III. Reich - Reichsbund Deutscher Kleintierzüchter R.D.K., große nichttragbare Auszeichnungsplakette "Für Verdienste um die Deutsche Geflügelzucht"
Die Reichsbund Deutscher Kleintierzüchter (R.D.K.) Auszeichnungsplakette "Für Verdienste um die Deutsche Geflügelzucht" repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Kleintierzucht-Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese große, nicht tragbare Plakette aus vergoldetem Zink mit einem Durchmesser von 105 mm war eine bedeutende Ehrung innerhalb der organisierten Kleintierzucht des Dritten Reiches.
Der Reichsbund Deutscher Kleintierzüchter wurde in die nationalsozialistische Organisationsstruktur eingegliedert und unterstand dem Reichsnährstand, der 1933 unter Richard Walther Darré gegründet wurde. Diese Organisation sollte die gesamte landwirtschaftliche Produktion im Deutschen Reich koordinieren und kontrollieren, einschließlich der Kleintierzucht. Die Kleintierzucht, insbesondere die Geflügelzucht, wurde als wichtiger Beitrag zur Ernährungssicherung der deutschen Bevölkerung betrachtet und gewann im Rahmen der Autarkiepolitik des NS-Regimes besondere Bedeutung.
Die Geflügelzucht spielte eine zentrale Rolle in der nationalsozialistischen Agrarpolitik. Mit der zunehmenden wirtschaftlichen Abschottung und den späteren Kriegsvorbereitungen ab Mitte der 1930er Jahre wurde die heimische Produktion von Eiern und Geflügelfleisch als strategisch wichtig eingestuft. Der R.D.K. organisierte Züchter im gesamten Reichsgebiet und förderte durch Ausstellungen, Züchterwettbewerbe und eben solche Auszeichnungen die Verbesserung der Zuchtstandards und die Produktionssteigerung.
Die hier beschriebene Plakette wurde für besondere Verdienste um die deutsche Geflügelzucht verliehen. Solche Auszeichnungen waren Teil eines umfassenden Systems von Ehrungen und Anreizen, mit denen das NS-Regime loyale Mitarbeit in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen würdigte. Die Verwendung von Zink als Material anstelle von Bronze oder anderen Metallen ist charakteristisch für die Zeit ab Mitte der 1930er Jahre, als strategische Metalle zunehmend für die Rüstungsproduktion reserviert wurden. Die Vergoldung verlieh der Auszeichnung dennoch ein repräsentatives Aussehen.
Der große Durchmesser von 105 mm und die Präsentation in einem speziellen Verleihungsetui unterstreichen den offiziellen Charakter und die Bedeutung dieser Ehrung. Solche nicht tragbaren Plaketten waren für die Ausstellung in Geschäftsräumen, Vereinsheimen oder privaten Wohnungen gedacht und dienten als sichtbares Zeichen des Ansehens des Geehrten innerhalb der Züchtergemeinschaft.
Die Organisation von Kleintierzüchtern hatte in Deutschland eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Lokale Züchtervereine schlossen sich zu regionalen und schließlich zu nationalen Verbänden zusammen. Diese Strukturen wurden nach 1933 im Zuge der Gleichschaltung in das NS-System integriert. Die Verleihung von Auszeichnungen folgte dabei sowohl fachlichen Kriterien – wie züchterische Leistungen und Beiträge zur Rassenverbesserung – als auch politischen Erwägungen im Sinne der Regimetreue.
Historisch betrachtet dokumentiert diese Plakette die Durchdringung selbst scheinbar unpolitischer Freizeitbeschäftigungen durch die nationalsozialistische Ideologie und Organisation. Die Kleintierzucht wurde Teil der größeren Bemühungen um Blut und Boden-Ideologie, Autarkie und der Mobilisierung aller gesellschaftlichen Ressourcen für die Ziele des Regimes. Gleichzeitig behielt die Tätigkeit für viele Züchter ihren Charakter als Hobby und Leidenschaft bei, auch wenn sie in einen politischen Rahmen eingebettet war.
Nach 1945 wurden die NS-Organisationen aufgelöst, und die Kleintierzüchtervereine organisierten sich in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR neu, wobei sie an die älteren, vor-nationalsozialistischen Traditionen anknüpften. Auszeichnungen wie die hier beschriebene Plakette sind heute historische Dokumente, die Einblick in die Organisationsstrukturen und Ehrungspraktiken des Dritten Reiches geben.
Für Sammler und Historiker sind solche Objekte von Interesse, da sie einen weniger bekannten Aspekt der NS-Zeit beleuchten – die Integration von Alltagsorganisationen und Hobbyvereinen in das totalitäre System. Sie ergänzen das Bild einer Gesellschaft, in der nahezu alle Lebensbereiche politisch überformt wurden.