Elastolin - Generalfeldmarschall mit Marschallstab gehend
Elastolin-Generalfeldmarschall mit Marschallstab: Militärspielzeug und historische Sammlerkunst
Die vorliegende Elastolin-Figur eines schreitenden Generalfeldmarschalls mit Marschallstab stellt ein bemerkenswertes Zeugnis deutscher Spielzeugherstellungskunst des 20. Jahrhunderts dar. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört diese Figur zu den klassischen Maßstäben der Hausser-Elastolin-Produktion, die zwischen den 1920er und 1950er Jahren ihre Blütezeit erlebte.
Die Firma O. & M. Hausser wurde 1904 in Ludwigsburg gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Massemodellen in Deutschland. Der Name “Elastolin” bezeichnete ein spezielles Material, das hauptsächlich aus Sägemehl, Leim, Kasein und anderen Bindemitteln bestand. Diese innovative Masse ermöglichte es, detaillierte und dennoch robuste Spielzeugfiguren herzustellen, die gegenüber den traditionellen Bleisoldaten mehrere Vorteile boten: Sie waren leichter, bruchsicherer und gesundheitlich unbedenklicher.
Der dargestellte Generalfeldmarschall repräsentiert den höchsten militärischen Dienstgrad der deutschen Streitkräfte. Dieser Rang wurde in der preußischen Armee etabliert und später in der Wehrmacht übernommen. Der Marschallstab, den die Figur trägt, war das traditionelle Zeichen dieser höchsten militärischen Würde. In der deutschen Militärtradition war der Marschallstab reichverziert und wurde bei der Ernennung feierlich überreicht.
Die Herstellung solcher Figuren folgte einem aufwendigen Prozess. Zunächst fertigten Bildhauer Modelle an, von denen dann Gussformen erstellt wurden. Die Elastolin-Masse wurde in diese Formen gepresst, und nach dem Trocknen wurden die Figuren von Hand bemalt. Die Bemalung erfolgte durch spezialisierte Arbeiterinnen, die oft jahrelange Erfahrung besaßen und für die detailgetreue Darstellung von Uniformen, Orden und Abzeichen verantwortlich waren.
Die Figuren der Hausser-Manufaktur zeichneten sich durch ihre historische Genauigkeit aus. Die Uniformdarstellungen basierten auf zeitgenössischen Vorschriften und Fotografien. Bei Generalfeldmarschällen umfasste dies typischerweise die charakteristische Uniform mit entsprechenden Rangabzeichen, den Schulterstücken mit gekreuzten Marschallstäben und eventuell Orden wie dem Eisernen Kreuz oder dem Pour le Mérite.
Im historischen Kontext dienten diese Figuren mehreren Zwecken. Primär waren sie als Spielzeug konzipiert, das Kindern militärische Tradition und Geschichte nahebringen sollte. Die detailgetreuen Darstellungen machten sie jedoch auch für erwachsene Sammler interessant, die damit historische Szenen nachstellen oder militärhistorische Sammlungen aufbauen konnten.
Die Produktion von Elastolin-Figuren wurde durch die historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts stark beeinflusst. Während der Weimarer Republik erlebte das Unternehmen einen Aufschwung, in der NS-Zeit wurden viele militärische Figuren produziert, und nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Produktion zunächst eingestellt werden. Die Alliierten verboten zeitweise die Herstellung militärischer Spielzeuge. Erst später konnte die Produktion wieder aufgenommen werden, wobei zunehmend auch historische und nicht-militärische Themen behandelt wurden.
Der Zustand 2 der vorliegenden Figur deutet auf eine sehr gut erhaltene Figur hin. In der Sammlerbewertung bedeutet dies üblicherweise, dass die Figur nur minimale Gebrauchsspuren aufweist, die Bemalung weitgehend original und intakt ist und keine größeren Beschädigungen vorliegen. Dies ist bei Elastolin-Figuren, die oft intensiv bespielt wurden, bemerkenswert.
Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte, die einen wichtigen Platz in der Geschichte des deutschen Spielzeugs einnehmen. Sie dokumentieren nicht nur handwerkliches Können und künstlerische Detailtreue, sondern auch die gesellschaftlichen Werte und historischen Perspektiven ihrer Entstehungszeit. Sammler schätzen besonders die Figuren hoher militärischer Würdenträger wie Generalfeldmarschälle, da diese oft in kleineren Auflagen produziert wurden und durch ihre aufwendige Gestaltung hervorstechen.
Die Firma Hausser existierte bis in die 1980er Jahre, bevor sie ihre Produktion endgültig einstellte. Das Erbe der Elastolin-Figuren lebt jedoch in Sammlungen und Museen weiter und bietet wertvolle Einblicke in die deutsche Militärgeschichte, Spielzeugherstellung und Alltagskultur des 20. Jahrhunderts.