Bayern Bajonett M 1871 .

Gereinigte Klinge mit kleinen Flecken, unklarer Hersteller "...sberg ....um ..olingen", auf dem Parierstück die Amberger Krone sowie der Truppenstempel "17.R.7.203.", auf der anderen Seite die Seriennummer "8333", schwarze Lederscheide mit stellenweise offener Naht, das Mundblech mit Trageöse, das Ortblech mit unklarem Truppenstempel, Alters- und Gebrauchsspuren, sonst noch sehr gut erhalten. Zustand 2-
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480,00

Bayern Bajonett M 1871 .

Das bayerische Infanteriebajonett Modell 1871 repräsentiert einen bedeutenden Abschnitt in der militärischen Entwicklung des Königreichs Bayern nach der deutschen Reichsgründung. Dieses Seitengewehr wurde parallel zum preußischen Modell 1871 eingeführt und diente der Bewaffnung der bayerischen Infanterie, die ihre eigenen militärischen Traditionen auch im Deutschen Kaiserreich beibehielt.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und der Gründung des Deutschen Reiches behielt Bayern als zweitgrößter Bundesstaat weitgehende militärische Autonomie. Die Bayerische Armee entwickelte eigene Ausrüstungsgegenstände, die sich zwar an preußischen Vorbildern orientierten, aber charakteristische bayerische Merkmale aufwiesen. Das Bajonett M 1871 wurde für das Gewehr M 1869 und später für das Gewehr M 1871 (Mauser) konzipiert.

Das vorliegende Exemplar zeigt die typischen Konstruktionsmerkmale des bayerischen Modells. Die Klinge aus Solinger Produktion - die Herstellerinschrift deutet auf einen der bekannten Solinger Hersteller hin, wie möglicherweise Weyersberg, Kirschbaum & Cie oder ähnliche Manufakturen - weist die für diese Zeit charakteristische Qualität auf. Solingen war seit Jahrhunderten das Zentrum der deutschen Klingenproduktion und lieferte Seitengewehre an alle deutschen Staaten.

Von besonderer Bedeutung ist die auf dem Parierstück eingeprägte Amberger Krone, das charakteristische Kennzeichen bayerischer Militaria. Die Stadt Amberg in der Oberpfalz beherbergte das königlich-bayerische Gewehrfabrikat und fungierte als Hauptprüfstelle für Handfeuerwaffen und Seitengewehre der bayerischen Armee. Das Amberger Prüfzeichen - eine stilisierte Krone - garantierte die Abnahme nach militärischen Spezifikationen.

Der Truppenstempel “17.R.7.203.” liefert präzise Informationen über die militärische Zuordnung. Die Bezeichnung “17.R.” steht für das 17. Infanterie-Regiment der bayerischen Armee, das auch als “Prinz Otto-Regiment” bekannt war und in Germersheim stationiert wurde. Die weiteren Zahlen spezifizieren die Kompanie- und Waffennummer innerhalb der Regimentsstruktur. Diese präzise Inventarisierung ermöglichte die genaue Zuordnung jeder Waffe zu ihrem Träger und war typisch für die penible Verwaltung der kaiserlichen Armeen.

Die Seriennummer 8333 auf der gegenüberliegenden Seite des Parierstücks dokumentiert die fortlaufende Nummerierung des Herstellers. Solche Nummern ermöglichen heute die ungefähre Datierung der Produktion und die Zuordnung zu spezifischen Fertigungsserien.

Die schwarze Lederscheide mit Metallbeschlägen entspricht der Standardausführung für bayerische Infanteriebajonette. Das Mundblech mit Trageöse diente der Befestigung am Koppel des Soldaten, während das Ortblech die Spitze der Scheide schützte. Die teilweise offene Naht zeugt von intensivem Gebrauch über viele Jahre hinweg. Die Lederscheiden waren erheblichen Belastungen ausgesetzt, besonders bei Märschen und Manövern unter verschiedenen Witterungsbedingungen.

Das Bajonett M 1871 blieb bis zur Einführung des Seitengewehrs M 1884 im aktiven Dienst, wurde jedoch auch danach noch bei Reserveeinheiten und in der Ausbildung verwendet. Die bayerische Armee umfasste bei Friedensstärke etwa 55.000 Mann und war in zwei Armeekorps (I. und II. Königlich Bayerisches Armeekorps) organisiert.

Die militärische Bedeutung solcher Bajonette ging über ihre Funktion als Stichwaffe hinaus. Sie waren Symbol militärischer Disziplin und Teil des soldatischen Selbstverständnisses. Die sorgfältige Pflege der Waffe gehörte zu den täglichen Pflichten jedes Infanteristen. Bei Paraden und Zeremonien spielten die blank polierten Bajonette eine wichtige Rolle im militärischen Zeremoniell.

Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wertvolle Einblicke in die Militärgeschichte des Deutschen Kaiserreichs. Die erhaltenen Stempel und Markierungen ermöglichen eine präzise historische Einordnung und dokumentieren die föderale Struktur der kaiserlichen Armee, in der Bayern seine Eigenständigkeit bewahren konnte. Das vorliegende Exemplar mit seinem dokumentierten Erhaltungszustand ist ein authentisches Zeugnis der Militärgeschichte des späten 19. Jahrhunderts und der besonderen Stellung Bayerns im Deutschen Kaiserreich.