Diese silberne Zigarrendose aus dem persönlichen Tafelsilber Adolf Hitlers repräsentiert ein außergewöhnlich seltenes Objekt aus der repräsentativen Ausstattung des nationalsozialistischen Regimes. Gefertigt um 1938/39 von den renommierten Münchner Juwelieren Franz und Hermann Wandinger, gehörte sie zu einem exklusiven Ensemble von Rauchutensilien, das bei offiziellen Staatsempfängen in Hitlers Residenzen zum Einsatz kam.
Die rechteckige Dose aus 925er Sterlingsilber (92,5 Prozent Feinsilber) mit hochpolierten Oberflächen zeigt auf dem Deckel zentral den Hoheitsadler mit Hakenkreuz und Eichenkranz, flankiert von den Initialen “A” und “H”. Ein umlaufendes Mäanderband (griechisches Schlüsselmuster) rahmt den Deckel ein. Die Dose steht auf dreistufigen Füßen und misst 7 x 22,4 x 15,5 Zentimeter bei einem Gewicht von etwa 1220 Gramm. Das Innere ist mit fein gemasertem Zedernholz ausgekleidet. Am Boden befinden sich die Juwelierspunze “FHW” der Wandingers, die Feingehaltspunze “925” sowie Halbmond und Krone als deutsche Staatspunzen für Silber dieser Reinheit.
Das Rauchzubehör Hitlers umfasste typischerweise mehrere Komponenten: Zigarrendosen, Zigarettendosen in verschiedenen Größen, Halter für Zündholzschachteln, Zigarrenabschneider und Serviertabletts. Dabei existierten zwei unterschiedliche Herstellermuster: das formelle Muster (hauptsächlich von Bruckmann & Söhne mit detailliertem reliefiertem Adler und griechischem Schlüsselrand) und die Rauchutensilien von FHW. Unter allen Objekten seiner Silbersammlung zählen Zigarrendosen zu den seltensten Stücken – Quellen erwähnen, dass lediglich zwei Exemplare im Kehlsteinhaus (Adlerhorst) platziert wurden. Heute existiert nur noch eine Handvoll dieser Dosen.
Diese silbernen Rauchutensilien fanden Verwendung bei offiziellen Staatsempfängen und für hochrangige Staatsgäste in Hitlers verschiedenen Residenzen: der Neuen Reichskanzlei in Berlin, dem Berghof in Berchtesgaden, dem Kehlsteinhaus (Adlerhorst), dem Führerbau in München und dem Braunen Haus in München. Obwohl Hitler selbst überzeugter Nichtraucher war, gehörten Tabakwaren und entsprechendes Zubehör zur standardmäßigen Ausstattung großer Empfänge für seine Gäste. Die Hausverwaltung unterstand Arthur Kannenberg, Hitlers Hausintendant ab 1933.
Die Neue Reichskanzlei, entworfen von Albert Speer, bildete den architektonischen Rahmen für diese repräsentativen Objekte. Hitler beauftragte Speer am 11. Januar 1938 mit dem Bau und forderte die Fertigstellung binnen eines Jahres zum 10. Januar 1939, obwohl vorbereitende Planungen bereits 1935 begonnen hatten. Über 4.500 Arbeiter schufteten in Schichten rund um die Uhr und vollendeten das Gebäude 48 Stunden vor dem Termin. Der 400 Meter lange und 20 Meter hohe Bau an der Voßstraße in Berlin umfasste großzügige Marmorsäle, eine 150 Meter lange Galerie (doppelt so lang wie der Spiegelsaal von Versailles) und prunkvolle Staatsempfangsräume. Als repräsentatives Machtzentrum Hitlers diente die Reichskanzlei bis zu ihrer schweren Beschädigung während der Schlacht um Berlin im April und Mai 1945. Die Ruinen wurden erst in den 1950er Jahren vollständig beseitigt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Stücke aus Hitlers Tafelsilber von alliierten Soldaten als Kriegstrophäen aus der Reichskanzlei, dem Berghof, dem Kehlsteinhaus und anderen Standorten mitgenommen. Einige Stücke befinden sich heute in Privatsammlungen, andere in Museen, darunter ein 41-teiliges Service in der Pinakothek der Moderne in München.
Das vorliegende Exemplar wurde laut Provenienz als Kriegsbeute vom französischen Lieutenant Armand Kauffmann erworben, der 1946 als Verhöroffizier bei der US-Armee diente. Er erhielt die Zigarrendose von einem deutschen Kriegsgefangenen in Berchtesgaden im Austausch für dessen Freilassung. Die Dokumentation umfasst eine Farbfotokopie von Kauffmanns französischem Militärausweis von 1933, ein Fotonegativ und Abzüge aus den 1950er Jahren sowie eine Erklärung seines Sohnes. Bei einer Hermann Historica-Auktion im Jahr 2005 wurde eine vergleichbare Zigarrendose für 37.000 Euro plus Aufgeld zugeschlagen, was die außerordentliche Seltenheit dieser Objekte unterstreicht.