Nationalsozialistische Schwesternschaft ( NSS ) - Brosche für Lernschwester und Anwärterin
Die Nationalsozialistische Schwesternschaft (NSS) stellte eine spezialisierte Organisation innerhalb des nationalsozialistischen Gesundheitswesens dar, die während der Zeit des Dritten Reiches von 1934 bis 1945 existierte. Diese Brosche für Lernschwester und Anwärterin, hergestellt von Hoffstätter Bonn, repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Durchdringung des Krankenpflegewesens in Deutschland.
Die NSS wurde am 8. Oktober 1934 durch einen Erlass des Reichsärzteführers Gerhard Wagner gegründet und unterstand der NS-Volkswohlfahrt (NSV). Sie zielte darauf ab, das gesamte deutsche Krankenpflegewesen ideologisch gleichzuschalten und eine neue Generation von Krankenschwestern nach nationalsozialistischen Prinzipien auszubilden. Die Organisation stand in direkter Konkurrenz zu den traditionellen konfessionellen Schwesternschaften, die seit Jahrhunderten die Krankenpflege in Deutschland dominierten.
Die hierarchische Struktur der NSS unterschied klar zwischen verschiedenen Ausbildungsstufen. Die Anwärterin befand sich am Anfang ihrer Laufbahn und musste zunächst eine Probezeit durchlaufen, während der ihre politische Zuverlässigkeit und ihre “rassische Eignung” überprüft wurden. Nach erfolgreicher Bewährung konnte sie zur Lernschwester aufsteigen und begann ihre formale Ausbildung, die sowohl medizinische als auch ideologische Komponenten umfasste.
Das Abzeichen selbst diente als sichtbares Erkennungszeichen der Zugehörigkeit zur NSS und der jeweiligen Ausbildungsstufe. Die Herstellung durch die Firma Hoffstätter aus Bonn ist dokumentiert und belegt, dass verschiedene autorisierte Hersteller mit der Produktion dieser Abzeichen beauftragt waren. Die Firma Hoffstätter gehörte zu den etablierten Produzenten von militärischen und paramilitärischen Auszeichnungen während der NS-Zeit.
Die Gestaltung solcher Broschen folgte strengen Richtlinien der nationalsozialistischen Symbolik. Typischerweise zeigten sie das Hakenkreuz als zentrales Element, kombiniert mit spezifischen Symbolen der Krankenpflege wie dem traditionellen Schwesternkreuz. Die verschiedenen Ausführungen für Anwärterinnen und Lernschwestern unterschieden sich in Details, um die hierarchische Stellung klar erkennbar zu machen.
Die Trägerinnen dieser Abzeichen mussten strenge Aufnahmekriterien erfüllen. Dazu gehörten der Nachweis der “arischen Abstammung” bis zu den Großeltern, politische Zuverlässigkeit im Sinne der NSDAP, körperliche Eignung und ein Mindestalter von 18 Jahren. Die Ausbildung dauerte in der Regel drei Jahre und umfasste neben medizinischen Kenntnissen auch intensive ideologische Schulungen in nationalsozialistischer Weltanschauung, Rassenlehre und Erbgesundheitslehre.
Die NSS erreichte bis 1939 etwa 12.000 Mitglieder, blieb damit aber deutlich hinter den großen konfessionellen Schwesternschaften zurück. Dennoch spielte sie eine wichtige Rolle bei der Implementierung der nationalsozialistischen Gesundheitspolitik, einschließlich der Beteiligung an den Krankenmorden im Rahmen der “Euthanasie”-Programme.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden NSS-Schwestern sowohl in Lazaretten an der Front als auch in Krankenhäusern im Reichsgebiet eingesetzt. Ihre Ausbildung und ihr Einsatz waren integraler Bestandteil der nationalsozialistischen Kriegsführung und Gesundheitspolitik.
Nach dem Kriegsende 1945 wurde die NSS durch die Alliierten aufgelöst und als nationalsozialistische Organisation verboten. Die ehemaligen Mitglieder unterlagen den Entnazifizierungsverfahren, wobei die Behandlung je nach Besatzungszone und individueller Verstrickung unterschiedlich ausfiel.
Heute sind solche Objekte wichtige historische Quellen für die Erforschung der nationalsozialistischen Gesundheitspolitik und der Rolle der Krankenpflege im Dritten Reich. Sie dokumentieren die systematische Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch die NS-Ideologie und dienen als Mahnmal für die Gefahren der Politisierung medizinischer Berufe.