Geschichte des Infanterie-Regiments Keith 1. Oberschlesisches Nr. 22,
Phönix Verlag, 1913. Leineneinband mit 367 Seiten (einige Seiten gelöst und liegen bei), sehr interessantes Werk, Zustand 2 - 2-
Die Regimentsgeschichte des Infanterie-Regiments Keith 1. Oberschlesisches Nr. 22 stellt ein bedeutendes Beispiel der preußischen und deutschen Militärgeschichtsschreibung des frühen 20. Jahrhunderts dar. Das 1913 im Phönix Verlag erschienene Werk dokumentiert die traditionsreiche Geschichte eines der ältesten Infanterieregimenter der preußischen Armee und spiegelt die militärische Kultur des Kaiserreichs unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg wider.
Das Infanterie-Regiment Nr. 22 führte seinen Namen nach dem schottischen Feldmarschall Jakob Keith (1696-1758), der als einer der fähigsten Generale unter Friedrich dem Großen galt. Keith fiel 1758 in der Schlacht bei Hochkirch. Die Namensgebung nach diesem bedeutenden Militärführer verlieh dem Regiment besondere Ehre und verpflichtete es zur Wahrung seiner Traditionen. Als oberschlesisches Regiment hatte es seine Garnison traditionell in dieser östlichen Provinz Preußens und rekrutierte seine Mannschaften vorwiegend aus dieser Region.
Die Tradition der Regimentsgeschichtsschreibung entwickelte sich in der preußischen Armee besonders im 19. Jahrhundert zu einer wichtigen Institution. Diese offiziellen Geschichtswerke dienten mehreren Zwecken: Sie dokumentierten die militärischen Leistungen und Traditionen, stärkten den Korpsgeist und die Identität der Einheit, und fungierten als Ausbildungsmaterial für junge Offiziere. Die Erstellung solcher Geschichtswerke erfolgte typischerweise auf Befehl des Regiments, wie auch in diesem Fall explizit vermerkt, und wurde oft von mehreren Offizieren gemeinschaftlich verfasst.
Das vorliegende Werk von 1913 stellt eine Neubearbeitung und Vervollständigung einer bereits existierenden Regimentsgeschichte dar. Diese Praxis der regelmäßigen Aktualisierung war üblich, um neuere Ereignisse einzuarbeiten und die historische Darstellung auf Basis neuer Erkenntnisse zu verbessern. Die Ausstattung mit Skizzen und Karten entsprach dem zeitgenössischen Standard militärhistorischer Publikationen und ermöglichte dem Leser ein besseres Verständnis der beschriebenen Gefechte, Schlachten und Truppenbewegungen.
Der Erscheinungszeitpunkt 1913 ist von besonderer historischer Bedeutung. Das Werk entstand in der Spätphase des Deutschen Kaiserreichs, nur ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Es dokumentiert damit die Geschichte des Regiments bis zu einer Zeitenwende, nach der die militärische Welt grundlegend verändert werden sollte. Die darin beschriebenen Traditionen, Taktiken und die militärische Kultur stammten noch aus einer Epoche, die von den Erfahrungen der Einigungskriege (1864-1871) und den relativ friedlichen Jahrzehnten danach geprägt war.
Die physische Gestaltung als Leinenband mit 367 Seiten entsprach der üblichen Aufmachung repräsentativer militärhistorischer Werke dieser Zeit. Der Leineneinband bot Haltbarkeit und eine gewisse Eleganz, ohne dabei zu kostspielig zu sein. Solche Bände wurden häufig in Offiziersbibliotheken aufbewahrt, aber auch von Veteranen und militärhistorisch interessierten Zivilisten erworben.
Regimentsgeschichten wie diese sind heute wertvolle Quellen für die Militärgeschichtsforschung. Sie bieten detaillierte Informationen über Organisation, Bewaffnung, Uniformierung und Einsatzgeschichte der Einheiten. Gleichzeitig müssen Historiker bei ihrer Auswertung berücksichtigen, dass diese offiziellen Darstellungen häufig eine apologetische Tendenz aufweisen und militärische Erfolge betonen, während Niederlagen und Probleme oft beschönigt oder ausgelassen wurden.
Das Regiment Nr. 22 durchlief eine lange Geschichte, die typischerweise bis ins 17. oder 18. Jahrhundert zurückreichte. Solche Regimenter kämpften in den Schlesischen Kriegen Friedrichs des Großen, den Befreiungskriegen gegen Napoleon, den Einigungskriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich sowie in zahlreichen kleineren Gefechten und Kolonialeinsätzen. Die detaillierte Aufarbeitung dieser Geschichte über mehr als 350 Seiten zeugt von der Fülle der dokumentierten Ereignisse und der Gründlichkeit der militärhistorischen Arbeit.
Die Bedeutung Oberschlesiens als Rekrutierungsgebiet verband das Regiment mit einer wirtschaftlich wichtigen, aber auch kulturell vielfältigen Region des preußischen Staates. Die oberschlesische Identität spielte für die Mannschaften eine wichtige Rolle und wurde durch regionale Traditionen und Bindungen gestärkt.
Solche Regimentsgeschichten waren nicht nur historische Dokumentationen, sondern auch Instrumente der Traditionspflege und Identitätsstiftung im preußisch-deutschen Militär. Sie sollten jungen Offizieren und Soldaten vermitteln, Teil einer ruhmreichen Geschichte zu sein und die Verpflichtung zu haben, diese Traditionen fortzuführen und zu mehren.