Kriegsmarine Stahlhelm M35 mit 2 Emblemen

Die Glocke wurde zeitgenössisch feldgrau überlackiert, darunter ist zum Teil noch die Apfelgrüne Lackierung zu erkennen. Unter der feldgrauen Lackierung ist noch das Nationalemblem vorhanden. Und auf der neuen Lackierung wurde zeitgenössisch auf der linken Seite ein neues Kriegsmarine Emblem angebracht, dieses beschädigt und mit goldener Farbe ausgebessert. Die Helmglocke ist ist innen im Nacken mit "70...." gestempelt. Komplett mit Innenfutter am Aluminiumring und Kinnriemen. Größenangabe 58. Kinnriemen mit Herstellermarkierung ".... Pinneberg". Zustand 2-.
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2.200,00

Kriegsmarine Stahlhelm M35 mit 2 Emblemen

Der Stahlhelm M35 der deutschen Wehrmacht stellt einen der bekanntesten militärischen Kopfschutztypen des Zweiten Weltkriegs dar. Das hier beschriebene Exemplar dokumentiert eine faszinierende Praxis der Kriegsjahre: die Umwidmung und Neulackierung von Helmen bei Versetzungen zwischen verschiedenen Teilstreitkräften.

Der Stahlhelm Modell 1935 wurde als Nachfolger des M16/18 entwickelt und ab 1935 bei allen Wehrmachtsteilen eingeführt. Die charakteristische Form behielt weitgehend die bewährte Silhouette des Ersten Weltkriegs bei, vereinfachte jedoch die Produktion durch Reduzierung der Sicken am Helmrand. Der M35 wog etwa 1,1 bis 1,3 Kilogramm und bot verbesserten Schutz gegen Granatsplitter und Projektile.

Die ursprüngliche apfelgrüne Lackierung dieses Helms weist auf eine frühe Produktionsphase hin. Bis etwa 1940 wurden Stahlhelme häufig in diesem charakteristischen hellen Grünton lackiert, der sich an die Farbgebung der Reichswehr anlehnte. Das unter der späteren feldgrauen Schicht noch erkennbare Nationalemblem – der Hoheitsadler mit Hakenkreuz – wurde üblicherweise auf der rechten Helmseite angebracht und mittels Abziehbild oder Schablone aufgetragen.

Die feldgraue Überlackierung erfolgte offensichtlich während des Kriegseinsatzes, vermutlich im Zusammenhang mit einer Versetzung zur Kriegsmarine. Ab 1940 wurde feldgrau zur Standardfarbe für Stahlhelme, da sie bessere Tarnungseigenschaften aufwies. Die Praxis, Helme bei Truppenwechseln neu zu lackieren und mit entsprechenden Emblemen zu versehen, war weit verbreitet, da die Produktion mit der Nachfrage nicht immer Schritt halten konnte.

Das Kriegsmarine-Emblem auf der linken Helmseite zeigt den charakteristischen Reichsadler mit Anker, wie er für die deutsche Marine typisch war. Die linke Seite war traditionell für das Teilstreitkraftemblem reserviert. Die beschädigte und mit goldener Farbe ausgebesserte Oberfläche des Emblems deutet auf Feldeinsatz und spätere Instandsetzungsversuche hin. Solche Reparaturen waren während des Krieges üblich, wenn Ersatzteile knapp wurden.

Die Stempelung "70...." im Helminneren bezeichnet die Chargennummer oder den Hersteller. Die Wehrmacht vergab spezifische Codes an verschiedene Produktionsstätten. Die Größenangabe 58 entspricht einem Kopfumfang von etwa 58 Zentimetern, was eine durchschnittliche Größe darstellte.

Das vollständig erhaltene Innenfutter am Aluminiumring ist bemerkenswert. Das M35-Innensystem bestand aus einem Aluminiumring mit acht Polstern aus Kunstleder, die mit Rosshaar oder anderem Material gefüllt waren. Dieses System wurde mittels drei Splintnieten am Helm befestigt und ermöglichte durch Verstellung eine Anpassung an verschiedene Kopfgrößen.

Der Kinnriemen mit der Herstellermarkierung aus Pinneberg verweist auf einen der zahlreichen Zulieferbetriebe. Pinneberg in Schleswig-Holstein beherbergte mehrere Firmen, die Lederausrüstung für die Wehrmacht produzierten. Kinnriemen wurden aus schwarzem oder braunem Leder gefertigt und mit Stahlschnallen versehen.

Die Erhaltung dieses Helms mit zwei Emblemen macht ihn zu einem bedeutenden historischen Dokument. Er illustriert nicht nur die technische Entwicklung des deutschen Stahlhelms, sondern auch die Realität des Kriegsalltags, in dem Material wiederverwendet, umgewidmet und repariert wurde. Die Schichten von Lackierung und Emblematik erzählen die Geschichte einer möglicherweise jahrelangen Verwendung durch verschiedene Truppenteile.

Der Zustand 2- in der Bewertungsskala für militärische Antiquitäten bedeutet, dass das Objekt gut erhalten ist mit leichten Gebrauchsspuren, was für einen authentischen Feldgebrauchshelm typisch ist. Solche Stücke sind von besonderem Interesse für Militärhistoriker und Sammler, da sie authentische Veränderungen aufweisen, die während ihrer aktiven Dienstzeit vorgenommen wurden, im Gegensatz zu nachträglichen Manipulationen.