Kriegsmarine nichttragbare Auszeichnungsplakette "Standort-Segel-Wettfahrten 1. Preis"
Diese bronzierte Auszeichnungsplakette der Kriegsmarine repräsentiert einen faszinierenden Aspekt des maritimen Sportlebens innerhalb der deutschen Seestreitkräfte während der Zwischenkriegszeit und der NS-Ära. Die Plakette wurde für den ersten Preis bei Standort-Segel-Wettfahrten verliehen und trägt die spezifische Gravur “Olympiajollen Kiel 27.6.36”, was sie zeitlich und örtlich eindeutig in den Kontext der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin einordnet.
Die Kriegsmarine, offiziell am 21. Mai 1935 als Nachfolgerin der Reichsmarine gegründet, legte großen Wert auf die körperliche Ertüchtigung und den Wettkampfgeist ihrer Angehörigen. Segelsport hatte in der deutschen Marine eine lange Tradition, die bis in die Kaiserzeit zurückreichte. Der Segelsport galt nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern als wichtiges Ausbildungselement, das seemännische Fähigkeiten, Teamgeist und Führungsqualitäten förderte.
Das Jahr 1936 war für Deutschland von besonderer Bedeutung, da das Land im August die XI. Olympischen Sommerspiele ausrichtete. Die Segelwettbewerbe fanden traditionell in Kiel statt, dem wichtigsten Marinestandort Deutschlands. Die Bezeichnung “Olympiajollen” bezieht sich auf die für olympische Wettbewerbe zugelassenen Bootsklassen. Bei den Olympischen Spielen 1936 wurden Segelwettbewerbe in verschiedenen Bootsklassen ausgetragen, darunter die Olympia-Jolle, eine Ein-Mann-Jolle, die eigens für die Spiele entwickelt worden war.
Die Standort-Segel-Wettfahrten waren interne Wettkämpfe der Kriegsmarine, die an verschiedenen Marinestützpunkten durchgeführt wurden. Sie dienten mehreren Zwecken: der Förderung des Kameradschaftsgeistes, der Aufrechterhaltung seemännischer Traditionen und der Identifikation besonders talentierter Segler. Das Datum 27. Juni 1936 liegt etwa zwei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele (1. August 1936) und könnte im Zusammenhang mit Vorbereitungen oder Qualifikationswettbewerben gestanden haben.
Die technische Ausführung der Plakette ist typisch für militärische Auszeichnungen der Zeit: bronziertes Stahlblech war ein kostengünstiges Material, das dennoch einen repräsentativen Eindruck vermittelte. Die Befestigung mittels drei Nägeln auf einer Holzplakette war eine praktische Lösung für nichttragbare Auszeichnungen, die zur dauerhaften Aufstellung oder Wandmontage bestimmt waren. Im Gegensatz zu tragbaren Orden und Ehrenzeichen, die an der Uniform befestigt wurden, waren solche Plaketten als Erinnerungsstücke konzipiert, die in privaten Räumen oder Offiziersheimen ausgestellt wurden.
Die Segelkultur in der Kriegsmarine war tief verwurzelt. Bereits in der Reichsmarine der Weimarer Republik hatte der Segelsport eine wichtige Rolle gespielt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der Sport weiter gefördert, allerdings unter verstärkter ideologischer Ausrichtung. Die Olympischen Spiele 1936 wurden vom Regime als Propaganda-Gelegenheit genutzt, um Deutschland als moderne, sportliche Nation zu präsentieren.
Kiel als Austragungsort der Segelwettbewerbe war nicht zufällig gewählt. Die Stadt war seit dem 19. Jahrhundert das Zentrum der deutschen Marine. Die Kieler Förde bot ideale Bedingungen für Segelwettbewerbe, und die vorhandene Infrastruktur sowie die maritime Expertise machten Kiel zur natürlichen Wahl. Die Marineangehörigen in Kiel hatten dadurch die Möglichkeit, die internationalen Wettbewerbe aus nächster Nähe zu verfolgen und sich mit den besten Seglern der Welt zu messen.
Solche Auszeichnungsplaketten dokumentieren die vielfältigen Aktivitäten innerhalb der Kriegsmarine jenseits des rein militärischen Dienstes. Sie zeigen, dass auch in einer zunehmend auf den Krieg vorbereiteten Organisation sportliche und kameradschaftliche Aktivitäten einen festen Platz hatten. Die Förderung des Segelsports diente dabei sowohl praktischen Ausbildungszwecken als auch der Moral und dem Zusammenhalt der Truppe.
Aus sammlungshistorischer Perspektive sind solche nichttragbaren Auszeichnungen heute seltener als tragbare Orden, da sie oft als persönliche Erinnerungsstücke in Privatbesitz verblieben und nicht systematisch archiviert wurden. Sie bieten jedoch wertvolle Einblicke in den Alltag und die Kultur militärischer Einheiten der Epoche und ergänzen das Bild, das durch offizielle Dokumente und Vorschriften gezeichnet wird.