingt notwendig, da wertvolle Materialien für die Rüstungsproduktion reserviert waren. Die Versilberung verlieh dem Abzeichen dennoch ein attraktives Erscheinungsbild und deutete symbolisch auf den Wert hin, den die Träger ihrer Divisionsgemeinschaft beimaßen.

Der deutlich getragene Zustand des Stücks weist darauf hin, dass es tatsächlich im Feld verwendet wurde und nicht lediglich ein Sammlerstück aus der Nachkriegszeit darstellt. Solche Gebrauchsspuren sind für Militärhistoriker von besonderem Interesse, da sie die authentische Verwendung dokumentieren. Das Fehlen der rückseitigen Nadel ist bei erhaltenen Exemplaren häufig zu beobachten, da diese oft verloren gingen oder durch mechanische Belastung abbrachen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden solche Divisions-Erinnerungsabzeichen zu begehrten Sammlerobjekten, die sowohl historisches Interesse als auch den Wunsch nach Dokumentation militärischer Sozialgeschichte befriedigten. Sie erlauben Einblicke in die Selbstwahrnehmung und Traditionsbildung militärischer Einheiten und zeigen, wie Soldaten versuchten, ihre gemeinsamen Erfahrungen zu symbolisieren und festzuhalten.

Heute sind diese Abzeichen wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung, insbesondere für die Untersuchung von Moral, Identität und Korpsgeist innerhalb der Wehrmacht. Sie ergänzen die offizielle Dokumentation um eine persönlichere Dimension und zeigen, wie Soldaten ihre militärische Zugehörigkeit über die formellen Strukturen hinaus ausdrückten.