Preußen Pickelhaube für Mannschaften im 2. Ober-Elsässischen Infanterie-Regiment Nr. 171
Die preußische Pickelhaube Modell 1895 für Mannschaften des 2. Ober-Elsässischen Infanterie-Regiments Nr. 171 repräsentiert ein bedeutendes Kapitel deutscher Militärgeschichte im Reichsland Elsass-Lothringen. Dieses charakteristische Lederhelm mit seiner markanten Spitze wurde am 23. Oktober 1842 von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eingeführt und nach 1871 von allen deutschen Staaten übernommen. Das Modell 1895 stellte die letzte Weiterentwicklung des Designs vor 1914 dar und blieb im Dienst, bis es während des Ersten Weltkriegs ab 1916 durch den Stahlhelm M1916 ersetzt wurde.
Das 2. Ober-Elsässische Infanterie-Regiment Nr. 171 wurde am 1. April 1897 aus Halbataillonen anderer Infanterieregimenter formiert und war zunächst in Bitsch (Bitche) stationiert. Im Jahr 1901 verlegte das Regiment nach Colmar, wo es als Teil der 82. Infanterie-Brigade, 39. Division, XV. Armeekorps garnisoniert wurde. Am 27. Januar 1902 erhielt das Regiment die territoriale Bezeichnung “2. Ober-Elsässisches”, um die Regimenter aus dem Reichsland Elsass-Lothringen zu kennzeichnen - jenem Territorium, das 1871 von Frankreich annektiert worden war. Bis 1909 bestand das Regiment aus drei Bataillonen mit je vier Kompanien sowie Maschinengewehrkompanien.
Diese spezielle Pickelhaube aus dem Jahr 1910 trägt den Kammerstempel “171 R 1910” auf dem Nackenschirm sowie die Größenangabe “57”. Der Helm besteht aus gehärtetem, schwarz lackiertem Leder mit vollständigen Beschlägen aus Messing - charakteristisch für die Friedenszeit-Ausstattung. An der Vorderseite prangt der preußische Linienadler mit dem Motto “Mit Gott für König und Vaterland”. Die beiden Kokarden - die preußische in Schwarz-Weiß auf der linken Seite und die Reichskokarde in Rot-Weiß-Schwarz auf der rechten Seite - wurden 1897 eingeführt. Die nicht abnehmbare Spitze entspricht dem Standard-Muster M1895 für Infanterie-Mannschaften, im Gegensatz zur Artillerie, die eine Kugelbekrönung verwendete.
Der Ledersturmriemen ist am Knopf 91 befestigt, und das Innere weist das gelaschte Lederfutter auf, das typisch für die Ausrüstung einfacher Soldaten war. Offiziersvarianten waren privat beschafft und von höherer Qualität mit vergoldeten oder versilberten Beschlägen. Während des Krieges ab 1915 wurden aufgrund von Materialmangel Varianten mit grau oxidierten Stahlbeschlägen oder Ersatzmaterialien wie Filz oder gepresster Wolle hergestellt.
Die Pickelhaube diente als Standard-Kopfbedeckung für Mannschaften und Unteroffiziere bei Paraden, Garnisonsdienst und Feldeinsätzen, wobei sie im Feld mit einem Stoffüberzug versehen wurde. Eine bemerkenswerte Episode in der Geschichte des Regiments ereignete sich im August 1913 während einer Manöverübung, als Soldaten des IR 171 auf dem Hohneck-Berg an der deutsch-französischen Grenze auf französische 15. Chasseurs à Pied trafen - nur ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Das Regiment mobilisierte am 2. August 1914 für den Ersten Weltkrieg und kämpfte an West- und Ostfront, erlitt schwere Verluste und wurde im Februar 1919 nach Deutschlands Niederlage demobilisiert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Pickelhaube als deutsche Militärkopfbedeckung durch den Versailler Vertrag und Deutschlands Übergang zur Weimarer Republik abgeschafft. Das 2. Ober-Elsässische Infanterie-Regiment Nr. 171 wurde im Februar 1919 aufgelöst. Das Elsass-Lothringen kehrte zu Frankreich zurück, und Colmar wurde wieder französisches Territorium. Die Tradition des Regiments ging 1921 auf die 7. Kompanie des 12. Infanterie-Regiments der Reichswehr über.
Viele Pickelhauben gelangten nach dem Krieg in Privatsammlungen, wurden als Andenken mit nach Hause gebracht oder verblieben bei Familien ehemaliger Soldaten. Dieses Exemplar stammt aus französischem Privatbesitz, was der regionalen Geschichte entspricht. Die Pickelhaube bleibt ein Symbol der kaiserlich-deutschen Militärtradition und wird weithin gesammelt. Original-Friedenszeitexemplare mit klaren Regimentsmarkierungen werden von Militaria-Sammlern besonders geschätzt.