Das Großkreuz des Eisernen Kreuzes stellt die höchste Stufe einer der bedeutendsten militärischen Auszeichnungen der deutschen Geschichte dar. Gestiftet am 10. März 1813 durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen in Breslau während der Befreiungskriege gegen Napoleon, bildete das Großkreuz die Spitze der Hierarchie des Eisernen Kreuzes. Die Auszeichnung wurde ausschließlich an die obersten militärischen Führer für außergewöhnliche strategische Leistungen und entscheidende Kriegserfolge verliehen.
Die Version von 1870 wurde anlässlich des Deutsch-Französischen Krieges (1870-1871) erneuert. Die Gestaltung folgte der klassischen Form des Eisernen Kreuzes: ein schwarzer Eisenkern, gefasst in einen silbernen Rahmen, mit den charakteristischen ausgebreiteten Armen des Tatzenkreuzes. In der Mitte der Vorderseite befand sich die Krone Preußens über dem Monogramm “W” für Wilhelm I., auf der Rückseite das Stiftungsdatum “1813” sowie das Jahr der Erneuerung “1870” mit Eichenlaub.
Während des Deutsch-Französischen Krieges wurde das Großkreuz insgesamt neunmal verliehen. Die ersten sieben Verleihungen erfolgten am 22. März 1871, kurz nach dem Sieg über Frankreich. Zu den Empfängern zählten Generalfeldmarschall Helmuth Graf von Moltke, der Chefstratege der preußischen Armee, sowie die Oberbefehlshaber der verschiedenen Armeen wie Prinz Friedrich Karl von Preußen und der Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Friedrich III. Auch Kronprinz Albert von Sachsen und Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin gehörten zu den Ausgezeichneten. König Wilhelm I. selbst erhielt das Großkreuz am 16. Juni 1871 nach seiner Proklamation zum Deutschen Kaiser.
Die extreme Seltenheit dieser Auszeichnung machte jedes Exemplar zu einem bedeutenden historischen Dokument. Über alle Kriege von 1813 bis 1918 hinweg wurde das Großkreuz nur zwanzigmal verliehen, was seine außerordentliche Exklusivität unterstreicht. Originale verliehene Stücke befinden sich heute ausschließlich in bedeutenden Museen oder waren mit ihren Trägern beigesetzt worden.
Aufgrund der Rarität authentischer Verleihungsstücke fertigten renommierte Ordenshersteller bereits zu Lebzeiten der Auszeichnung Ausstellungs- und Schaustücke für Präsentationszwecke an. Solche Exemplare wurden insbesondere zu Jubiläen hergestellt, wie etwa zur 25-Jahrfeier 1896 des Sieges im Deutsch-Französischen Krieg. Diese nicht zur Verleihung bestimmten Stücke dienten Juwelieren, Ordensherstellern und militärischen Institutionen zur Demonstration der höchsten preußischen Kriegsauszeichnung.
Die Firma Albert Werner & Söhne (AWS) in Berlin gehörte zu den führenden Herstellern von Orden und Ehrenzeichen im Deutschen Kaiserreich. Das Unternehmen fertigte sowohl Verleihungsstücke als auch hochwertige Schaustücke für kommerzielle und repräsentative Zwecke. Die charakteristische Verarbeitung mit geschwärztem, beidseitig hohlgeprägtem Eisenkern und einem Silberrahmen mit polierten Kanten entsprach der traditionellen Fertigungstechnik dieser Zeit.
Die Konstruktion des Großkreuzes war aufwendig: Der Eisenkern wurde separat gefertigt und durch Schwärzen behandelt, um die charakteristische tiefschwarze Oberfläche zu erzeugen. Der Silberrahmen wurde präzise gearbeitet und mit dem Kern verbunden. Die Maße von etwa 63 x 58 mm waren größer als die des Eisernen Kreuzes 1. Klasse, das Gewicht von circa 27 Gramm spiegelte die solide Konstruktion wider. Das Großkreuz wurde an einem breiten Band um den Hals getragen, im Gegensatz zum Ritterkreuz, das an einer Halsschlaufe hing.
Die historische Bedeutung des Großkreuzes reicht weit über seinen materiellen Wert hinaus. Es symbolisiert die militärische Tradition Preußens und später des Deutschen Reiches, die Einigung Deutschlands unter preußischer Führung und die militärischen Erfolge, die zur Reichsgründung 1871 führten. Jede Verleihung markierte einen Wendepunkt in der deutschen Militärgeschichte und ehrte Männer, deren strategische Entscheidungen den Verlauf europäischer Geschichte beeinflussten.
Für Sammler und Militärhistoriker stellen authentische Exemplare aus dieser Periode, selbst Schaustücke, wichtige Studienobjekte dar. Sie dokumentieren die handwerkliche Kunst der Ordensherstellung im 19. Jahrhundert, die ikonographischen Elemente preußischer Militärtradition und die materielle Kultur der Auszeichnungssysteme. Da originale Verleihungsstücke praktisch nicht verfügbar sind, bieten zeitgenössische Ausstellungsstücke die einzige Möglichkeit, diese höchste preußische Kriegsauszeichnung in Sammlungen zu repräsentieren.