Preußen Einzel Schulterklappe feldgrau für Mannschaften im Fußartillerie-Regiment Nr. 53
Die vorliegende feldgraue Einzelschulterklappe für Mannschaften des Fußartillerie-Regiments Nr. 53 repräsentiert ein authentisches Zeugnis der preußischen Militärorganisation während des Ersten Weltkriegs. Diese Uniformkomponente, die um 1916 datiert werden kann, verkörpert die funktionale Uniformgestaltung der späteren Kriegsjahre und gibt Einblick in die Organisationsstruktur der deutschen Artillerieverbände.
Das Fußartillerie-Regiment Nr. 53 wurde am 1. Oktober 1912 in Saarbrücken aufgestellt und gehörte zum XXI. Armeekorps der preußischen Armee. Die Fußartillerie unterschied sich von der reitenden und fahrenden Artillerie durch ihre Aufgabe, schwere Geschütze zu bedienen, die für die Beweglichkeit im Feld weniger geeignet waren. Diese Regimenter spielten eine entscheidende Rolle in der Belagerungs- und Festungskriegführung sowie später in den Stellungskämpfen des Ersten Weltkriegs.
Die Schulterklappe als Uniformbestandteil hatte in der preußischen Armee eine lange Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich dienten Schulterklappen einem praktischen Zweck: Sie verhinderten das Abrutschen der Patronentasche von der Schulter. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelten sie sich jedoch zu einem wichtigen Erkennungsmerkmal, das die Regimentszugehörigkeit und den Rang des Trägers anzeigte.
Die feldgraue Färbung wurde mit der Uniformreform von 1907/1910 eingeführt, als die preußische Armee von den traditionellen bunten Friedensuniformen zu praktischeren, tarnenden Uniformen überging. Das Feldgrau sollte die Sichtbarkeit der Soldaten auf dem modernen Schlachtfeld reduzieren. Für Mannschaften der Fußartillerie waren die Schulterklappen in der Regel mit der Regimentsnummer in arabischen Ziffern versehen, wobei die Waffenfarbe der Artillerie - Rot - als Paspelierung oder Unterlegung diente.
Die Datierung um 1916 ist aus mehreren Gründen von Bedeutung. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Erste Weltkrieg in einer Phase intensiver Materialschlachten, insbesondere an der Westfront bei Verdun und an der Somme. Die deutsche Kriegswirtschaft stand zunehmend unter Druck, und dies spiegelte sich auch in der Qualität und Verarbeitung der Uniformteile wider. Die erwähnten leichten Mottenschäden und die Tatsache, dass das Stück getragen wurde, bestätigen seinen authentischen Feldgebrauch.
Die Schulterklappen für Mannschaften (gemeine Soldaten und Unteroffiziere ohne Portepee) unterschieden sich deutlich von denen der Offiziere. Während Offiziere Schulterklappen aus Metall oder mit aufwendigen Stickereien trugen, bestanden die Mannschaftsschulterklappen aus Tuchstoff mit aufgenähten oder aufgedruckten Regimentsnummern. Dies entsprach sowohl praktischen als auch ökonomischen Erwägungen der Massenproduktion.
Das Fußartillerie-Regiment Nr. 53 war während des Ersten Weltkriegs an verschiedenen Frontabschnitten eingesetzt. Die Regiment nahmen an den großen Schlachten teil und erlitten wie die meisten deutschen Verbände erhebliche Verluste. Die Artillerie spielte im Ersten Weltkrieg eine zunehmend dominante Rolle - Schätzungen zufolge gingen etwa 70 Prozent aller Verluste auf Artilleriebeschuss zurück.
Für Militärhistoriker und Sammler sind solche Schulterklappen wertvolle Quellen, da sie die Identifizierung von Uniformteilen und die Zuordnung zu spezifischen Einheiten ermöglichen. Die preußische Armee führte ein komplexes System von Nummerierungen und Erkennungszeichen, das die genaue Identifikation von Regimentern und Waffengattungen ermöglichte. Die Nummer 53 war eindeutig dem Fußartillerie-Regiment in Saarbrücken zugeordnet.
Der Erhaltungszustand “Zustand 2” mit leichten Mottenschäden deutet darauf hin, dass das Stück über ein Jahrhundert überlebt hat, was bei Textilien aus der Zeit des Ersten Weltkriegs bemerkenswert ist. Motten stellten für die Lagerung von Wolltuchen schon immer eine Herausforderung dar, und viele Uniformteile aus dieser Zeit sind der Zerstörung durch Insekten, Feuchtigkeit oder einfach dem Verschleiß zum Opfer gefallen.
Zusammenfassend repräsentiert diese einzelne Schulterklappe nicht nur ein militärisches Abzeichen, sondern ein Zeugnis der deutschen Militärgeschichte, der technologischen und taktischen Entwicklungen des Ersten Weltkriegs sowie der materiellen Kultur einer der bedeutendsten Armeen der damaligen Zeit.