Reichsarbeitsdienst der Männer ( RAD/M ) - Traditions-Mützenabzeichen, Arbeitsgau V - Pommern-West
Das Traditions-Mützenabzeichen des Reichsarbeitsdienstes der Männer (RAD/M) für den Arbeitsgau V Pommern-West stellt ein faszinierendes Zeugnis der organisatorischen Struktur und regionalen Gliederung dieser nationalsozialistischen Arbeitsinstitution dar. Dieses aus vergoldetem Buntmetall gefertigte Abzeichen trägt die Herstellermarkierungen von Paulmann und Crone aus Lüdenscheid sowie Friedrich Eitschberger aus Stettin, was auf eine koordinierte Produktion zwischen verschiedenen Manufakturen hinweist.
Der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde 1935 durch das Reichsarbeitsdienstgesetz vom 26. Juni als staatliche Organisation etabliert, nachdem er aus dem Freiwilligen Arbeitsdienst hervorgegangen war. Ab diesem Zeitpunkt unterlagen alle jungen Deutschen zwischen 18 und 25 Jahren einer sechsmonatigen Arbeitsdienstpflicht, die vor dem Wehrdienst oder dem Studium abzuleisten war. Die Organisation gliederte sich in den Reichsarbeitsdienst der Männer (RAD/M) und den Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RAD/wJ).
Die territoriale Organisation des RAD erfolgte in Arbeitsgaue, die wiederum in Gruppen, Abteilungen und Trupps unterteilt waren. Der Arbeitsgau V Pommern-West umfasste den westlichen Teil der preußischen Provinz Pommern mit dem Verwaltungszentrum in Stettin (heute Szczecin, Polen). Diese Region spielte aufgrund ihrer landwirtschaftlichen Bedeutung und ihrer Lage an der Ostsee eine wichtige Rolle in der Arbeitsdienstorganisation. Die Arbeitsgaue wurden nach römischen Ziffern nummeriert, wobei Arbeitsgau V eine der frühen territorialen Einheiten darstellte.
Das vorliegende Traditions-Mützenabzeichen unterschied sich von den regulären Dienstabzeichen durch seinen besonderen Status. Solche Traditionsabzeichen wurden typischerweise zu besonderen Anlässen getragen oder an verdiente Mitglieder verliehen. Die Vergoldung des Buntmetalls deutet auf die repräsentative Funktion dieses Abzeichens hin. Die Herstellung durch zwei verschiedene Firmen – eine in Lüdenscheid im Sauerland, einem traditionellen Zentrum der deutschen Metallwarenindustrie, und eine in Stettin, der Hauptstadt Pommerns – zeigt die dezentrale Produktionsstruktur für RAD-Ausrüstungsgegenstände.
Die Firma Paulmann und Crone gehörte zu den etablierten Herstellern von militärischen und paramilitärischen Abzeichen in der Zeit des Nationalsozialismus. Lüdenscheid hatte sich seit dem 19. Jahrhundert als Zentrum der Metallwaren- und Knopfindustrie entwickelt. Friedrich Eitschberger in Stettin repräsentierte die lokale Fertigungsindustrie und stellte vermutlich speziell für den regionalen Arbeitsgau her, was die enge Verbindung zwischen lokaler Wirtschaft und der RAD-Organisation unterstreicht.
Die technische Ausführung mit Splintbefestigung auf der Rückseite entsprach dem Standard für Mützenabzeichen dieser Zeit. Die Splinte ermöglichten eine sichere Befestigung an der Lagermütze oder anderen Kopfbedeckungen des RAD. Das erhaltene Exemplar weist noch einen der ursprünglich zwei Splinte auf, was bei Sammlerstücken dieser Art nicht ungewöhnlich ist.
Der Reichsarbeitsdienst in Pommern-West führte typische RAD-Projekte durch, darunter Landgewinnungsarbeiten, Entwässerungsprojekte, Deichbau an der Ostseeküste, Straßenbau und landwirtschaftliche Meliorationsarbeiten. Die strategische Lage Pommerns machte die Region besonders wichtig für die nationalsozialistischen Autarkiebestrebungen und die Vorbereitung auf den Krieg. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden RAD-Einheiten zunehmend für militärnahe Aufgaben eingesetzt.
Die Uniform des RAD/M war der Wehrmacht nachempfunden und umfasste charakteristische Elemente wie den Spatenhelm und den geschulterten Spaten als symbolisches Arbeitsgerät. Mützenabzeichen spielten eine wichtige Rolle in der Hierarchie und Identifikation der verschiedenen Einheiten und Dienstgrade. Sie trugen zur Esprit de Corps und zur regionalen Identität der einzelnen Arbeitsgaue bei.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Reichsarbeitsdienst als nationalsozialistische Organisation aufgelöst. Die Region Pommern wurde größtenteils polnisch, Stettin wurde zu Szczecin. Objekte wie dieses Mützenabzeichen sind heute historische Zeugnisse einer untergegangenen Organisation und werden von Militaria-Sammlern und Museen als Studienobjekte zur Geschichte des Nationalsozialismus bewahrt. Sie dokumentieren die umfassende Durchdringung der deutschen Gesellschaft durch nationalsozialistische Organisationen und die Militarisierung der Jugend in der Zeit zwischen 1933 und 1945.