Das vorliegende Ensemble aus Pickelhaube, Schirmmütze und Schulterstücken dokumentiert eindrucksvoll die militärische Ausrüstung eines preußischen Offiziers der Minenwerfer-Kompanie Nr. 13 während des Ersten Weltkriegs. Die Objekte gehörten Oberleutnant Freiherr von Althaus, der ursprünglich im Pionier-Bataillon Nr. 2 diente und am 15. Oktober 1918 als Kommandeur des Pionier-Bataillons 376 in Boult-aux-Bois fiel.
Die Minenwerfer-Truppen stellten eine bedeutende Innovation der deutschen Kriegsführung im Ersten Weltkrieg dar. Diese spezialisierten Einheiten wurden ab 1914 aufgestellt, um den Bedarf an schweren Nahkampfwaffen für den Grabenkrieg zu decken. Die Minenwerfer-Kompanien unterstanden zunächst den Pionier-Bataillonen, entwickelten sich aber schnell zu eigenständigen Formationen. Ihr charakteristisches Abzeichen war der Totenkopf, der bereits seit dem 18. Jahrhundert eine Tradition in preußischen Elite-Einheiten hatte.
Die hier vorliegende Pickelhaube ist eine Friedensfertigung aus der Zeit um 1915, also aus der Übergangsphase, als die traditionelle schwarze Lederhaube noch getragen wurde, bevor sie durch praktischere feldgraue Stahlhelme ersetzt wurde. Der Helm zeigt alle charakteristischen Merkmale einer Offiziersausführung: vergoldete Beschläge, den preußischen Linienadler und darauf aufgelegt den versilberten Totenkopf der Minenwerfer. Die gewölbten Schuppenketten und beide Kokarden (Reichs- und Landeskokarde) sind vorhanden, ebenso die abnehmbare Spitze. Das Innere zeigt das braune Schweißfutter mit Seidenbanddurchzug und das hellgrüne Seidenfutter, typisch für hochwertige Offiziershelme. Die Herstellermarkierung “Awes-Marke” weist auf einen renommierten Berliner Hersteller militärischer Kopfbedeckungen hin.
Die feldgraue Schirmmütze repräsentiert die modernere Feldbekleidung, die ab 1914/15 eingeführt wurde. Sie zeigt die elegante hohe Tellerform, die besonders bei Offizieren beliebt war. Der schwarze Samtmützenbund mit roter Paspelierung entspricht der Waffenfarbe der Artillerie, der die Minenwerfer zugeordnet waren. Besonders bemerkenswert ist das eingeklebte Trägeretikett, das die Zuordnung zur 26. Infanterie-Brigade und die Personalangaben des Trägers dokumentiert. Solche Etiketten wurden häufig von Regimentsschneidern oder beim Erwerb durch spezialisierte Militäreffektenhändler angebracht.
Die Schulterstücke eines Oberleutnants der Minenwerfer mit dem aufgelegten Monogramm “MW” vervollständigen das Ensemble. Diese Schulterklappen waren zum Einnähen in den Waffenrock bestimmt und zeigten durch ihre Sterne und Tressen den Offiziersrang an. Die Kombination aus traditionellem Friedenshelm und moderner Feldausrüstung spiegelt die Übergangszeit wider, in der die preußische Armee von der bunten Friedensuniform zur praktischen feldgrauen Kriegsbekleidung überging.
Der originale Transportkoffer mit dem Papieretikett der Awes-Marke ist ein seltenes Zubehör, das die Authentizität und Provenienz des Ensembles unterstreicht. Solche Koffer wurden von Offizieren verwendet, um ihre wertvollen Ausrüstungsgegenstände während des Transports und in den Quartieren zu schützen.
Oberleutnant Freiherr von Althaus entstammte dem preußischen Adel und begann seine militärische Laufbahn bei den Pionieren, der technischen Truppengattung der Armee. Sein Wechsel zu den Minenwerfer-Kompanien und später sein Aufstieg zum Kommandeur eines Pionier-Bataillons spiegeln die typische Karriere eines fähigen Pionieroffiziers wider. Sein Tod am 15. Oktober 1918, nur wenige Wochen vor dem Waffenstillstand, bei Boult-aux-Bois in den Argonnen, unterstreicht die hohen Verluste, die die deutsche Armee auch in den letzten Kriegstagen erlitt.
Die Minenwerfer-Kompanie Nr. 13 war Teil der 26. Infanterie-Brigade und wurde im Stellungskrieg eingesetzt. Diese Einheiten verfügten über verschiedene Kaliber von Minenwerfern, von leichten 7,6-cm-Modellen bis zu schweren 25-cm-Geräten. Die Besatzungen benötigten sowohl technisches Verständnis als auch besonderen Mut, da die Bedienung dieser Waffen gefährlich war und sie häufig Ziel feindlichen Artilleriefeuers wurden.
Das Ensemble ist von außerordentlicher historischer Bedeutung, da es vollständig erhalten ist und durch die Familienprovenienz eine lückenlose Herkunftsgeschichte aufweist. Solche geschlossenen Nachlässe sind heute äußerst selten, da die meisten Ausrüstungsgegenstände nach dem Krieg verloren gingen, zerstört oder getrennt wurden. Die Kombination aus Friedens- und Feldausrüstung, dokumentiert durch zeitgenössische Etiketten und in unverfälschtem Zustand, macht dieses Ensemble zu einem bedeutenden Zeugnis der deutschen Militärgeschichte des Ersten Weltkriegs.